Basler Fasnacht Online: Die Basler bezeichnen ihre Fasnacht unbescheiden als «die drey
scheenschte Dääg»: Steht man da als Meteorologe unter besonderem
Druck?
Mario Rindlisbacher: Ja! Das Wetter interessiert in diesen Tagen besonders. Viele Leute
möchten schon möglichst früh, möglichst konkrete Angaben zum Wetter
während der Fasnacht.
Täuscht der Eindruck, dass für 72 Stunden eine ganze Stadt
plötzlich das Thema Meteorologie zum Hobby erkürt?
Wir kennen bereits einige Hobbymeteorologen aus der Region Basel. Von
einem besonderen Anstieg merken wir hier in Bern nur wenig. Was
natürlich nicht heissen soll, dass sich nicht plötzlich sehr viel mehr
Leute fürs Wetter interessieren als sonst.
Und nun natürlich die Mutter aller Fragen: Lässt sich für 2009 schon ein Trend ausmachen?
Einen konkreten Trend kann man noch nicht ausmachen. Die erste Tendenz
geht aber eher in Richtung wechselhaftes und mildes Wetter. Trockene
Kälte oder Schnee scheint nach jetzigem Stand eher unwahrscheinlich.
Es gibt ja Legenden, Eselsleitern und dergleichen – wie jene, die im Falle einer verregneten Herrenfasnacht einen schönen Morgestraich (und vice versa) heraufbeschwören. Für einen Meteorologen reine Dichtung – oder lassen sich solche Aussagen
statistisch gar erhärten?
Solche Dinge nehmen wir ernst und es wird untersucht. In der
Meteorologie gibt es verschiedene sogenannte Singularitäten. So zum
Beispiel die Schafskälte, die Eisheiligen oder der Siebenschläfertag.
Diese Phänomene lassen sich sogar statistisch belegen. Allerdings muss man sagen, dass man bei diesen Ereignissen immer eine gewisse
Zeitperiode betrachtet und nicht einzelne spezielle Tage. Das Wetter
hält sich nämlich in der Regel nicht an einzelne Tage, sondern
bestenfalls an Zeiträume. Die Eselsleiter mit der Herrenfasnacht und dem Morgenstraich wurde meines Wissens noch nicht statistisch überprüft.
Welches Feedback gibts speziell bezogen auf die Basler Fasnacht, wenn eine Prognose nicht stimmt?
Die Leute nehmen es meist mit Humor. Zudem versuchen wir immer, in den Prognosen die Unsicherheiten weiterzugeben. Falls wir also nicht sicher sind, wie das Wetter wird, sagen wir dies den Leuten.
Seit wievielen Jahren schenkt Meteotest dem Basler Fasnachtswetter besonders Augenmerk?
Seit Bestehen von Meteotest, also seit 25 Jahren. Das Wetter während der Basler Fasnacht interessiert die Menschen. Deshalb schenken wir diesem Event besonderes Augenmerk.
Was ist das Reizvolle daran?
Interesse an der Prognose. Ich persönlich bin zudem in der Region Basel aufgewachsen und kenne die Fasnacht folglich hautnah. Dass das Wetter eine mit-entscheidende Rolle spielt, habe ich schon oft selbst erlebt.
Mit ganz einfachen Worten erklärt: Wie entsteht eine solche
Prognose?
In die Prognose fliessen viele Modellresultate ein. Wettermodelle berechnen das Wetter für die folgenden Tage. Darauf stützen wir unsere Prognose. Neben den Modellresultaten fliesst die langjährige Erfahrung des Prognostikers mit ein.
Welche Fasnacht bleibt Euch – bezogen auf das Wetter – besonders in Erinnerung?
2006 mit knapp einem halben Meter Schnee kurz vor der Fasnacht! Eines der spektakulärsten Wettererignisse der letzten Jahre in Basel, nur halt zu einem blöden Zeitpunkt für die Fasnächtler. Zur Fasnacht selbst zeigte sich das Wetter dann aber von der freundlichen und recht milden Seite.
Die 4-Tages-Grafik auf Basler Fasnacht Online ist nur eine Möglichkeit, sich über das Fasnachtswetter zu informieren. Welche Dienste bietet Meteotest dem Fasnächtler sonst noch an?
Meteotest bietet mit dem Meteofon (0900 57 61 52, Kosten CHF 3.13/Min.) eine persönliche Wetterauskunft an. Diese ist an Personen gerichtet, die spezifische Fragen zum Wetter beantwortet haben möchten. Also zum Beispiel Fragen zum Fasnachtswetter.



