Es isch kai Plaite – d Glygge zem Zwaite

15. März 2000 | Von | Kategorie: Nachrichten

Zuhause an der Vorhangstange hängt noch immer das Zyschtigsgoschdym – triefnass vom Gässle am Vorabend. So geht der Blick am Mittwoch sorgenvoll zum Himmel. Eigentlich war auch Regen für den zweiten Cortège vorhergesagt – und nun dies: Immer wieder bewölkt, teils eine steife Brise, aber trocken, grösstenteils sogar sonnig. Die Cliquen laufen nochmals zur Höchstform auf.

So etwa Junge Garde und Binggis der Spale-Clique, bei welchen sich ein einsamer Joker («Ellerli Bellerli Natellerli») in ihre Reihen geschlichen hat. Nochmals «e Hampfle Gnepf»: Äffig gehts bei den Gundeli Binggis zu und her («Dr GOMA duets halt nimmi gfalle, under dänen Affe alle»), im Cyberspace dümpeln die Binggis der Alte Stainlemer («www.schuel.bs»). Dann wird aus klein plötzlich gross: Das Requisit des Stamms der Alte Stainlemer bloch(er)t den Steinenberg hinauf. Schaurig braun der ganze Zug, die Fahnen hoch.

«AUNNS», heisst ihre Partei, was soviel wie «Alti-Ultra-Neo-Nationali-Stainlemer» heisst, oder vulgo: «Brotwurschtpartei». Es fischelet ein wenig bei den Pfeifer der Jungen Seibi. Am liebsten lägen sie wohl an der «RYY-VIERA BASILEA: D Wäärggstadt goot go baade!» Dann ein Blick auf den Kalender. Ja, wir schreiben das Jahr 2000. Die Aagfrässene («Quod NON libet») lassen uns dies für einen Moment vergessen – herrlich, wie die Tambouren auf alten Tabourettli und Fässern trommeln. Das sitzt und fährt ein. «Mir pfyffe uff s 2000», meinen ganz lapidar die DVD Deechtli und Flämmli – tun dies aber als schöne Alti Dante und Waggis.

Überwachung total bei den Stänzler («Au d Millennium-Fasnacht: Wär iberwacht het Macht!»). Weniger Weitblick hat der Tambourmajor des Dupf-Club. Eine Helvetia mit Scheuklappen («Olympiade Basel 2052 – vo dr Wisioon zur Illusioon»). Es soll Medien gegeben haben, die auf die Sujetidee vor einigen Wochen eingestiegen sind… Aufregung bei den Muggedätscher. Der Laternenwagen ist defekt, lässt den gackernden Hühnerhaufen («Au d Hiehner schmegge nimm wie friehner») nervös werden. Waren das noch Zeiten, als die Lampe getragen wurde… Die Szenerie beruhigt sich. Nur für kurze Zeit. Gleich zwei Wunderzüge passieren das Comité am Steinenberg. «S’il Vous Plaît», meint zuerst die Basler Mittwoch-Gesellschaft, deren riesige Aufbauten am Abend (wenn die Lampions brennen) noch eindrücklicher werden. Von (Helvetia-)rot zu gelb – «Schnäggeboscht» bei den Vereinigte Kleinbasler. Eigentlich ein «Jö»-Sujet. Doch die Umsetzung lässt keine Wünsche offen. Ein Wunder, dass sie rechtzeitig angekommen sind. Ebenso wie die Domino, deren Kostüme in einem verwascheneren (Post-)gelb erscheinen.

Verlorene Ringe führen die Rootsheere («Und eewig loggt Olympia») auf dem Rücken mit. Und starten (sportlich) den Aufstieg am mittlerweile wieder sonnenüberfluteten Steinenberg. Entsprechend gedeihen die Blumen und leuchten die Farben. Wie bei der Jungen Garde der Märtplatz-Clique (Nostradamus ist bei ihnen Uriella dicht auf den Fersen), bei den Jungen Basler Rolli (leider nur noch mit zwei Tambouren) oder bei den Opti-Mischte. «DOO GRIEGSCH VEEGEL!» Stimmt. (Farben-)Prächtig!

Eine Fusion der anderen Art hat die Alte Garde der Spale-Clique geschafft: Auf ihren Kostümen sind die Fahnen Italiens und des Wallis verschmolzen. Es wird härzig. Die Binggis der Lälli-Clique (als Future-Figuren) und der VKB (als Teletubbies) treiben den Zuschauern ein Schmunzeln ins Gesicht. Getrennt wird bei der Jungen VKB – den Mistkübelsack haben sie gleich an ihre «Kübel» gehängt. Man sieht Praktisches: Die unverwieschtlige Schnooggekerzli führen einen Tambourmajor als Eichenfass mit. Paradiesisch für die Marschhalte. Und noch ein weiterer Farbtupfer – die Rhyschnoogge: «Lieber farbig laufe als bruun schnuure.» Sie schreiten zur Tat. Nur der Tambourmajor hat braune Farbe (aber nicht um den Mund) abbekommen. Gleiches Sujet auch bei den Basler Rolli (mit König Christoph als Tambourmajor) und der Olympia, die wenig später mit dem «Vreneli vo Inneamhag» und dem «Hansli vo Rächtsbravtreulige» vorbeimarschiert.

Dass gelb nicht immer mit der Post zu tun haben muss, beweisen die Querschleeger. «Mir sinn immer no doo» – ein selbstkritisches Sujet? Eine Drohung? Oder eine einfache Feststellung? Gelb gleich Post assoziiert hingegen der Stamm der Junteressli: «S gääl Riisegnuusch oder Soone Saich». Und der Zug? Gelb, gelb, gelb.

«S Sujet isch uns schyssegal! Mir sinn scheen – das isch genial!», meint die Junge Garde der Junteressli. Wo sie Recht hat, hat sie Recht. Und genau so genial war der zweite Cortège-Tag. Trocken bis zum Schluss.