Die Kostüme wurden sorgfältig versorgt, die Bummelsonntage sind absolviert und an mancher Spielsitzung wurde hitzig debattiert und das neue Repertoire abgesegnet. Doch bald schon beginnt wieder der «graue Cliquenalltag». Für die Aktiven heisst es, sich mit dem neuen Marsch vertraut zu machen. Und die Bingisse, welche vom Fasnachtsfieber gepackt wurden und sich bei einer Clique eingeschrieben haben, freuen sich auf die erste Übungsstunde. Dann wird mehr oder weniger zaghaft ein erstes Mamme-Babbe auf dem Böggli getrommelt oder versucht, dem Schreiholz die ersten Töne zu entlocken.
Grosse Debatten gibt es bei den Cliquen oft beim Traktandum «Repertoire». Welcher Marsch soll neu aufgenommen werden? Denn hier ist die Auswahl wirklich riesig. Aus rund 60 Pfeifermärschen, über 70 Trommelmärschen und etwa 130 Trommel- und Pfeifermärschen kann gewählt werden. Doch welche werden dann von den Cliquen tatsächlich gespielt? Ralf Krumm hat in mühevoller Kleinarbeit auf deren Homepages nachgeforscht. Bei 91 hat er das Repertoire gefunden und zu einer Statistik verarbeitet. Franz Kilchherr wiederum hat diese unter dem Titel «s Repertwaar vo de Glygge» auf seiner Pfyffersyte veröffentlicht.
«Auffallend ist, dass jene Märsche an der Spitze stehen, wo das Zusammenspiel oder das Konterspiel von Trommel und Piccolo besonders gut gelungen ist», so Kilchherr gegenüber Basler Fasnacht Online. Als Beispiele nennt er Ryslaifer, Glopfgaischt, Whisky-Soda, Festspielmärsche und Saggodo. «Doch auch Märsche wie etwa der Naarebaschi, welche vor allem durch ihre neuartigen Harmoniewechsel zu Ohrwürmern wurden, liegen weit vorne», so Kilchherr weiter.
Auf den ersten Blick mag überraschen, dass der Arabi bei den Pfeifer- und Trommelmärschen der absolute Spitzenreiter ist. Wurde er doch bereits 1945 von Karl Schell (Pfeifernoten) und Dr. Fritz «Frutz» Berger (Trommeltext) komponiert. «Diesen Marsch lernen viele zuerst. Er ist weder zu lang noch zu schwer, und ist deshalb ideal für das gemeinsame Gässle von Junger Garde, Stamm und Alter Garde», meint Kilchherr zum Ergebnis. Und er findet: «Gut gepfiffen und getrommelt, tönt er erst noch fetzig». Kein Wunder also, dass fast 95 Prozent der Cliquen den Arabi in ihrem Repertoire haben. Dass bei den reinen Trommelmärschen Mätzli und Ueli absolute Spitzenreiter sind, überrascht dagegen kaum.
Weitere Informationen:
Pfyffersyte von Franz Kilchherr



