Fasnachtsleaks (II): Wer und Wie noch unbekannt – viele Reaktionen

8. Januar 2014 | Von | Kategorie: Top-Thema, Nachrichten

Auch knapp einen Monat nach dem ersten Auftritt von fasnachtsleaks.org ist nicht klar, wer der Urheber ist und ob es sich um eine lustige (?) Aktion oder um ein Sujet einer Clique handelt. Ebenfalls noch unklar ist, wie die Informationen beschafft wurden. Sehr vielfältig sind die Reaktionen, die von „komplettem Blödsinn“ bis „das ist echte Fasnacht“ reichen.

Kurz vor Heiligabend kündigt eine bislang unbekannte Gruppierung mit Berufung auf Whistleblower wie Assange oder Snowden an, die Sujets der an der Fasnacht 2014 teilnehmenden Einheiten aufzudecken und auf der Webseite fasnachtsleaks.org zu publizieren. In der Zwischenzeit sind Sujets offen gelegt worden; bei anderen Einträgen werden nur sehr rudimentäre Angaben, etwa über den Auftritt der jungen „Spale“ am Drummeli, veröffentlicht.

Seither sind diverse Gerüchte aufgetaucht, wer hinter der Aktion steckt. Die „üblichen Verdächtigen“ sind mit den Basler Bebbi und den „Stainlemer“ diejenigen Stammcliquen, die schon früher die ausgetretenen Pfade der Fasnacht verlassen hatten. Im Fall der „Bebbi“ wurde Basler Fasnacht Online glaubhaft versichert, dass man im 2014 „eine brave Fasnacht“ machen werde und nichts damit zu tun habe. Mittlerweile haben auch die Basler Bebbi einen Eintrag auf fasnachtsleaks.org.

Ein Informant bezeichnete Ende Dezember die AGB als Autorin. Auf Nachfrage des Schreibenden lässt sich AGB-Stamm-Obmann Stefan Bruderer wie folgt verlauten: „Ich weiss gar nicht, ob ich mich als Obmann der AGB über dieses ‚Munkeln‘ freuen oder ärgern soll. Immerhin ist es eine Ehre, wenn auch eine sehr zweifelhafte, wenn die AGB mit diesen Enthüllungen in Verbindung gebracht wird. Da wir eine sehr konservative Clique sind und auch auf die Subventionen angewiesen sind, würden wir uns so etwas nicht trauen. Sie werden also wohl oder übel weiter nach dem Maulwurf suchen müssen.“

Genauso wenig wie über die Urheberschaft weiss man über den Weg, wie die Informationen zu fasnachtsleaks.org gefunden haben. Es wurde bald einmal der Verdacht geäussert, Hacker seien beim Fasnachts-Comité eingedrungen und die von den Cliquen, Wagen, Guggen etc. für den Rädäbäng elektronisch gemeldeten Daten würden verwendet. Jüngste Recherchen von Basler Fasnacht Online wiesen ebenfalls auf diesen Weg. So war mehrfach der Satz zu hören, auf fasnachtsleaks.org stehe wortwörtlich der Inhalt des abgegebenen Rädäbäng-Eintrags.

Bereits bei der Vorstellung der Fasnachts-Plaketten Ende Dezember widersprach Comité-Obmann Christoph Bürgin vehement dieser These. Und in einem nun geführten Telefongespräch bleibt er dabei und hat gute Argumente. So hätten Ende Dezember nur etwa ein Drittel der auf fasnachtsleaks.org „geouteten“ Formationen ihren Rädäbäng-Eintrag überhaupt schon gemeldet gehabt. Auch entsprächen die Informationen in kaum einem Fall wirklich den Angaben, die für den Rädabäng erhoben würden. Ein weiteres Beispiel sieht der Comité-Obmann im Eintrag der Schränz-Gritte, wo nur erwähnt ist, dass sie orange/schwarz sind. Das hätte man auch ohne die grossen Enthüller gewusst. Bürgin bleibt deshalb dabei: „Die Informationen müssen anderweitig erhoben worden sein, wohl durch Gespräche mit Mitgliedern der entsprechenden Gruppierungen.“ Auch würden die wenigsten Gruppierungen schon zu einem derart frühen Zeitpunkt ihren Rädäbäng-Eintrag abgeben.

Klar fallen die Reaktionen der Leserinnen und Leser von Basler Fasnacht Online aus – und zwar in beide Richtungen. „DAS ist Fasnacht!!! Die Fasnacht als solches gibt es nicht, sie ist in stetem Wandel und das ist gut so!!!!“, jubiliert etwa E. S. Ins gleiche Horn bläst T. S.: „Das ist Fasnacht: Ein Sujet muss ausgereizt werden – und was bietet sich hier mehr an, als Sujets zu veröffentlichen, wenn man die NSA-Affäre ausspielen will?“

Es gibt aber auch sehr wütende Reaktionen: Als „primitiv und hirnlos“ bezeichnet T. W. die Aktion und hofft, die Urheber würden bald gefunden. Sehr kreativ zeigt sich der auch in Fasnachtskreisen nicht unbekannte Künstler René Rosenberg – hier seine Reaktion im Wortlaut: „Dubeli ans sog.“Sächsilüte“ schigge und mit Halblärvli barfuess und in de Unterhose (Modäll:Grossbabbeschlych) um e Schyterhuffe jage. Nohär im e Ruederboot ohni Rueder zmits im See ussetze!“

Unter dem Namen „renatus der traber“ meldet sich dann jemand, der die Sache relativiert: Der Humorfaktor sei mittelmässig und schliesslich komme doch schon bald der Rädäbäng raus – und dann seien die Sujet ohnehin bekannt. „Persönlich fände ich es schade mit der Tradition zu brechen, sonst haben wir im ernst das ganze Jahr „Fasnacht“  —  haben wir das nicht schon?“, fragt sich H. S. Und ein Mitglied der Alten Garde der VKB meint lakonisch: „do wott dängg unbedingt ebber uf e Schnitzelbangg choo…“ und plädiert für Ignorieren.

Für eines haben die Initianten also gesorgt: für intensive Diskussionen. Mehr weiss man nach Erscheinen des Rädäbängs – vielleicht nicht über fasnachtsleaks.org, aber sicher über die einzelnen Sujets…