Gewaltige Lichtblicke

24. Februar 2010 | Von | Kategorie: Nachrichten

Gaddafi dominiert zwar die Laternenwände, aber er gehört nicht zum Feinsten.

Die Friedenstaube auf der Laterne des Lälli-Stamms befindet sich im Sturzflug. Die Clique bedauert, dass christliche und islamische Machtspiele keinen Frieden zulassen, dass Bibelsprüche und Suren missbraucht werden von Sturen. Sie reimt aber richtig:

Alli Fundamentalischte

sotte zerscht bi sich usmischte.

Ins grossartig mehrdeutige Fadenkreuz nimmt der Stamm der Basler Rolli vorne auf der Laterne die Gewalt. Auf der Rückseite klagen traurige Gesichter an, dass es nirgendwo mehr schuss-sicher respektive schuts-sicher ist.

Ebenso beeindruckend setzt die Junge Garde der Alti Stainmeler dasselbe Thema um, anhand eines bekannten Sujets. Während die beiden Engeli auf der blauen Seite Frieden in mehreren Sprachen verkünden unter dem Motto «verkeert gwaltig», sind sie auf der anderen Seite als blutrünstige Teufel «gwaltig verkeert».

Ein drittes herrlich gräuliches Beispiel an Wortspielereien und schwarzem Humor liefert die Pierrot-Clique, auf deren Laterne eine geldgierige griechische Göttin alles platt walzt – es könnte gerade so gut die Helvetia oder Europa sein – und sich mit «L’eutreal» pflegt unter dem Motto: Mein Wohl statt Gemeinwohl, weil ich es mir wert bin.

Der Basler Mittwoch-Gesellschaft ist das Gaddaffe-Theater mehrere Akte wert. Der vierte Akt, die Laterne, drückt dem Ganzen den Zensur-Stempel auf. Auch der Stamm der CCB packt das Sujet gelungen, wenn auch knapp unter der Gürtellinie an und ein: Der Reissverschluss, hinter dem Bundesrat Merz verwurstelt ist, wird hoch gezogen. He jo: «Merz-iehn der Schwanz yy.»

Da ist der Stamm der Schnooggekerzli mit seinem Sonderfall Schweiz feinfühliger. Er kommentiert ganz einfach: «Dasch gar nie-Merz.» Er bringt dazu noch viele Sujets mehr auf dieser Laternenseite unter, von Boni über Harmos bis zum Waffanculo. Das Kleinformat hats in sich.

Apropos Format: Ein Appenzeller-Scherenschnitt-Zelt zieht die Alte Garde der Alti Stainmeler durch Basel, es geht bei ihnen eben auch ohne (Laterne). Ein Wahnsinns-Gemälde präsentiert der Stamm der Rätz. Darauf bringt die Bänkler-Pest uns allen den Tod.

Sie wüssten nicht, ob es stimmt, dass das Bankgeheimnis den Bach ab schwimmt, führen D Querschleeger das Thema fort auf wunderschöne rhy-läggsende Art. Und die Stänzler & Räppli-Hippies müssen erkennen: Nicht mehr Woodstock, dafür Wuetschogg.

Weitere Informationen:

Fasnachts-Berichterstattung 2010 der bz auf einen Blick