Ein eindeutiges Spitzen-Sujet gibt es bei der Fasnacht 2016 nicht, dafür eine grosse Vielfalt der Themen. Dies konnte der Obmann des Fasnachts-Comité, Christoph Bürgin, an der traditionellen Medienorientierung auf der Baseldytsche Bihni vermelden. Sein Fazit: Man merkt auch an der Fasnacht, dass die aktuellen Zeiten nicht so lustig sind. Keine grossen Änderungen gibt es bei der Strassenfasnacht und den begleitenden Ausstellungen.
„2013 war es ‚Stricken’, ein Jahr darauf die Baustellen und im letzten Jahr das Selfie. Immer hatte es ein klar dominierendes Sujet. Dieses Jahr muss ich Ihnen mitteilen: Ich kann nichts dazu sagen.“ So begann der Comité-Obmann seine Ausführungen – sagte dann aber doch einiges über die Sujets, wie sie im Rädäbäng aufgelistet sind. Es fällt auf: Einen klaren Favoriten gibt es 2016 nicht, dafür eine grosse Vielfalt, was ja kein Schaden sein muss.
Apropos Rädäbäng: Der sollte eigentlich erst ab morgen Samstag in Verkauf kommen. Der Comité-Obmann entdeckte ihn aber schon heute bei der von ihm präferierten Filiale des Sutter-Begg. Spätestens ab eben morgen liegen sie in allen diesen Filialen auf und auch bei Bider & Tanner am Bankverein und an weiteren Stellen. Der Preis liegt unverändert bei CHR 8.-, zusammen mit dem Drummeli-Programm bei CHF 10.-.
Verfassung Basels und gesellschaftliche Themen
Bürgin versuchte zu gewichten, und kam auf knapp 70 Einheiten, die in irgendeiner Form den Zustand Basels thematisieren. Dies beinhaltet etwa das Ladensterben, die tote Innerstadt, das Club-Sterben oder auch Baustellen, wobei das frühere Spitzenthema nur noch drei Nennungen umfasst. Knapp 40 mal werden gesellschaftliche Probleme angepackt: Flüchtlinge, Schlepper, Grenzen, Werteverlust oder Pegida heissen hier die Stichworte.
Bei den Wagencliquen stellt sich dagegen ein klarer Favorit heraus: das White Dinner auf der Mittleren Brücke. Wobei auch hier sehr unterschiedliche Verknüpfungen, etwa mit Weissen Westen, angedacht sind.
Sehr gespannt zeigte sich der Comité-Obmann über das AGB-Sujet „100 Jahre Schlacht an der Somme“ – das blutigste Gemetzel des 1. Weltkriegs. Und andere kryptische Eintragungen im Rädäbäng geben wie jedes Jahr Rätsel – etwa beim Stamm der Basler Bebbi: „Bei denen weiss man immer erst, was sie ausspielen, wenn man sie sieht.“
Strassenfasnacht ohne grosse Änderungen
Total sind 465 Einheiten auf der Route, was in etwa dem Vorjahr entspricht. Bei dieser Route ist gegenüber dem Vorjahr nichts Spektakuläres verändert worden, wie das für diesen Bereich verantwortliche Comité-Mitglied Bruno Kern verkündete. An die teilnehmenden Cliquen ergeht auch dieses Jahr die Aufforderung, um 13.30 auch wirklich auf dem Cortège zum Abmarsch bereitzustehen und sich nicht erst dann einzufädeln. Für Alte Garden besteht erneut die Möglichkeit, sich im „Dalbedaal“ erst um 15.30 Uhr einzureihen.
Gegen 70 Schnitzelbänke organisiert unterwegs
68 in den einzelnen Gesellschaften organisierte Schbitzebänke ziehen an der Fasnacht ihre Runden durch die Lokale. Den Hauptharst stellt das Schnitzelbank-Comité mit 32 Gruppen, gefolgt von der BSG mit 12 und den Bängg fir Basel mit 9 Formationen. Bei der VSG kommt man nach einer selbst erklärten „Gesundschrumpfung“ noch auf 8 Bänke, bei den Bebbi Bäng auf 7. Daneben sind natürlich auch jede Menge „Freyi und Wildi“ unterwegs, diese vor allem in den Cliquenkellern.
Erfreulicherweise hat sich die BSG auf die Fahnen geschrieben, das in den letzten Jahren etwas vernachlässigte Kleinbasel wieder vermehrt zu berücksichtigen. Ansonsten drängen sich die „Organisierten“ wie in den letzten Jahren im Kern der Grossbasler Innerstadt und speziell immer dort, wo die elektronischen Medien aufnehmen. Die Comité-Bänk sind am Montag-Abend aus dem Stadttheater live auf fasnacht.ch zu hören.
„Die Erscht Lektion“ auch für Erwachsene
Bereits zum 27. Mal steht Freitag und Samstag nach der Fasnacht das Zelt auf dem Barfüsserplatz, in dem sich potentielle Nachwuchsfasnächtler mit Piccolo und Trommel ein erstes Mal vertraut machen können. Neu ist laut Pia Inderbitzin, dass daneben nun auch ein kleines Zeit steht, in dem Erwachsene ihre ersten fasnächtlichen Schritte machen können, dies allerdings nur am Samstag.
Fasnachtskiste statt Sexkoffer
Dann konnte die für die Nachwuchsarbeit beim Comité zuständige Inderbitzin noch ein neues Projekt vorstellen. „Ähnlich dem Sexkoffer“ – Zitat Inderbitzin – soll bis Ende dieses Jahres in jedem Primarschulhaus eine Fasnachtskiste vorhanden sein, der da für den Unterricht notwendige Material in Form von Instrumenten, Larven, DVD etc enthält. Um die Kosten für dieses Projekt gering zu halten, ergeht ein Aufruf an die Fasnächtler, ihren Estrich zu Gunsten des Kisteninhalts zu durchstöbern. Das Materail kann im Zerlt auf dem Barfüsserplatz oder beim Fasnachts-Comité abgegeben werden.
Es het solang s het
Im Vorfeld hatte das Fasnachts-Comité kommuniziert, dass man nicht auf Vorrat Plaketten produzieren werde und sowohl bei der Gold-Ausgabe wie beim Bijou Engpässe auftreten könnten. Beim Gold scheint es nicht so gravierend, aber beim Bijou empfahl der Comité-Obmann, mit dem Kauf nicht bis zum Morgenstraich abzuwarten – es könnte dann zu spät sein.
Vorfälle à la „Kölner Silvester“ werden nicht befürchtet
Ein ernstes Thema sprach der Comité-Obmann auf entsprechende Frage zum Schluss an: Mögliche Probleme mit Flüchtlingen, analog den skandalösen Vorfällen in Köln und anderen deutschen Städten an Silvester. Man habe – so Bürgin – keinen Flyer zu Handen der Fremden geplant wie in Luzern, sei aber in Kontakt mit den kantonalen Stellen. Man wolle sensibilisieren, es gebe zur Zeit aber keine Anzeichen für solche Vorfälle in Basel. Der mögliche Grund laut Comité-Obmann: „Mir hän halt scho no e anderi Fasnacht.“






