Sowohl der Blick zurück wie auch derjenige nach vorne beherrschten die fünfte Auflage des Fasnachtskiechli auf der Bühne des Scala-Theaters. Die Nummern bewegten sich zwischen Brachialhumor und ausgesprochen feinen Tönen – sehr zum Gefallen des Publikums, dass mit einer Standing Ovation dankte. Und eine wirklich riesige Überraschung gab es auch noch.
Es ist jedes Jahr bewundernswürdig, was die beiden Produzenten, Texter und Darsteller Patrick Allmandinger und Renato Salvi (vulgo: Almi+Salvi) in ihrem Zweimann-Vorfasnachtstheater auf die Bühne bringen. So auch in der „kleinen“ Jubiläumsausgabe zum 5. Geburtstag. Dazu gratulierte eine fantastische Max Rabe-Parodie (Almi!), aber der Blick zurück war nur kurz.
Dafür ging der Blick nach vorne, wie es wohl im Jahr 2030 sein könnte. Es gebe dann nur noch zwei Parteien (die versammelte Mitte und die Grauliberalen), an Stelle der BaZ die „rechte Front“, die Villa Rosenau als Asyl für Alt-Besetzer – und eine ganz andere Fasnacht. Diese Traum-Nummer von Salvi und „I-Pad“-Almi soll nicht weiter erläutert werden: Die muss man sehen!
Natürlich gab es wie meist im Fasnachtskiechli viel Klamauk und Brachialhumor; das will das Publikum auch. Aber die kleinste Vorfasnachtsvorstellung hat sich kontinuierlich weiter entwickelt. Es gibt leise Nummern (Salvi als Tüftler des perfekten Fasnächtlers) und zum Teil sogar melancholische Töne (Almi als Waise mit Vater, der am Morgenstraich stirbt). Wohl auch ein Verdienst von Aernschd Born, der bei Regie und Text mithalf. Und wenn wir schon gerade bei der Hilfe sind: Die Bühnenbilder von Kurt Walter sind schlicht grossartig.
Alles in allem ein herrlich kurzweiliges (wenn auch etwas gar langes) Fasnachtskiechli, dass so süss schmeckt, wie es der Name verspricht. Vor der Pause vielleicht mit einigen Längen, dafür danach mit einem Feuerwerk. Der Gesamteindruck: Herrlich!
Und ein Feuerwerk, dass nur an der Premiere stattfand, gab es auch noch: Als alles schon zum Ausgang stürmen wollte, erschien noch ein vielköpfiges Star-Ensemble. Da Almi und Salvi in der einen Nummer betonen, wer die Negro Rhygas engagiere, müsse 200 Fass Bier haben, wollte diese Gugge doch mal sehen, ob der Vorrat auch da sei. Kurz: Die Negro brachten ein Überraschungs-Ständeli – ab Samstag treten sie ja im Charivari auf.
Schade, dass dies die Gäste der nachfolgenden Vorstellungen nicht geniessen können. Aber es gibt sonst genug, was den Besuch der Fasnachtskiechli 2012 lohnt.
Mehr Impressionen vom Fasnachtskiechli gibt es wie immer in unserer Galerie.
FASNACHTSKIECHLI 2012. Vom 24. Januar bis 18. Februar 2012 im SCALA Basel, Freie Strasse 89. Vorstellungen jeweils Dienstag, Donnerstag, Freitag und Samstag 20 Uhr. Einzige Sonntagsvorstellung am 29. Januar 2012 um 18 Uhr! Eintrittspreise: 52 Franken, für AHV/IV, Studenten, Schüler und Gruppen ab 10 Personen 47 Franken. Vorverkauf: Bider & Tanner, Aeschenvorstadt 2, 4010 Basel, Telefon 061 206 99 96, Online www.biderundtanner.ch, sowie an allen Ticket-Vorverkaufsstellen. Die Abendkasse ist an den Spieltagen (siehe unter Spieldaten www.fasnachtskiechli.ch) eine Stunde vor Vorstellungsbeginn geöffnet.



