Hoch auf dem weissen Wagen!

15. Februar 2016 | Von | Kategorie: Top-Thema, Nachrichten

Ich habe heute meinen ersten Tag auf dem Wagen der Routebysser erlebt. Und ich bin fix und fertig. Waggis an der Seite der jungen Wilden ist kein Ponyhof. Sondern harte Arbeit…

D Routebysser treffen sich – noch in zivil – am Cortègemorgen – um 09 Uhr 00 bei ihrem Wagen in Münchenstein. Die Stimmung ist – trotz Regen – ausgelassen fröhlich. Noch. Der Wagen wird geladen mit weissem Gemüse*, weissen Süssigkeiten und nun warten alle auf die Lieferung der weissen Rosen. Pünktlich kommt das Blumen-Auto und alle starren auf die gelieferten Kartons: Rote, gelbe und orange Rosen aus Ecuador. Obwohl Davide ausdrücklich WEISSE ROSEN bestellt hat… Eine halbe Stunde Besprechung und Hektik, dann wird vom Lieferanten verlangt, er solle weisse Rosen liefern. Wenn nötig aus Athen.

Einige Routebysser dislozieren inzwischen zum Restaurant Harmonie in Basel. Dort wartet, wie seit Jahren, Devi («Kasch mr au Dyyfeli saage»). Sie bewirtet d Routebysser seit jeher und freut sich, die alten Bekannten zu sehen. Als der Wagen eintrifft (mit WEISSEN Rosen!), wird das Mittagessen gemeinsam eingenommen. Unter höchsten Sicherheitsvorschriften, denn die Goschdym sind schneeweiss und es gibt Ketchup zu den Pommes… Nach dem Essen Gruppenfotti vor dem Spalenbrunnen und meine Füsse schmerzen schon jetzt in den frisch gestrichenen wysse Zoggeli.

Der Wagen fährt zum Abfahrtspunkt bei der Hauptpost, wo wir eine Stunde zu früh ankommen. Der Regen bleibt aus: Das ist eine herrliche Gelegenheit um vom schneeweissen Wagen herunter die Fasnacht zu beobachten. D Barbarossa Binggis ziehen vorbei (herrlich laut und gut, wenn man bedenkt, wie jung diese Lungen sind…). Ein pausierender Zahnlugge-Waggis spielt mit einem aufgeblasenen Pariser und d Knochestampfer-Waggis fahren vorbei … mit demselben Sujet wie d Routebysser. ABER UNSER TRAKTOR IST EBEN AUCH WEISS (er wurde komplett mit weisser Folie überzogen…). Dann stellt sich d Gugge Stachelbeeri neben uns auf mit einem fantastischen Requisit: Das Basel Tattoo mit Playmobilfiguren nachgestellt – inklusive der Patrouille Suisse. Grossartig!

Der Befehl: «Larven aa» kommt und nach einer Viertelstunde Stau, beginnt der Cortège Nachmittag für d Routebysser: Was folgt ist der weisse Wahnsinn. Die vier Kollegen auf meiner Wagenseite bedienen das Publikum mit einer grossen Intensität (oder genauer: ALS GÄBE ES KEIN MORGEN MEHR) und werfen das weisse Wurfmaterial vom Wagen: Fenchel, Knoblauch, wyssi Ziibele, Kerzen und kleine Dääfeli, verpackt in weisse Schächteli. Das «Waagiiiiis»-Geschrei nimmt kein Ende. Wer eine Blagedde trägt, wird bedient. Die andern werden ignoriert, belehrt oder mit Räppli geduscht. Es werden Kleinkinder hochgehoben, als stünde der Papst zur Segnung auf dem Wagen parat… Beim Comité-Durchmarsch ziehen d Routebysser ihre Lamellen runter und; «Mache dicht!». Auf der «jungen Seite» wird eine Choreo einstudiert: Alle machen die Lamellen zu, zählen auf drei, öffnen sie gleichzeitig und werfen sofort eine Ladung Räppli ins Publikum. Beim Messeplatz der erste Halt. Die Larven werden ausgezogen und alle Köpfe sind schweissnass. In der Pause wird Bilanz gezogen («d Fänchel sinn besser zum Wärfe als Orange») und die Regale werden nachgefüllt.

Der zweite Abschnitt geht – mangels Ausstellplatz – ohne richtigen Halt bis Barfi. Das ist eine Riesenstrecke und die Routebysser geben alles.

Der Höhepunkt aber ist die «Waageleerete» auf dem Märtplatz. Jetzt weiss ich, wie sich der FCB auf dem Casino-Balkon fühlen muss: Hunderte von Menschen warten darauf, dass die Waggisse der meisten Wägen ihre nicht verteilten Vorräte vom Wagen werfen: Sie kreischen, schreien, winken und würden vermutlich, würde man sie darum bitten, einen Kopfstand vollführen. Alles um einen Fenchel, einen Knoblauch oder, im besten Falle, ein weisses Röschen zu ergattern. Der Hit sind allerdings die aus New Orelans importierten Beads (Ketteli). Die jungen und alten Frauen reissen sie den Routebysser aus den Händen.

Nach der Waageleerete gibt es einen längeren Apéro mit Freunden und Passiven, die sich zum Wagen gesellen. Ich bin komplett K.O. und meine Füssen schmerzen, als wären sie seit Stunden im Schraubstock.

Der offizielle Teil des Abends wird abgeschlossen mit einem gemeinsamen Essen. Über 40 Routebysser Freunde treffen sich im Löwenzorn zum Abendessen und lassen den Tag Revue passieren.

Ich ziehe meine Zoggeli aus und marschiere nach dem Essen – in den Socken – ins Basishotel um diesen Bericht zu schreiben. Draussen hat die Fasnacht Fahrt aufgenommen. Das Wetter ist kein Thema mehr. Und die farbigen Rosen erscheinen jetzt nur noch als Anekdote! Morgen haben d Routebysser ein Kinderprogramm auf dem Tagesbefehl, bevor es am Mittwoch nochmals heisst: «Larven aa» für den Mittwochscortège. Mit weissen Rosen..

*P.S. Das Sujet war natürlich – entgegen meiner ersten Berichterstattung – nicht „gute Nacht Basel“. Sondern das „White Dinner“. Und d Routebysser haben es durchgezogen. Wurfmaterial, Goschdym und sogar das Zugfahrzeug war ausschliesslich in weiss gehalten…