Wenn die Basler Innerstadt am frühen Morgen des 10. März 2003 einmal mehr für drei Tage in tiefe Glückseligkeit abtauchen wird, werden sich auch Mitglieder der Genfer «Compagnie de 1602», des grössten Geschichtsvereins der Schweiz, dieses seltsame Treiben nicht entgehen lassen. Damit wird ein Kulturaustausch der besonderen Art ein weiteres Kapitel schreiben: Vor rund einem Monat waren es nämlich einige Basler Pfeifer und Tambouren, die Teil der Feiern zum 400. Jahrestag der Genfer «Escalade» waren.
Doch der Reihe nach: In der Nacht vom 11. auf den 12. Dezember 1602 war der Versuch der Savoyer gescheitert, Genf unter ihre Herrschaft zu bringen. «Die Nacht war rabenschwarz und eisig kalt», weiss Autor Burkhard Müller-Ullrich im St. Galler Tagblatt vom 14. Dezember 2002 zu berichten. An jenem Wochenende wiederum feierte Genf ein rundes Jubiläum: Deren Abwehrkampf gegen die Savoyer vor 400 Jahren war das letzte Blutvergiessen in der Stadt. Seither blickt man in der Rhonestadt jeweils mit einem historischen Umzug, eben jener «Escalade», in die Vergangenheit zurück.
Und ein solcher Festumzug geht auch in Genf nicht ohne Trommeln und Pfeifen über die Bühne: «Seit 1968 ist deshalb der Basler Verein Genf jedes Jahr dabei», erklärt der in der Calvinstadt wohnhafte Basler Tambour René Belser. Dieser Verein setzt sich aus Mitgliedern von 12 Cliquen oder anderen Fasnachtsgruppierungen zusammen. Verstärkung kam beim Jubiläums-Anlass 2002 direkt aus Basel: Nebst der Spale-Clique reihten sich auch die «25 de Bâle» (ein erlesenes Grüppchen mit Basler Trommel- und Piccolokoryphäen, das bereits an den vergangenen beiden Winzerfesten in Vevey teilgenommen hatte) als Gäste in den rund 800 Teilnehmer umfassenden Zug ein. «Auch zwei Ochsen, die schon am Winzerfest 2000 als ‹Aktive› dabei waren, bildeten den Vortrab», ergänzt Belser augenzwinkernd.
Vor dem am späteren Sonntag-Nachmittag stattfindenden Festumzug stand den Basler Tambouren und Pfeifern allerdings eine vorweihnächtliche Marschübung durch die Genfer Innerstadt bevor: «Wir haben den Verkehr zeitweise zum Erliegen gebracht und der Polizei einiges Kopfzerbrechen bereitet», so Belser gegenüber Basler Fasnacht Online. Derartige Auswüchse sind vom Gegenbesuch nicht zu erwarten: Die Mitglieder der «Compagnie de 1602» werden den Morgestraich zivil und entsprechend «incognito» besuchen…



