Anhänger der schrägen Töne konnten gestern Abend professionelle Guggenvorträge geniessen.
Die Trämli mit Halt auf dem Aeschenplatz entliessen nach 19 Uhr Hunderte aus den hoffnungslos überfüllten Wagen. Durchatmen und den Weg durch die Aeschenvorstadt bahnen. Junge Fasnachtslaien mit einigen Promille zuviel kurvten auf Coop-Einkaufswägeli über die Schienen und gröhlten vor Begeisterung. Die Freie Strasse hingegen bot einen zauberhaften Anblick. Der Räppliteppich mit den bunten und einigen wenigen silbernen Räppli stellte sich als Kunstwerk dar.
Jubiläum und Beatles-Song
Auf dem Barfüsserplatz begannen die Märtfraueli, welche ihren 30. Geburtstag feiern, das Guggekonzert mit dem Beatles-Hit «Let it be» aus dem Jahr 1969, als die Hippie-Generation ihre Blütezeit hatte. Die Stachelbeeri intonierten den von Sandra Braun komponierten Song «Säuli». «Guggemuusig, das ist nur Krach», nörzte ein Bürger aus dem nördlichen Nachbarland inmitten der riesigen Zuhörerschaft. Er harrte aus, und weil die Grunz Gaischter in musikalischen Sphären spielten, war vom negativ Eingestellten fortan nichts mehr zu hören. Die schränzenden Guggen brachten es bis um 21 Uhr fertig, dass die Leute bis zur Steinenvorstadt und Falknerstrasse ins Swingen kamen. Wegen des rasanten Ablaufprogramms der Guggen hörte man vom Märtplatz ebenfalls schräge Töne, während die Clara-Soirée es nicht schaffte, über den Rhein zu dröhnen.
Revoluzzer kamen ins Grübeln
40 Joor Woodstock war bei den Sonate-Schlyffer (FG-Gaschtgugge) Trumpf, was auf eine kammermusikalische Formation schliessen könnte. Ältere Semester schwelgten jedoch in Erinnerungen an ihre eigenen turbulenten 60-er-Protest-Jahre. «Das Comité klaute uns das Sujet, wir feiern 100 Jahre Ueli, und der Spassmacher hätte auch auf die Jubiläumsplakette gehört», erklärte nach dem Vortrag der Mohrekopf ein Posaunist. Das Publikum war am Ausflippen und auf der Leuchtschrift einer Bar stand richtigerweise «be happy» zu lesen. Nach zwei rassigen Konzerstunden marschierten oder schlurften die etwas müde gewordenen Guggenmitglieder von den drei Plätzen durch die Gassen und ernteten als Schränzer-Grossfamilie tosenden Applaus. Glücklich zeigte sich ein familiäres Grüppchen mit einem Wägeli, in dem der 15 Monate junge Lias mit grossen Augen das Geschehen beobachtete und beinahe den Nuggi verschluckte.
Weitere Informationen:
Fasnachts-Berichterstattung 2010 der bz auf einen Blick



