Im «Greifen» fing alles an

6. Februar 2008 | Von | Kategorie: Nachrichten

Drey Dääg mit Thermounterwäsche und Frostbeulen, prophezeite Thomas Heitz, der Obmaa der jubilierenden Rhygwäggi, vor ein paar Wochen. Er tat das mit Blick auf das Sujet «Nunde Faane: e Russe-Horde mit kaltem Ranze, gseesch im Norde Faane pflanze». Klimaerwärmung sowie die Ausbeutung der Rohstoffe am Nordpol werden aufs eisige Korn genommen. Nur gerade der Tambourmajor tanzt etwas aus der coolen Reihe, schynt’s.

Am 14.Oktober 1958 gründeten im Restaurant «zum Greifen» einige muff gewordene Ex-J.B. Santihänsler die Rhygwäggi, während die alternativen Namensvorschläge von Duri Plachesi, Santihans Wändele und Gluggser, keine Gnade fanden. Als erster Obmaa und Tambourmajor amtete Philipp Wipfli. Der damalige Kassier Ruedi Degen, begnadeter Ruesser, ist heute noch aktiv.

Aussergewöhnliche «Riebli»

Das erste Sujet war dem «Piggelhube-Dialäggd im Grossroot» gewidmet. Zwölf Vorträblerinnen und Vorträbler, vier Laternenträger, 13 Pfeiferinnen und Pfeifer sowie 14 Tambouren mischten den Cortège erstmals auf. 1962 brillierten die Rhygwäggi am Monstre mit dem «Elfer». Drei Jahre später kamen die Gwäggi auf die gloriose Idee,
sich mit orange-grünen Blätzlikostümen (liebevoll auch «Riebli» genannt) auszustaffieren. Jeweils am Fasnachtszyschdig waren sie mit ihrem aussergewöhnlichen Outfit zu bestaunen und selbstverständlich nahm das Volk auch das musikalische Können begeistert zur Kenntnis.

1975 sorgte die Junge Garde erstmals für Aufsehen und leider, so die Verantwortlichen, habe man sich aufgrund der ständig steigenden Zahl an Nachwuchspfeifern und –trommlern zeitweilig auf den Lorbeeren ausgeruht. Allmählich werde es prekär, junge Leute für das Mitmachen zu begeistern. «Durch das Verteilen von Flyern während der drey scheenschte Dääg sowie durch Mund-zu-Mund-Propaganda kommen wieder Maitli und Buebe zur Jungen Garde», sagt Thomas Heitz.

1977 konnte einer der schönsten Cliquenkeller Basels am St.Johanns-Rheinweg eingeweiht werden. Vor 20 Jahren wurde auf die Gründung der Alten Garde als eigenständiger Verein angestossen. In der Stammbeiz «Kornhaus» können die Rhygwäggi mit dem Wirt Werni Mangold, ihrem einstigen Pfeiferinstruktor, hoffentlich ihre Odyssee beenden, nachdem sie nicht weniger als sechsmal das Lokal (der Spekulanten wegen) wechseln mussten.

Glückliche Umstände und Pech

Bei den Gwäggi – der Vorstand setzt sich grösstenteils aus ehemaligen Aktiven der Jungen Garde zusammen &ndash gingen und gehen die Freundschaftsbande oft in dauerhafte Beziehungen über. Daniela Gremaud (geborene Heitz) hat wie viele andere auch bei den Rhygwäggi den Mann fürs Leben gefunden, und der befolgt als Instruktor, übrigens wie die anderen Ruesser, gerne ihr Kommando. Denn sie ist – eine Seltenheit in Basel – Tambourenchefin.

Vor drei Jahren mussten die Rhygwäggi bange Stunden überstehen, denn besoffene Vandalen hatten die Laterne mit Scherben von Bierflaschen zerschnitten. Flinke Hände retteten in Rekordzeit, was zu retten war. Aber der Schock sass tief. Tempi passati. «Die Fasnacht ist die beste Gelegenheit, alles und jedes zu karikieren, aber niemals verletzend», erklärt Thomas Heitz.

Am nächsten Sonntag wird ab 16 Uhr beim St.Johann-Schulhaus die Ladärne ypfyffe, und genau zwölf Stunden später gehorchen die Gwäggi wie alle anderen 12000 Fasnachts-Aktiven dem Befehl «Morgestraich, vorwärts, marsch.»

Gute Gründe

Kostproben aus den insgesamt 50 Beweggründen der Rhygwäggi, Fasnacht zu machen:

– Auf dem Weg in die Stadt überlegen, welcher Vollidiot sich so etwas ausdenken konnte.

– Die Liebe zum Detail am Kostüm anderer wahrnehmen.

– Damit zu kokettieren, dass man «an die Kasse gekommen ist».

– Niemandem erklären müssen, warum man überhaupt Fasnacht macht.

– Die «Regimentstochter» bei der Martinskirche.

– Nachdenken darüber, ob alle Bewegungen die getrunkenen Kalorien kompensieren.