Oft zu schnell ziehen sie am Cortège an einem vorbei – und alle sieht man ohnehin nie. Es sei denn, man verbringt den Fasnachtsdienstag damit, sich in aller Ruhe die „Lambbe“, Wagen und Requisiten zu betrachten – nämlich auf dem Münsterplatz und dem Kasernenareal. Störend war nur die eiskalte Bise, die Sprüche auf Laternen und Wagen vermochten aber lange zu erwärmen.
Schöner sind die Laternen auf dem Münsterplatz ja abends, enn sie erleuchtet sind. Mehr Platz zum Anschauen und Lesen der Verse und Sprüche darauf hat man aber am Nachmittag – dieses Jahr, wohl dem garstig-grauen Wetter geschuldet, hatte man besonders viel Platz. Darum hier mal ein paar „Tagesbilder“, die schöneren folgen dann in unseren Galerien.
Nun aber zu einigen Sprüchen auf den „Lambbe“. So nehmen die Jungi Wyehlmyys Bezug auf den Schnitzelbangg S Spitzig Ryysblei:
Dr Idefix das glaine Hundeli
wohnt im gallische Dorf und nit im Gundeli
Die Alte Garde der Wiehlmys hat es eher mit moderner und gesunder (?) Nahrung:
Blätzli und Pommfrits kasch grad vergässe
muesch jetz Protein aa Käfer frässe
Dasselbe Thema bei den Seibi-Mysli:
Seit s Kamel zum Murmeli
jetz frässe si au no Wurmeli
Ein modernes Sujet hat auch die Junge Garde der Giftschnaigge:
Ghüüslet luege und Mascara-Smile
ghörr schynts zum IPhone-Style
Manchmal „längts“ auf der Laterne auch noch für einen sehr aktuellen Spruch. So bei den Junge Gundeli:
Goosch ans Drummeli
ghöörsch zue de Dummeli
Manchmal sind die Laternensprüche sehr intern – und nicht immer nett. Bei der Alten VKB-Garde hat einer nicht nur Fans:
Dr Ruedi G. fählt, doch ich main
vermisse duet ihn kain
Sehr politisch und ganz toll ausgeführt die Laterne der Pfeifer- und Tambourengruppe Cocktail bâlois mit einer Anita Fetz im Älplerdress und Schwingerhosen und dem Spruch:
D Anita duet sit Joore gärn
schwinge und regiere z Bärn
Eine Lanze für eine andere Fasnächtler-Gattung brechen die Gniesser mit den Sujet „Em Schnitzelbangg e grosse Dangg“ und reimen dazu auf der Laterne sehr poetisch:
S Härz goot uf wie d Bliete vo ere Rose
wenn du e guete Bangg kasch loose
Dem Regulierwahnsinn nehmen sich die Alti Schlisselkinder an und finden über die Stadtbildkommission:
Bevor im Advänt dy Huus kasch verziere
muesch erscht s Gsetz studiere
Schwarze und weisse Schafe bevölkern die Laterne der J. B. Santihans und man liest dort:
Dr Morin sait zem schwarze Schoof
dii zelli denn bim Byrooschloof
Durch ein Toi-Toi-WC haben die Chromosömli ihre Laterne ersetzt. Ein WC-Spruch darauf:
„Oh Simonetta“, sait dr Junker
kumm in my Regierigsbunker
Über die windige Mittlere Brücke wechseln wir nun ins Kasernenareal, wo die Wagen und Requisiten aufgebaut sind. Und auch hier gilt: Erst mal eine kleine Foto-Auswahl – mehr dann in unseren Galerien.
Im Santihans, das ischs verreggte
logiert syt neyschtem gnau die Seggte
Am Rhybord duet me Glepfer grille
und sich haillos d Biire fille
Gosch zur Ludmilla, die vo Pole
muesch zerscht no s U-Abo go hole
S wird glaveret, schlemmt und gsirpflet
und abundzue grad su no lieslig gfirzlet
Mir sitze uff dr Brugg in ere schneewysse Dracht
und verbringe zämme e faarbloosi NachtMr träffe uns zum ene Spässli
am fimfi im Wysse Gässli
Herrlich und fascht schon Dada bringen sich die Samba Waggis aus Binningen ein mit dem Sujet „Hauptsach vegan, alles anderi isch wurscht.“ Und ebenfalls als Gesamtkunstwerk muss man das Duo Ammedysli und Wettstai bezeichnen. Der Wagen, ein Schlauchboot, dient als Requisit der Wettstai; thematisiert wird die Flüchtlingskrise. Verteilt wird nichts – logisch als Flüchtlinge, aber man bettelt – und erhält die unterschiedlichsten Reaktionen – und auch Gaben. Dazu gefunden auf dem Boot ein fast philosophischer Spruch:
Ziesch s groosse Los ooder halt e Niete
Daas alles kaa Diir s Lääbe biete



