«Sie werden sich bestens amüsieren». Dies versprach die Pressemeldung, die
das Mimösli am 10. Januar herausgab. Und die Premiere von «Mir mache Inventar» im Häbse-Theater bewies, dass diese Ankündigung nicht übertrieben war. Die zweieinhalb Stunden vergingen wie im Flug, und am Schluss dankte ein sichtlich zufriedenes Publikum den Mitwirkenden mit herzlichem Applaus.
Im musikalischen Teil ist den Pfeifern der «Hofnaare» zu Beginn bei der «Tritsch Tratsch Polka» noch etwas Lampenfieber anzumerken. Dieses legt sich aber im Laufe des Abends. Die wunderschönen rot-gelben Kostüme tauschen sie in «It’s Swingtime» – passend zu den Melodien – gegen den Tango-Look der 20er-Jahre ein und zeigen mutig Bein. Bei beiden Vorträgen werden sie von Heinz Wirz am Piano begleitet. Zusammen mit dem «Drummel-Sextett» bringen sie, in herrlichem Charivari, den Marsch «Zivio». Gelungen auch die gemeinsame «Retraite», in der die Pfeifer (an Stelle der Tambouren) die Zwischenspiele übernehmen. Konnten die Tambouren schon mit ihrem «Trio Grande» überzeugen, so wird ihr «Magique» stürmisch beklatscht. Die sechs trommeln auf dunkler Bühne – zu sehen sind nur die kleinen Leuchtbirnen in den Schlegelbeeri: ein Effekt, wie ein wunderschönes Feuerwerk am Nachthimmel.
Einen optisch hervorragenden Auftritt haben die Schlurfer und Binggis der Gugge «Barbarossa». Doch auch musikalisch, sowohl in der Gruppe als auch mit Soloeinlagen, bieten sie Guggemuusig vom Feinsten. Vom «Radetzky-Marsch» über «When The Saints…» bis zur abschliessenden Eurovisions-Melodie ist es ein reiner Ohrenschmaus.
Das Basler Wienerli Arth Paul gehört zum Mimösli wie der Rhein zu Basel. Erstaunlich, wie es ihm immer wieder gelingt, mit bekannten Melodien Themen wie Wirtschaftsführer, die Swiss, den «Bebbi-Silo» Messeturm sowie kantonale und eidgenössische Politik zu persiflieren. Und ebenso nicht wegzudenken sind die beiden Bänggler: «dr Schorsch vom Haafebeggi 2» und «d Ständerlampe». Letzterer wirkt, abgesehen von einem tollen Bush-Vers, etwas brav. Sehr stark dagegen der Schorsch, natürlich mit einem obligatorischen Papst-Vers. Ohne Zugabe können er und seine beiden Musiker sich nicht verabschieden.
Gespannt ist man immer auf die Texte der Rahmenspiele. Und diese fallen, sieht man vom zu schwankhaften «Hanfladen» ab, wirklich gut aus. So wird im Prolog, auf der Baustelle in der Freien Strasse und im Epilog kräftig Inventur gemacht. Viel Beifall erhält Patrick «Almi» Allmandinger für seine Radioübertragung vom Morgestraich, dem Cortège und den Schnitzelbänken. Die einzelnen Szenen sind zwar nicht neu, doch begeistert er immer wieder durch grossartige Darstellung. Hervorragend, sowohl schauspielerisch als auch gesanglich, das Solo von Thomas Bayer als der «Engel vom Münsterturm».
Es gelingt Häbse H.J. Hersberger jedes Jahr, einen Überraschungs-(Star-)Gast zu finden. Diesmal ist es Hazy Osterwald mit seiner Band. Zusammen mit den Pfeifer-Primadonnen «Thomas (Heid) und Thomas (Weber)» bringen sie das Häbse-Theater zum Kochen. Fehlt dem Auftritt etwas das fasnächtliche Element, so werden bekannte Titel wie der «Kriminal-Tango», «Der Fahrstuhl nach oben ist besetzt» oder der «Tiger Rag» stürmisch gefeiert. Für die langanhaltende Standing Ovation bedankt sich der sichtlich gerührter Hazy mit den Worten «Wir kennen uns schon 60 Jahr, und bleiben immer noch im Inventar». Selbstverständlich kommen die sechs Musiker nicht ohne eine Zugabe weg.
«Adie zämme saage mir». Mit diesem traditionellen Mimöslisong, gekleidet als mimosenfarbige Pierrots, beendet das Ensemble einen gelungenen, kurzweiligen Abend. Und als Dank fliegen aus dem Publikum viele Mimosen auf die Bühne



