Im Gedenken an Arth Paul Huber: „Sag beim Abschied leise Servus“

11. September 2025 | Von | Bilder: Archiv | Kategorie: Nachrichten

Caroline Rasser, die Hausherrin des Theater Fauteuil hat für ihren Hofkomponisten einen liebevollen Nachruf verfasst und uns die Zusage erteilt, diesen ebenfalls veröffentlichen zu dürfen. Der am 12. September 1940 in Wien geborene Arth Paul Huber verstarb Anfang Woche im Alter von 85 Jahren.

Servus Paul ❤️
In tiefer Verbundenheit und Dankbarkeit.
«Sag beim Abschied leise Servus
Nicht Lebwohl und nicht Adieu
Diese Worte tun nur weh
Doch das kleine, Wörter′l, Servus
Ist ein lieber letzter Gruss
Wenn man Abschied nehmen muss»
(aus «Sag beim Abschied leise Servus» von Peter Alexander)

Ach Paul! Da haben wir doch grad noch neue Ideen gesponnen und schöne Melodien entwickelt. Arth Paul-Melodien. Unverkennbar! Jeder Ton mitten ins Herz. Da hast Du mir doch eben noch eine mehrminütige Sprachnachricht mit einzigem Wortlaut «lalala.lalalalalalal.lalalallala!lllalllaaaala! Lallaaala. Lalllaaaaaalalllllalllaaaaa» geschickt.

Und wie gewohnt eine direkt darauffolgende mit den Worten: «Schubidu. Das wird schön. Wir sehn uns! Servus, Caro – Dein Paul.»

Über viele Jahrzehnte warst Du der musikalische Häuptling der Fauteuil-Familie. Der Oberhofkomponist am Spalenhof. Der Ohrwurm-Kaiser vieler Basler Bühnen. Du warst ein Lebemann par excellence. Du wusstest das Leben und das Glück beim Schopf zu packen. Und das immer so herrlich und unwiderstehlich ansteckend!
Dein Wiener Schmäh tat und tut uns Spalebärglemern so gut.

Viel haben wir zusammen gearbeitet. Viel zusammen gelacht. Unvergesslich bleibt dem ganzen Fauteuil-Ensemble Dein so charmantes wienerisches Vorsingen unserer baseldeutschen Pfyfferli-Texte wie «D Fasnacht isch e Reeegeboge» – wir konnten nicht genug bekommen davon. Auch wenn Du einen Schnitzelbangg imitiert hast – das bleibt uns auf ewig! Noch während wir im Autorenteam an neuen Texten gefeilt haben, hast Du die Melodien dazu komponiert. Oftmals hast Du uns überholt – und immer wieder dachte ich in diesen Momenten: So schön sind sie, Deine Melodien, kein Text kann ihnen mehr gerecht werden. Aber als sie dann von Colette Greder gesungen wurden, war die Symbiose perfekt.

So haben wir uns angespornt. Über Jahre und Jahrzehnte.
Mein ganzes bisheriges Leben lang warst Du da.
Als Freund unserer Familie über vier Generationen und als kreativer Wegbegleiter im Theater – ebenfalls über Generationen. Von meinem Vater Roland Rasser heute diese Worte zum Abschied: «Tschiribiri, lieber Paul».
Ja, man muss und kann die Theatermenschen nicht immer verstehen.
Du hast unserer Familie eine loyale Freundschaft geschenkt. Und dem Fauteuil über Jahrzehnte die Töne.
«S liggt aifach ebbis in dr Luft» – Deine Pfyfferli-Hymne ist nur einer Deiner grossen Würfe für die Basler Ewigkeit.

Deine Melodien leben in uns weiter. Das ist tröstlich in den Stunden des Abschieds.
Meine Gedanken sind bei Deiner langjährigen Lebenspartnerin Francesca Brogli und ihren Töchtern Renée, Katja und Alexa. Da, wo Dein glücklicher Lebensmittelpunkt der letzten vielen Jahre war.
Am Freitag wäre Dein 85. Geburtstag. Zu diesem trittst Du nun, der immer so leidenschaftlich gerne gereist ist, Deine grosse Reise an.

In tiefer Verbundenheit und ebensolcher Dankbarkeit sage ich:
«Schubidu. Das wird schön. Wir sehn uns! Servus Paul – Deine Caro».


Arthur Paul Huber studierte am Konservatorium Wien Klarinette, Klavier, Kompositionslehre, Kontrapunkt und Harmonielehre. Zunächst war er als Jazzpianist tätig, unter anderem in Offiziersclubs der amerikanischen Streitkräfte, seit 1962 lebt er in Basel, wo er als freiberuflicher Komponist arbeitet.
Für das Theater Fauteuil in Basel komponierte er die Musik zu zwölf „Basler Revuen“ und zu zwölf „Basler Pfyfferli“ sowie für zahlreiche Kabarettprogramme („Cabaret local“). 1979 schuf er die Bühnenmusik zur Uraufführung von Friedrich Dürrenmatts „Die Panne“ (Tourneetheater Egon Karter, Regie: Dürrenmatt), 1991 zu Anouilhs „Das Orchester“ (Helmut Förnbacher Theater Company Basel). In dieser Produktion spielte er auch die Rolle des Pianisten Léon (mit Trudi Roth als Madame Hortense, Regie: Helmut Förnbacher). Arth trat in mehreren Kabarettprogrammen zusammen mit Sabine Rasser auf (1981–82 „Eine Prise Chaos“, Regie: Rolf Lansky; 1982–84 «Es darf gedacht werden, Regie: Andreas K. Heyne), als Partner von Vreni Schmidlin („Basel leuchtet“, Regie: Wolfram Berger, Uraufführung 1989, Tabourettli Basel; „Die Heimat: Schweiz AG“, Regie: Berger, Uraufführung 1991, Tabourettli Basel) und als Solokabarettist, unter anderem mit den Programmen „Der Seiltanz des Lebens“ (Texte: P., Schmidlin, Rasser, Michael Ende, Hanns Dieter Hüsch, Markus Kutter und andere, Regie: Berger, Uraufführung 1990, Kaisersaal des Theaters Fauteuil Basel) und „Basler Läggerli und Wiener Schnitzel“ (Texte: Ende, Walo Niedermann, Georg Kreisler, Uraufführung 1992, Tabourettli Basel) sowie mit Liedern von Kreisler (1993 „Kreisleriana“, 1995 „Tauben vergiften für Fortgeschrittene“). Am Häbse-Theater Basel wirkte er in der Vorfasnachtsveranstaltung „Mimösli“ mit (2001 mit der Nummer „Das Basler Wienerli“). Arth komponierte zudem die Musik für mehrere Spiel- und Dokumentarfilme sowie für rund 750 Werbespots.

Quelle: Theaterlexikon der Schweiz 2005