Sujets, die in irgendeiner Form mit dem Klima(wandel) zu tun haben, dürften die Fasnacht 2023 dominieren, gefolgt von Themen aus der Debatte über die «kulturelle Aneignung». Dazu kommt das Thema Baustellen – aber das ist ja jedes Jahr aktuell. So die Erkenntnisse des Fasnachts-Comité an der heutigen Medienkonferenz. 437 Formationen mit knapp 11’000 Teilnehmern werden den mehr oder weniger geliebten Cortège bestreiten. Abends sind dann nebst vielen «Wilden» rund 70 organisierte Schnitzelbänke unterwegs.
Einige Formationen scheinen an der «anarchischen» Fasnacht 2022 auf den Geschmack gekommen zu sein. So ist die Zahl der Pfeifer- und Trommelgruppen am Cortège um 21 Formationen gesunken. Bei den Guggenmusiken (-6) und den Chaisen (-10) gibt es eine überdurchschnittlich hohe Zahl von pausierenden Einheiten. Alles in allem machen 55 der gesamthaft 492 beim Comité gemeldeten Einheiten eine Pause – ob von der Fasnacht insgesamt oder nur vom Cortège bleibt offen. Dass sich die Zahl der beim Comité angemeldeten Formationen um 2 auf 492 erhöht hat, freute auf alle Fälle Comité-Obfrau Pia Inderbitzin: Es sei dies ein Beweis, dass die Basler Fasnacht eine lebendige Tradition ist und bleibt.
Anhand der Rädäbäng-Einträge zu erraten, welches Sujet denn auch wirklich ausgespielt wird, insbesondere wenn die Angaben so aussagekräftig sind wie «die Pfeifer pfeifen» oder «der Tambourmajor hat einen Stecken». Klar als Spitzen-Sujet kristallisiert sich auf alle Fälle der Themenkreis Klima und Energie in seinen vielen Facetten heraus – inklusive den «Klebe-Aktivisten» oder dem Veganismus. Dies freute erneut Pia Inderbitzin, würde dabei doch an die Themenliste der Fasnacht 2020 angeknüpft, die ebenfalls eine «grüne» zu werden versprach. Diese Fasnacht fand dann ja bekanntlich nicht statt, was den Betrachter zur Frage veranlasst, ob die eine oder andere Formation das Thema «rezykliert» hat, um Teile des «Goschdym» oder de Requisiten doch noch verwenden zu können.
56 Einheiten hat das Comité auf alle Fälle gezählt, die sich diesem Themenbereich widmen. Dahinter folgt mit 22 Nennungen die Thematik kulturelle Aneignung&Woke. Dazu hat André Voirol, Obmann der Bängg fir Basel an der Medienkonferenz gleich einen Reim verfasst:
Kulturell a-aigne duet me z Basel nit
well s jo z Basel alli Kulture scho gitt
Ebenfalls aufs «Treppchen» – und dies nicht zum ersten Mal – schaffen es die Baustellen. Erstaunlicherweise eher unter ferner liefen findet man Sujets wie das ESAF, die Trottinett-Seuche oder die Idee, aus dem Musicaltheater eine Schwimmhalle zu machen.
Auch Jubiläen sind ein gern gesehenes Sujet wie 90 Jahre Globi oder 100 Jahre Gummibärli.
Das diesjährige Fasnachts-Sujet Motto «Zämme im Taggt» nehmen einige Gruppierungen zum Anlass für Cliquenpartnerschaften. Dabei gibt es alles, von einem recht einheitlichen Zug über ein gemeinsames, aber unterschiedlich ausgespieltes Sujet bis zu komplett unterschiedlichen Themen. Gesamthaft zählte das Fasnachts-Comité 50 solche Partnerschaften.
25 Guggen…
Bei der IG Gugge wurde an der Medienkonferenz gleich ein Stabwechsel zelebriert, folgt nach 8 Jahren Patrick Müller doch nun Michel Vogt als Obmann nach. Mit 12 Formationen ist man auf der Route, wobei man am traditionellen Konzert auf dem Saibi gespannt sein darf, was «Messingkäfer» und «Mohrekopf» für ihren gemeinsamen Auftritt geplant haben. Bei der FG konnte Obmann Colin Lukas 13 Formationen und die Durchführung des traditionellen Konzerts am Dienstag auf dem Marktplatz melden.
…und 70 organisierte «Bängg»
Die Schnitzelbangg-Szene kämpft mit Nachwuchsproblemen, wurde verschiedentlich erwähnt, an der Zahl der auftretenden Formationen merkt man es nicht. 21 Comité-Bängg , 10 von Bängg für Basel, ebenfalls 10 VSG-Formationen und 8 von der BSG sowie 9 der Bebbi Bängg – das summiert sich mit den dieses Jahr zum ersten Mal dazugezählten 8 Gruppierungen des Comité 1914 auf nahezu 70 «organisierte» Schnitzelbänke. Dazu kommen noch unzählige «Wilde» – für Andrang in den Restaurants und Cliquenkellern ist also gesorgt.
Strassenfasnacht / Cortège
Patrice Cron, Verantwortlicher Strassenfasnacht, erklärte dass man sich beim Comité Gedanken machte, ob und in welcher Form der Cortège Sinn macht. Man hat viel diskutiert, Vorschläge analysiert und am Ende die beiden gegenläufen Kreise als optimale Variante angesehen. Dies zum einen, dass die Route für die 120 Wagen sicher sein muss, dem Publikum die Sujets so am Besten präsentiert werden können und die über 400 Einheiten über die Innenstadt verteilt werden können. Somit bleibt es bei den 2 Routen (innere und äussere) und den vier Sektoren. Eine Änderung gibt es beim Kunstmuseum, bzw. dem dortigen Kreisel: die äussere Route wird über die Dufourstrasse/Brunngässlein/Aeschenvorstadt geführt. Unverändert bleiben die Comité-Standorte Steinenberg, Clarastrasse und Wettsteinbrücke.
Die Abmarschwünsche wurden so gut wie möglich berücksichtigt. Patrice Cron würde gerne das Experiment wagen, wenn sich alle Einheiten an ihre Zeiten halten würden, ob es dann auch zum Stau käme.
Der Steinenberg ist für Chaisen gesperrt, zumindest für Pferdechaisen, und es ruhige Pausenplätze definiert. Das Publikum soll sich gegenüber den Pferden respektvoll verhalten und genügend Abstand halten. Erstmalig fährt eine E-Chaise am Cortège mit.
Ausstellungen
Die Laternenausstellung mit über 100 Laternen findet am Dienstag auf dem Münsterplatz statt. Die Wagen- und Requisitenausstellung auf dem Kasernenareal findet von Montagabend und am Dienstag statt. Der Eintrittspreis ist wie immer eine Plakette.
Nichts verändert hat sich auch bei den Comité-Inseln (CINS), welche Marktplatz, Claraplatz sowie Barfüsserplatz und am Dienstag zusätzlich auf dem Münsterplatz zu finden sind. Hier können Zeedel, Rädebäng, Plaketten und Schnitzelbangg-Zeedel erworben werden. Gratis gibt es die Kinderbadges der Polizei an den CINS.
Morgestraich
Und nun zum wichtigsten Punkt: Am Montagmorgen ist es ab 4.00 Uhr dunkel in der Innenstadt. Es leuchten nur die Ladäärne und Kopfladäärne der Cliquen. Kein Schaufenster, keini Blinki-Bänder und erst recht kein Blitzlicht.
Nachwuchs
Der Nachwuchs erhält nach der Fasnacht wieder seine 1. Lektion, dies freut Katrin von Bidder Spichty. Jede Clique inkl. der Guggenmusik erhält eine Informationssäule. Fasnachts-Botschafter/innen informieren über die Eigenheiten der einzelnen Vereine, deren Probezeiten und über die Fasnacht allgemein. Im zweiten Zelt können die Kinder Papierlarven basteln, Plaketten basteln und die Musikinstrumente kennenlernen. Selbstverständlich ist dieses Angebot kostenlos. Und hier gilt umso mehr «nach der Fasnacht ist vor der Fasnacht».
Rädebäng
Der Rädebäng kann in den Filialen der Bäckerei Sutter, bei Bider&Tanner, der BVB am Barfüsserplatz, beim Comité am Blumenrain 16 und während der Fasnacht an den Comité-Inseln bezogen werden. Die Eintragungen der 437 beim Comité gemeldeten Cliquen, Guggen, Wagen Chaisen, Gruppen und Einzelmasken sind mit Sujet, Ablauf/-fahrzeiten und der jeweiligen Route aufgeführt.
Kleine Sujet-Vorschau
Hoffnungsvoll ist das Sujet des Barbara-Club «Unbeschwärt mir Fasnacht mache, wie doozmool mit me Kinderlache» oder auch der Schänzli-Fäger «E Gedangge an Fasnachtsgaischt». Die Raere-Waggis «Demonstriere statt intrigiere» und die Sumpfdotter-Clique steigt mit «Beglaitets Spreye» mit ein. Ob die Basler Mitwoch-Gesellschaft es mit «Halt d Schnuure!» ernst meinen oder wie die Grottegyggser «Schämm Di sälber» den Spiegel vorhalten, sieht man während des Cortèges. In den woken Westen ziehts die Rhygwäggi mit ihrem Sujet «Bye-Bye Winnetou – hyschteryy in der Preeryy» und auch die Schnooggekerzli wollen sich mit «L`appropriation ridicule – pour petits et grands» Gehör verschaffen. Gespannt sein darf man auch auf die Breo mit «Dr Sturm uf d Demokratii» oder die Umsetzung der Glunggi mit «Mee Farb – Egal wär was kunnt, Hauptsach bunt!». Für den Jöö-Effekt sorgen sicherlich die Binggis der Naarebaschi und die Junge Garde der Rhyschnoogge mit «20 Joor Wiggelfisch», «Hundert Joor Gummibääre» von der Seibi Junge Garde oder die Schnuffer + Schnoogge vo dr Alte Richtig mit «30 Joor Rägebogefisch». Die Alte Stainlemer feiern «90 Joor Globi» und die Junge Alte «E Globi uff de Basler Baustelle». Endlich sehen wir auch den neuen Wagen der Güete Bonjour-Clique und sie wünschen «Güete Rebonjour binander». In Acht nehmen sollte man sich vielleicht von der «Gang of Glaibasel», der Schotte-Clique.
Alle Sujets haben eine Gemeinsamkeit: man darf auf die Umsetzung gespannt sein. Es wird farbig, tendenziell grün. Aber es gibt «widr e Fasnacht, wo dr Namme Fasnacht verdient het».



