Die kühlen Temperaturen am zweiten Cortège-Nachmittag lassen uns frösteln, gut, dass bald die 25-jährige Naarebaschi daherkommt und uns zumindest gedanklich in wärmere Gefilde versetzt. «Bali-Bâle» lautet das Sujet der Clique im Jubeljahr, und so ziehen Götter und Dämonen mit phantasievollen Larven an uns vorbei, während sie einen melodiösen «Wettstai» zum besten geben. Es folgt die J.B.-Clique Santihans, die präsentiert, wie Integration funktionieren kann, denn in ihrem Zug laufen alle möglichen Nationen, die der Tambourmajor als Multikulti-Figur in sich vereinigt.
Natürlich ist eines der omnipräseten Themen dieser Fasnacht – die Amerikaner und ihr Präsident – auch am Cortège häufig anzutreffen. Die Basler Mittwoch-Gesellschaft Runzle sind ein Zug von lauter republikanischen Eseln, ihr Tambourmajor ist ein als Friedensengel verkleideter «Unggle Sam», der die Raketen schusssbereit auf dem Rücken trägt. «Nit jeden Ami isch e Frind» verkünden die VKB. Ihr Requisit stellt die Freiheitsstatue dar, die auf der Weltkugel thront, die Pfeifer und Tambouren sind die unterdrückten Nationen, dazwischen läuft der Tambourmajor als Mister Universum oder Cowboy Bush. Bei der Lälli-Clique spielt die Freiheitsstatue auf dem Requisit mit der Welt gar Jojo, die Tambouren und Pfeifer sind GI’s (gemäss Rädäbäng «Griegssichtigi Individue» und «Griegsversehrti Iberlääbendi»), ein zerbombter Wagen folgt – ein düsterer, aber eindrücklicher Zug.
Als zur selben Zeit den Steinenberg abwärts die Rätz-Clique vorüberzieht, zeigen sich die zwei Gesichter der Fasnacht. Von weitem leuchten uns Windreedli in den schönsten Farben entgegen, welche von den auf den Köpfen der Rätz-Pfeifer thronenden Kindern getragen werden. Die Tambouren aber haben weder Zeit noch Geld für
Kinder und kommen ganz in Schwarz daher.
Ebenfalls einen vorderen Platz auf der Sujethitliste belegen die abzockenden Manager, bissig dargestellt etwa von den Wiehlmys. Die verarmten grauen Wiehlmys (entlassene Arbeitnehmer) im Vortrab kontrastieren mit den gierigen Geiern (Manager) und bissigen Fledermäusen (neue Arbeitnehmer), die ruessend und pfeifend folgen. Dieses Sujet witzig umgesetzt haben die Agfrässene, sie wollen auch mal «cheflen» und kommen daher allesamt als Tambourmajoren daher…
Unheimlich wird es, als der Dupf-Club naht, schon von weitem verkündet er sein Sujet auf einem Transparent: «Angscht!» Der Zug besteht aus lauter Angsthasen, besonders eindrucksvoll ist auch das Requisit – ein an die ebenfalls rabenschwarze Laterne angehängter Tunnel, in dem die Angst erlebt werden kann. Die Junteressli hingegen haben Angst vor (chemischen) Essen – «Iss die Dod» steht auf ihrer Laterne, der blutige Köche, beziehungsweise Giftmischer folgen.
Das Plakettensujet ist dieses Jahr auch das Sujet der Alten Garde der Spale-Clique, die Glasfähre nämlich, von den Spalemer auch «Treibhaus auf dem Rhein» genannt. Die Tambouren und Pfeifer als Wassergeister und der Tambourmajor als Neptun ergeben zusammen eine Sinfonie in blau. Ein farblich sehr schöner Zug sind auch die Muggedätscher, pardon uggedätscher, denn Ihr Sujet lautet «orgestraich vorwärts arsch (s «m» macht Fasnacht)» – die Expo lässt grüssen. Aus der Theaterstrasse kommt mit den Sporepeter noch ein Zug, der Farbe in den düsteren Nachmittag bringt. Die Pfyffer- und Dambuuregruppe thematisiert die Diskussion um die quadratische Fahne beim UNO-Beitritt der Schweiz, der Tambourmajor ist denn auch eine «Äxtrawurscht».
Die Schnurebegge schliesslich sind lauter frierende Eskimos in ihren Kajaks, die Tambouren ruessen für einmal auf in den Kajaks integrierten Böggli. Das Sujet der Schnurebegge lautet schlicht «kalt -03». Dem können wir nach einigen Stunden «Regen-
Cortège» nur beistimmen…
Weitere Informationen:
bz-Berichte Fasnacht 2003



