Grooss und glai sinn uff de Bai

11. März 2003 | Von | Kategorie: Nachrichten

Wie schon der erste Fasnachtstag, bietet auch der Dienstag – der Tag der Kinder und Guggen – allerbeste Fasnachtsbedingungen. 20(!) Grad zeigt die Temperaturanzeige in der Stadthausgasse – kein Wunder ist bereits um halb zwei Volk en masse auf dem Barfi und die Strassencafés in der ganzen Stadt sind voll besetzt. Von allen Seiten strömen grosse, kleine und kleinste Fasnächtler und Fasnächtlerinnen zusammen. Selbst die allerallerkleinsten, die noch nicht laufen können, sind mit von der Partie, gut in Leiterwagen oder andere phantasievolle Gebilde verpackt.

Eine Stunde später ist in der Freien Strasse ein veritabler Kinder-Cortège im Gang. Die Nuggichätscher rollen in ihrem Wagen daher, dicht gefolgt von den Ohnmächtige Kids (die eigentlich gar nicht so aussehen) und den Trotz-Gnepf. Prinzen, Glöön, Cowboys, ganze Ueli-Familien und ein überdimensioniertes Handy kommen daher, aber natürlich ist – wie allewyl – der absolute Kostümrenner für die Kleinen der Waggis. Denn wer kann sonst so schön die Zuschauer mit Räppli eindecken, die Knirpse beweisen in dieser Kunst wahrlich schon grosses Geschick. So lockt ein wohl knapp Fünfjähriger von seinem Mini-Waggis-Wagen mit einer schönen Rose, verlangt allerdings ein Näherkommen – natürlich sind in der anderen Hand schon die Räppli bereit. Nach kurzer Zeit ist in der Freien Strasse kaum mehr ein Zentimeter Asphalt zu sehen. Ermahnungen der Eltern, die Räppli nicht vom Boden aufzuheben, nützen nur wenig – irgendwie verständlich, wenn die bunte Pracht am Boden bis zu den Knöcheln geht.

Ein ganz Kleiner vergiesst in seinem Leiterwagen ein paar Tränen, aus welchem Grund auch immer, er wird von den anderen Kindern um ihn herum aber so schnell mit Dääfeli und anderen Köstlichkeiten eingedeckt, dass er seinen Kummer schnell vergessen haben dürfte.

Ganz wie bei den Grossen werden auch auf zahlreichen Kinder-Wagen Sujets ausgespielt – etwa beim Schissdrägg-Zügli, welches über die hohen Krankenkassenprämien herzieht oder bei einem Wagen in Schiff-Form, angeschrieben mit «Alstinggi – tschallenge for the bush jagd 2003». Natürlich waren bei der Wahl solcher Sujets wohl eher die Eltern am Werk, aber so soll es ja schliesslich sein – Kinderfasnacht am Dienstag ist auch Familienfasnacht. Ganz goldig ist ein sorgfältig ausgestatteter Trämli-Wagen mit der Aufschrift «Brivater Verkers Betrieb».

Mitten auf dem Barfi sorgen ein paar Waggis für einen Menschenauflauf. «Basel sucht den Superstar» verkünden sie auf einem Schild und lassen die Kinder zu allerlei Spielen antreten – inklusive Preise. Herrlich wie die Kinder jauchzen und strahlen, wenn die Waggis mit Hilfe ihrer Rätschen mit den Kleinen «Reise nach Jerusalem» spielen.

Leider ziehen es ein paar Halbwüchsige vor, die Leute statt mit Räppli mit den leidigen kaugummiartigen Schlangen aus der Büchse einzudecken und zielen dabei erst noch mit Vorliebe mitten ins Gesicht. Es bleibt dies aber eines der ganz wenigen Ärgernisse an einem weiteren herrlichen, freien Fasnachtszyschtig, den auch Guggen und Cliquen in vollen Zügen genossen.

Weitere Informationen:

bz-Berichte Fasnacht 2003