Gugge, Chaise und Wääge – au numme kurz im Rääge

17. Februar 1997 | Von | Kategorie: Nachrichten

«E halbi Minute z frieh», konstatiert Fasnachts-Comité-Obmann Ruedi Meyer, wie die Guggenmusik Gaschtro-Noome, 30 Hexen, vom Theater her kommend, den Cortège eröffnet. Ein paar Schritte vor ihnen geben die Brummbeeri, eine Chaise, die allerdings nicht einmal beim Comité angemeldet ist, den (Wetter-)Tarif an: sie haben zwei grosse Schirme gespannt, weil es just ein paar Minuten zuvor zu regnen begonnen hat.

Das hingegen stört andere «Beeren», die Rätsch-Beeri, offenbar nicht im geringsten. In ihren schönen venezianischen, violetten und grünen Kostümen, zeigt die reine Frauen-Gugge, das durchaus auch die Frau dem Mann einmal gehörig den Marsch blasen kann. Die nächsten beiden grossen Kakophonie-Harste widmen ihr Sujet der gleichen Person: Die Fuege-Fäger, weit über 40 «Musikanten» stark, sagen «Uns reut kai Stutz!», das Requisit «isch fir dr Stutz», der Major «macht uns stutzig», und die Spieler «dien dr Stutz ysammle». Die Räpplischpalter, offensichtlich vom «Mimösli» her gut eingeblasen, haben zum Sujet «S Schlessli am Luzärnerring», der Major ist «Dr Stutz, wo maint, är het s», und das Spiel besteht aus wunderschönen, farbigen Scheichs, also «Lyt, wo s hänn».

Nach geraumer Zeit ist auch der erste Wagen im Anrollen, welcher der Erwähnung wert ist: die Gillerugger. Der den Wagen ziehende Traktor ist als Riesenschinken verkleidet, der Wagen selbst stellt vorne einen überdimensionalen Rinds- und hinten einen Schweinskopf dar. Und drum heisst es auch im «Rädäbäng»: «10 ahnigslosi Metzgerwaggis in ere Metzg, wo me nit ganz druus kunnt, wo Sau oder Rind hänggt.» Überhaupt ist BSE bei den Wagen-Cliquen ein vielgefragtes Sujet. So kommen etwa die Riechemer Holzkepf, die Schindgrabe-Clique oder Büllwar-Fritze Rieche allesamt als Kühe dahergetrottet, respektive gefahren. Das tun auch die Dängg Wäärzli Waggis, allerdings mit dem Sujet «Em Bebbi syy Wurschtsalat»: Acht Köche sind auf der Suche nach einem Wurstsalat garniert, «wo weniger als 20 Frangge koschtet».

Die Glaibasler Sumpfwaggis fallen vor allem durch ihren grosszügig bemessenen Räppli-Regen auf, den sie auf das Volk am Strassenrand niederprasseln lassen. Macht nichts, wer den Mund voll bekommen hat, kann ihn gleich mit der Zahnpasta reinigen, die die Wagen-Clique kiloweise verteilt. Die Räre-Waggis ihrerseits feiern ihr 30jähriges Bestehen mit einem guten Tropfen an runden Tischchen mit Schirmen, die sie nun als Sonnenschutz gebrauchen können. Mittlerweile erstrahlt der Cortège unter wolkenlosem Himmel.

Einen runden Geburtstag, ja ein halbes Jahrhundert, feiern die Alt-Näscht-Clique (10 Waggis im Wagen, der einem grossen Himmelbett nachgebildet ist) und auch die Alti Basler Dante. 16 Alti Dante, wie aus dem Schmuckkästchen, steigen vom Wagen herab und beschenken das Comité mit einer Magnum-Flasche. Und hoch oben auf dem Wagen thront schon der Nachwuchs – vier wunderschöne, samtene Dummbeeter.

Doch dann ist eine geraume Weile nur noch Stroh auszumachen – Wagen zu Hauf, auf denen vermutlich auch die Mitglieder nichts anderes im Kopf haben. So atme ich auf, wie die Waldwaggis in ihrem Wagen, der einem ausgehöhlten Baumstamm nachempfunden ist, anfahren und ich auf einem grossen Schild lese: «Die zwai zämme hänn fusioniert, scho wider e Wage wäggrationalisiert»…

Und dann ist noch einmal «Gugge-time» angesagt – zuerst tonlos. Die 50jährige Schotte-Clique verzichtet zwar offiziell auf die Subvention (und drum wohl auch aufs Schränzen…), will aber doch anlässlich ihres Jubiläums vor dem Comité vorbeistolzieren – in wunderherrlichen «Schotte-Ueli», im Schlepptau das «Castle» mit dem Nachwuchs. Die Guggemysli, dirigiert von einem majestätischen Jeannot Tinguely, paradieren in farbenfrohen Niki de St.Phalle-Kostümen, bei den Grachsymphoniker heisst es «Grachsymcomiker» (im Vortrab ein Wagen mit einer Hampfle Binggis als Comicfiguren), und die Schränz-Gritte, ganz in orange, haben die Zeichen der Zeit erkannt: Ein paar sind auf dem Wagen, andere wurden bei der Umstrukturierung am Piccolo instruiert. «Das Ganzi nennt sich denn Fusion, was uusekunnt? De wirsch zem Gloon!» Ein gelungener Einfall.

Wohl nicht in den Augen jener Wagen-Clique, die sich als «antiguggerialischer Schutzwall» fühlt…