Fasnachts-Mittwoch / Der Endspurt

16. März 2011 | Von | Bilder: Daniel Münger | Kategorie: Top-Thema, Nachrichten

Auch der Mittwoch war ein Genuss und rundete die (nicht nur) wettermässig sensationelle Fasnacht grossartig ab, auch wenn die Sonne etwas fehlte und sogar der eine oder andere Tropfen fiel. Noch einmal absolvierten die Cliquen, Guggen und Gruppen den Cortège als „Pflichtübung“, bevor es an die Kür des Gässelns ging. Und schon bald folgten die obligaten, bangen Blicke zur Uhr: „Numme no so wenig Zyt und no so vyl Luscht uf Fasnacht!“

Allzu fest wollte Petrus die Basler denn doch nicht verwöhnen. Nach zwei sonnigen Frühlingstagen brachte der Mittwoch ein Grau-in-Grau. Dies aber ausschliesslich wettermässig – am Cortège herrschte natürlich „bunt“ vor mit dem farbenfrohen Zug der Cliquen und Guggen. Wobei sich auch düstere Töne einschlichen (obwohl die Atom-Katastrophe in Japan aus Zeitgründen kein Thema sein konnte). Fasnacht heisst eben auch, den Finger auf besonders wunde Punkte zu legen – und das kann nicht immer nur locker-lustig sein.

Unsere heutige kleine – und wie immer höchst subjektive – Auslese beginnt denn auch mit dem Sujet „Mir gsehn schwarz“ der Glunggi, die mit einem unheimlichen Totenkopf auf der Laterne daherkommen, gemacht aus verschiedenen Wörtern, die immer mit Öl zu tun haben. Und auf dem Zeedel wird gewarnt:

Doch kai Gäldschyn ka das Leck verschliesse
wenn s Oel eso duet uusefliesse
Eb BP oder Shell – dr Namme isch doch glych,
d´Hauptsach isch – me wird schnäll rych

Statt des „Zeedel“ verteilen die Alte Glaibasler – oder, wie sie sich heuer nennen: Alles Griegsbereiti Basler Seldner – ein Leporello mit dem Titel „s Gschäft mit em Dood“. Auf der Rückseite wird ein „Seldneraignigstescht“ angeboten, unter anderem mit folgender Frage:

Was haltsch vom Andreas Gross?
a) Hauruggfuessball
b) Pazifischte in d´Kischte
c) Teere und fädere

Ein ebenfalls ernstes, wenn auch fasnächtlich kaum beachtetes Thema ist die Invasion artfremder Tiere und Pflanzen, die der heimischen Flora und Fauna zusetzen. d Pfyffer spielen dies unter dem Titel „Multikulti im Tuttifrutti“ aus und reimen:

Eichhörnli us de USA
griffe unseri Roote aa
Das hän si sicher derte gleert
Au dert hän zerscht die „Roote“ gsteert.

Als unterdrückte Männer sah man die Alte Garde der Schnurebegge auf der Route. Ihnen ist die Frauendominanz im Bundesrat und wohl auch am eigenen Herd zu viel, deshalb die Forderung: „Manne – zrugg in d Hoose! Fraue – zrugg an Härd!“ Sollte dies nicht klappen, haben sie einen Alternativvorschlag:

d Fraue zaalen alli Styyre
mir zaale nur no – Sagggebyyre!

Aber auch Positives wird an der Fasnacht erwähnt. So freuen sich die Breo-Ableeger mit einem allerherzigsten Teddybären als Tambourmajor über das neue Kinderspital und preisen dies als Beispiel partnerschaftlichen Zusammengehens:

Fürs Überleege und Beweege
Und eventuell fürs Zämmeleege
Für dr schwyzerisch Nordweschte
Wär Zämmearbet sicher s Beschte
Nid numme fürs Schnyyde vo de Mandle
Sondern fürs ganzi polytyschy Handle

Zum Schluss ein Thema, das so bewegt, wie kaum ein anderes: Unseri Muetterschprooch. „Aadie Baseldytsch (dütsch)“ titelt die BZG, sieht die Lage aber als nicht so dramatisch an:

E Sprooch wo me schwätzt duet sich verwandle
so blibt si lebändig und me ka verhandle
so dönt sie modärn und das isch wichtig
und me sött nit händle was isch falsch oder richtig

In der neuen Baseldytsch-Version, wie sie jüngst in Buchform veröffentlicht wurde, sehen die Rippezwigger (übrigens dieses Jahr mit dem Tambourenverein der Stadt Luzern unterwegs!) durchaus eine Gefahr – womit wir am Ende wieder bei unseren Lieblingsfeinden wären:

Lehnt das Buech lo syy
Sunscht hänns d Schwoobe glyy
Und feen die erscht no aafoo schnuure
Kemme mir erscht rächt nimm duure
Denn wärs mit em Baseldytsch verbyy
z Basel an mym Rhy

Dann noch eine Anmerkung des Verfassers: Alle Zitate wurden orthographisch so übernommen, wie sie auf den „Zeedel“ standen. Allfällige Reklamationen also bitte an die jeweiligen Dichter…

Einige Impressionen vom „Gässle“ während der bisherigen Fasnacht findet man hier und die Bilder vom Fasnachts-Mittwoch hier.