«Ihr seid schon arme Sieche! Jede Woche drei Medienorientierungen und alle zwei Tage eine Vorfasnachts-Veranstaltung. Ihr habt unser Mitgefühl», mit diesen launigen Worten an die Medienvertreter eröffnete Comité-Obmann Felix Rudolf von Rohr die heutige Medieninformation über die Fasnacht 2010 im Bürgergemeinderats-Saal vom Stadthaus.
Die Zahl der Teilnehmer am Cortège bleibt seit Jahren ziemlich konstant. Fürs 2010 haben sich 484 Gruppierungen angemeldet. Nachdem die Route letztes Jahr etwas gekürzt wurde, indem die Schlaufe um den Aeschenplatz weggelassen wurde, haben die störenden Lücken im Cortège nachgelassen.
Die Zeedel der Formationen werden ab kommenden Montag wie immer im Waisenhaus gebündelt. Kaufen kann man sie in der Papeterie Papyrus, Freie Strasse 43, im Spilegge, Rümelinsplatz 7, bei der Confiserie Schiesser, Marktplatz 19, sowie während der Fasnacht an den Comité-Inseln (am Marktplatz und Claraplatz an allen drei Tagen, am Barfüsseplatz am Montag und Mittwoch, an der Laternenausstellung am Münsterplatz am Dienstag) und nach der Fasnacht auf dem Sekretariat des Comités, Glockengasse 7.
Alle wichtigen Informationen findet man im Fasnachtsführer «Rädäbäng». Dieser enthält für auswärtige Besucherinnen und Besucher, aber auch für den Bebbi und den Aktiven nützliche Hinweise, Erklärungen und Tipps. Er enthält das Verzeichnis aller am Cortège teilnehmenden Gruppierungen und deren Sujets. Es sind dies dieses Jahr gegen 100. «Die beliebteste Zielscheibe mit 35 Einträgen ist der Herr Gaga? Oder Gallöry? Nein, Gadafi natürlich», meinte der Obmann. Auch weitere Blamagen, welche sich die Schweiz auf internationalem Parkett geleistet hat, sowie die Wirtschafts- und Finanzkrise, verbunden mit dem Unmut über unsere Banken und ihre Boni-Exzesse werden thematisiert. Auch die Miss-Wahlen – wie man das Wort auch immer interpretiert – die Erinnerung an Woodstock, Trudi Gersters 90. Geburtstag und die Schweinegrippe mit ihrer Impf-Hysterie, die Piraterie, das Rauchverbot und Signor Berlusconi werden ausgespielt. Auf lokaler Ebene ist es das 100 Jahr-Jubiläum des Fasnachts-Comités, die Freizeitkultur (neuhochdeutsch: chillen) mit City-Beach und Grillmeile am Rhein und die Van Gogh-Ausstellung. Was sich hinter diesen Einträgen verbirgt, das sieht am dann erst an der Fasnacht. Das rund 150 Seiten starke Vademecum ist zwei Wochen vor der Fasnacht an zahlreichen Kiosken und während der Fasnacht auch an den drei Comité-Inseln erhältlich.
Abschliessend erinnert Rudolf von Rohr an seinen Aufruf, dass mit Blick auf die besondere Gefährdung von Kindern Eltern und Begleitpersonen nachdrücklich aufgerufen sind ihre Verantwortung wahrzunehmen. Dies gilt in hohem Masse auch für den Fasnachts-Dienstag, der sich in gewollt fasnächtlichem Durcheinander abspielt und gerade deshalb besondere Gefahren mit sich bringt.
«Dieses Jahr gilt nochmals die selbe Route wie 2009, dann wird die Sache analysiert», erklärte Urs Bucher, Ressort Strassenfasnacht. Ob es dann weiterhin beim Contremarsch mit einer Inneren und Äusseren Route bleibt, oder ob es einen Umzug à la Karneval von A nach B gibt steht dann zur Diskussion. Von Montagabend bis Mittwochmorgen findet auf dem Münsterplatz die Laternenausstellung statt. Gerechnet wird mit rund 185 Laternen. Es soll versucht werden etwas mehr Platz zu bekommen, so dass zwischen den einzelnen Lampen mehr Abstand ist. An der Comité-Insel am Pisonibrunnen kann man Blagedde, den Rädäbäng und Zeedel von Cliquen und den Comité-Bängg kaufen. Auch eine Verpflegungsmöglichkeit darf natürlich nicht fehlen.
Auf dem Kasernenareal findet zum 8. Mal die Wagen- und Requisiten-Ausstellung statt. Zur Einstimmung auf die drey scheenschte Dääg findet als allerletzte Vorfasnachts-Veranstaltung eine «Guggen-Matinée» statt. Gleichzeitig finden auf dem Kasernenplatz Wagen-Vernissagen statt und es werden Laternen eingepfiffen. Von Montagabend bis Mittwochmorgen werden 28 Waggiswage und ca. 40 Requisiten ausgestellt. Am Dienstagnachmittag erklären Waggis die Entstehung der Wagen und animieren die Kinder zu «Räppli-Schlachten». Auf dem «Kinderwaggiswagen» können die maskierten Nachwuchsfasnächtler von 14 bis 17 Uhr den Reiz der Wagenfasnacht erleben und anschliessend von 16 bis 18 Uhr am «Kindermaskenball» (mit Prämierung) teilnehmen. In der warmen Fasnachtshalle findet ein dreitägiges Fest unter dem Motto WAGURY statt. Hier wurde die Teilnahme eines DJ bereits kritisiert. Dazu zitierte Bucher die alten Römer: «Die Zeiten ändern sich und wir uns hoffentlich mit ihnen».
Eine aussergewöhnliche Zugsplakette gibt es im Jubeljahr vom Comité. Ruth Ludwig-Hagemann, Ressor Plaketten, stellte sie vor. Dieses Jahr erhalten sämtliche Cliquen und Gruppierungen am Cortège dieselbe grosse Rosette mit Silberplakette, ergänzt durch eine goldene «Ueli-Noodle». Wie die Plakette stammt der Entwurf von Pascal Kottmann.
Über die Aktivitäten der Arbeitsgruppe «Die 1. Lektion» berichtete Pia Inderbitzin, Ressort Nachwuchsförderung. Am Freitag, 26. Februar von 13 bis 17 Uhr und am Samstag, 27. Februar von 11 bis 16.30 Uhr können sich Eltern mit ihren Kindern im Zelt auf dem Barfüsserplatz über die Jungen Garden der Stammvereine informieren. Die Kinder können erste Gehversuche auf Piccolo und Böggli machen, eine Laternenseite bemalen oder einen Tambourmajorskopf anprobieren. «Der diesjährige Trommelkönig bei den Jungen kam schon als 3-jähriger Knirps und blieb den ganzen Tag trommelnd im Zelt», erinnert sich Inderbitzin. Bereits zum neunten Mal konnten 16 Primarschulklassen (angemeldet waren 46) in Cliquenateliers oder im Schulhaus eigene Larven cachieren. Im Sommer wurden ein Larvenmalkurs und ein Instruktorenkurs durchgeführt. Ein besonderer Höhepunkt wird am 11. Februar der grosse Schulhausumzug mit 6’000 Teilnehmern.
«In viele Cliquen und Guggen kam es immer wieder zu Spaltungen, nicht so beim Fasnachts-Comité», meinte Walo Niedermann, Obmann Schnitzelbangg-Comité. «Es ist eben sehr traditionell. Seine Mitglieder tragen immer noch dasselbe Kostüm wie vor hundert Jahren». Zusammen mit der Verainigty Schnitzelbangg-Gsellschaft (VSG), der Basler Schnitzelbangg Gsellschaft (BSG), den Bebbi Bängg und den Bängg fir Basel orientierte er dann kurz über die Bänggler-Aktivitäten an der Fasnacht.



