Fasnachts-Mittwoch: Au dr Petrus hebbt dicht

17. Februar 2016 | Von | Kategorie: Top-Thema, Nachrichten

Nochmals zogen die Cliquen, Wagen, Guggen und Schääse über die Cortège-Route, bevor es abends dann zum herrlichen Gässle, aber auch zum Schlussspurt Richtung ungeliebtem Ändstraich kommt. Die Aktiven konnten sich auf den Wettergott erneut verlassen. Es blieb trocken und selbst der Wind war nicht mehr so bissig – dieses Attribut gehört dafür vielen Sujets.

Nochmals konnte man am Strassenrand die bunte Vielfalt der Sujets, aber auch deren vielfältige Ausgestaltung bewundern. Dies ging von lokalen bis zu weltbewegenden Themen wie der tatsächlichen oder vermeintlichen Klimaerwärmung (frierend am Fasnachtsmittwoch fällt es schwer, daran zu glauben), mit der sich die Junge Garde der Sans Gêne unter Zuhilfenahme des Jöö-Effekts und mit dem Sujet „Uns dauts!“ auseinandersetzt:

Dr Knut dää luegt vom Himmel aabe
und seet vo wytem graui Schwaade
„Wo isch denn nur das schöönen Yys?
Verschwunden isch my Paradyys!“

Bei diesem und allen anderen Zitaten aus den „Zeedel“ sei erwähnt: Sie sind so geschrieben, wie sie von den Autoren verfasst wurden. Reklamationen betreffend Baseldytsch (jä, au Sii, Herr Miville) bitte direkt an die Verfasser, nicht an den Chronisten.

Aus ganz persönlicher Sicht: Der absolute „Burner“ am Cortège waren die Basler Bebbi, die unter dem Sujet „Keep the beach clean“ ein sommerliches Strandfeeling inklusive Schaumparty, Strandspiele und Ferienprospekt vermittelten – selbst Pamela Anderson durfte nicht fehlen:

Viel düsterer dann die Versoffene Decht, die mit „und zägg – bisch wägg“ aufzeigen, dass Fasnacht halt auch immer Totentanz ist:

Waarted nur bis ych euch pagg!
Ych kumm in vyyle Forme
brich die woolbekannte Norme
ha euch alli in mym Sagg

Ein Dauerbrenner auch dieses Jahr ist die Reglementiererei nach dem Motto „In Basel isch alles verbotte – und was nit verbotte isch, brucht e Bewilligung“. Der Vortrab der Cliquenpartnerschaft der Alten Garden von Breo und Glunggi verteilt als Schuggmysli den Zeedel wie Strafzettel mit dem Sujet: „S regiert grien-root – und d’Innerstadt isch doot!“. Und die Alte Garde der Lälli ärgert sich, dass man nicht mal mehr in der schicken Limo aufs Standesamt fahren darf:

Der Staat sait: Laufe – das macht Sinn
– obwohl mir gar nit läufig sin

Auch kleinere Dinge können ärgern – so die neuerdings so hippen Gesichtsbehaarungen, teilweise nahezu in Taliban-Manier. Die Piggte finden das… naja:

Als Maa bisch jetz mit Baart «voll hipp»
und fielsch di uf eme bsundere «Trip»
Du bisch saumässig individuell
und ganz männlig intellektuell.

Unterbrechen wir mal für ein paar Bilder. für noch viel mehr Fotos hier anklicken.

Aber zurück zu den weltumspannenden Sujets, etwa dem des Spezi-Stamms, der beklagt: „Me(e)r versuffe in unsere Blastigghuffe!“ und finden es vor allem blöd, dass man heute sogar Zeitungen noch in eine Plastikhülle steckt:

Drby gheert das wo die schryybe doch unschiniert
nit no äxtra hermetisch blastifiziert
sondern ganz ohni Blastigg – grad kompostiert

Vielleicht nicht welt- aber zumindest männerbewegend – zumindest für die Gniesser vo dr Gundeli – ist das Genderproblem, mit dem sie lesbar Mühe haben:

Statt „Mausi, machsch mer non e Kaffi?“
haissts „Hausi, goots no? Hütte schaff y“
und wottsch denn zoobe öppis ässe
sottsch s Ykaufsdäschli nit vergässe

Schön ist auch immer wieder, wenn sich eine Gruppe eines bekannten Sujets aus ganz anderer Warte annimmt. So versetzen sich die Vertschubblete beim Einkaufstourismus in die Rolle der badischen Nachbarn, die wehklagen „Ojeeh, scho wiider Schwyzer Daag“ und dazu reimen:

CH haisst nei – de wiirsch s glääse haa –
Confoederatio Hamsterica

Eine ganz weitläufige Perspektive haben sich die Junge Garde + Binggis vo de Glunggi auserwählt – sie überlegen sich aus Anlass des Jubiläums von 50 Jahren Stamm, wo sie in einem halben Jahrhundert sein werden und wie sie Fasnacht machen:

Am Morgestraich in 50 Joor
Do stöön mir y, mit dünne Hoor
Mit Glatze und Arthritis-Schmärze
Und mache Fasnacht mit ganzem Härze

Das ist doch ein perfektes Schlusswort – und es soll es auch sein. Jetzt aber „Ab uf d Gass“, die letzten Stunden geniessen. Und wenn mir is gsehn: Gäll do nämme mir ain! Und sunsch (ebbe): E scheene Räschte!