Fasnacht 2015: Sozial, medial und vernetzt

5. Februar 2015 | Von | Bilder: Dennis L. Rhein | Kategorie: Top-Thema, Nachrichten

Das Thema Social Media – und hier besonders die Selfies – beherrschen die Strassenfasnacht 2015; rund 10% der Einheiten haben sich ihr Sujet in diesem Themenkreis gesucht. Bei Sujets rund um den Islam bittet das Fasnachts-Comité um Verzicht auf unnötige Provokationen. Wenig Änderungen gibt es beim Cortège. Als grosse Neuerung kommt nächste Woche die Schulfasnacht. 65 „organisierte“ Schnitzelbänggler werden sich an den Abenden auf die Auftritts-Tour machen.

„Vom Stricken 2013 über die Baustellen 2014 sind wir 2015 jetzt bei den sozialen Medien angekommen“, verkündete Christoph Bürgin, Obmann des Fasnachts-Comité an der traditionellen Medienorientierung im Lokal der Baseldeutschen Bühne. Mit 46 Nennungen kommt ein Anteil von rund zehn Prozent der 473 am Cortège marschierenden Einheiten zusammen. 29 mal wird dabei das Selfie thematisiert. Mit ziemlich weitem Abstand folgen die Themen Kantonsfusion, Pappteller-Demo, Littering und die kieloben gelegene „Merlin“. Völlig out – so Bürgin – sind die Themen Kirche/Papst und BaZ.

Die Grösse des Cortège entspricht in etwa dem Vorjahr, die Zahl der teilnehmenden Einheiten stieg von 466 auf 473. Als bemerkenswert nannte der Comité-Obmann, dass es dieses Jahr drei Chäse mehr haben wird. Bei den Guggenmusiken gibt es einen leichten Zuwachs.

Laut Bürgin wird die Fasnacht 2015 sehr sozialkritisch und auch oft frech sein, wie es eben sein soll. Der Comité-Obmann warnte aber, dass auch an der Fasnacht keine absolute Narrenfreiheit gelte; als Grenzen seien das Strafgesetzbuch und die allgemeinen Anstandsregeln zu beachten. Speziell widmete sich der Comité-Obmann der Frage der Mohammed-Karikaturen: „Das Comité ist keine Zensurbehörde und kann nur Empfehlungen abgeben. Wir empfehlen aber, auf unnötige und niemandem dienende Provokationen zu verzichten.“

Zum Schluss seiner Ausführungen zeigte sich Bürgin schwer erleichtert (was in diesem Zusammenhang passend ist), dass man das Angebot an öffentlichen Toiletten deutlich erhöhen konnte. Dies sei erst am Vortag gesichert gewesen, als der Grosse Rat das Budget 2015 genehmigt hatte. Auf eine Anlage direkt an der Theodorskirche habe man nach den letztjährigen Reklamationen verzichtet.

Cortège im Rahmen des Vorjahres

Nur wenig Veränderungen konnte der Verantwortliche für die Strassenfasnacht, Bruno Kern, vermelden. Man habe die letztjährigen Erfahrungen analysiert und festgestellt, dass der Cortège am Montag gut gelaufen sei, am Mittwoch habe es Stau gegeben. Deshalb würden gewisse Abmarschzeiten am Mittwoch in Absprache mit den Betroffenen verändert. Funktionieren könne der Cortège aber nur – so Kern, wenn alle pünktlich vor Ort seien und der Umzug auch wirklich um halb zwei Uhr starte.

Keine Änderungen gibt es auch bei den „Begleitveranstaltungen“. Auf dem Münsterplatz findet die Laternenausstellung statt, wobei gemäss Comité-Obmann die „Blaggedde“ als Eintritt zu betrachten sei. Mit einer neuen und speziellen „Comité-Blaggedde“ gekennzeichnete Verkäufer würden an den Zugängen auf die Besucher zugehen. Am Dienstag präsentieren sich die Wagen und Requisiten wieder auf dem Kasernenareal, und die Chäse sind am Fasnachtsmittwoch ab 17 Uhr vor dem Hotel „Trois Rois“ zu besichtigen.

All dies steht auch im Rädäbäng, der unverändert CHF 8.- (oder 8 Euro…) kostet und in allen Filialen des Sutter-Begg zu haben ist. Am Drummeli können Rädäbäng und Drummeli-Programmheft zum „unschlagbaren“ (Zitat. Chr. Bürgin) Kombipreis von CHF 10.- erworben werden.

Schulfasnacht als Höhepunkt für den Nachwuchs

Die grosse Schulfasnacht von kommender Woche ist für Pia Inderbitzing, die Nachwuchsverantwortliche beim Fasnachts-Comité der diesjährige Höhepunkt mit rund 5000 Schülerinnen und Schülern sowie 600 begleitenden Lehrpersonen (s. Bericht auf Basler Fasnacht Online).

Nach der Fasnacht wird auf dem Barfüsserplatz wieder das Zelt des Comité stehen, wobei es dieses Mal nur halb so gross sein wird als im Jubiläumsjahr 2014. Die Hälfte der Jungen Garden wird sich vor Ort präsentieren, die anderen 50% kommen dann im 2016 zum Handkuss. Das grundangebot bleibt dasselbe mit Piccolo-Üben, auf dem „Böggli“ trommeln und Latäärnli-Moole.

Bängge und Guggen

Insgesamt 65 „organisierte“ Schnitzelbank-Formationen (nebst vielen „wilden“) werden an den Abenden die Kleintheater und Lokale der Innerstadt bevölkern. Die BSG kommt mit 11 Gruppierungen daher, die Comité-Bänke mit 27 und die VSG mit neun. Letztere haben sich nach eigenen Angaben gesundgeschrumpft. Dazu kommen noch 10 Formationen der Bängg fir Basel und 8 der Bebbi Bängg.

Noch zu den Guggenmusiken: Das 50jährige Jubiläum feiern die FG, die aber an der Fasnacht nichts Spezielles planen, sondern im Herbst einen Jubelanlass organisieren. Sie sind mit 15 Guggen unterwegs und halten ihr traditionelles Konzert auf dem Marktplatz ab. Die IG Gugge musiziert wie üblich auf der „Mauer“ am Barfüsserplatz.