Eine reiselustige Fasnachtsclique

15. Januar 2005 | Von | Kategorie: Nachrichten

Ein Gerücht ging um in Basel.
Die Junge Garde der ehrwürdigen
Basler-Mittwoch-Gesellschaft, hiess es
1930, würde besser trommeln als der
Stamm. Grund dafür sei, dass die
Jungspunde von Trommelinstruktor
Hans Baumgartner eine neue Technik
gelernt hätten und sich weigerten,
nach dem guten alten Trommelheft
des hochverdienten Winzer Seppi zu
ruessen. Das ging den BMGler dann
doch entschieden zu weit: «Die Junge
Garde verfällt dem Grössenwahn»,
sagten sie sich und setzten Baumgartner
kurzerhand vor die Tür. Ein kapitaler
Fehler für die BMG, denn aus Solidarität
mit Baumgartner verliess die
gesamte Junge Garde die Clique.

Im heutigen Hotel Basel gründeten
die Väter der Abtrünnigen am 30. April
1930 eine neue Clique: die Basler Bebbi
Basel (BBB). An ihrer ersten Fasnacht
im Jahr 1931 trumpften die Bebbi
gleich mit drei Zügen auf: Neben der
Jungen Garde und den Binggis bildeten
die Väter der Buben den Stamm. So
zählten die Bebbi zwar imposante 45
Tambouren, doch nur wenige Pfeifer.

Bereits 1934 sorgten die Bebbi erstmals
für Aufruhr. Mit dem Sujet «dr
Frontefimmel in dr Schwyz» zogen sie
die «Braunhemden», wie die Anhänger
des Nationalsozialismus in der
Schweiz genannt wurden, gehörig
durch den Kakao (siehe Foto). Die Polizei
zwang die Bebbi am Fasnachtsmittwoch,
ihre mit Hakenkreuzen bestickten
Hemden umzukehren. Die
Clique nahm es mit Humor. Dies begründete
allerdings die Tradition des
Vereins, in ihren Sujets heisse Eisen
anzupacken.

Mit Max Sulzbachner hatte die Clique
über 30 Jahre lang einen der renommiertesten
Fasnachtskünstler in
ihren Reihen. Sulzbachner, der letztes
Jahr 100 geworden wäre, prägte auch
den hochstehenden Stil der Bebbizüge.
«Der visuelle Auftritt war uns immer
schon wichtig», erklärt Obmann
Sacha Glardon, «wir wollten uns mit
einem gewissen Stil etablieren.» Dazu
passt, dass die Bebbi heute erst ihren
vierten Cliquenkünstler haben. Auch
Sulzbachners Nachfolger Hanspi Sommer
und Werner Kern sind in Fasnachtskreisen
alles andere als unbekannt.
Seit 2001 malt nun Oliver Mayer
für die Bebbi, und wenn es nach
Glardon geht, wird auch er eine Weile
bleiben, denn: «Es ist gut, eine gewisse
Konstanz in den Zügen zu haben.»

Der schönste Zug der Clique sei
unbestritten «El Cartón» gewesen, als
jedes Mitglied sich selbst einen Turm
aus Karton gebastelt habe. Dies war
1992 als Persiflage auf die Weltausstellung
in Sevilla gedacht, als die Schweizer
Delegation sich mit einem Kartongebäude
präsentierte. «Wenn es geregnet
hätte, wäre die Katastrophe perfekt
gewesen», lacht Glardon.

Eine weitere Spezialität der Bebbi
sei ihre «Ryslaiferei», erzählt Chronist
Ruedi Häfliger, der das umfangreiche
Cliquenarchiv betreut. Die Reiselust
der Vereinigung füllt dort ganze Ordner.
Dies nicht zuletzt dank der guten
diplomatischen Beziehungen eines
ehemaligen Cliquenmitglieds, das der
Clique 1962 in Berlin einen Empfang
beim damaligen Bürgermeister (und
späteren Bundeskanzler) Willy Brandt
ermöglichte.

1966 durften die Bebbi sogar bei
der Einweihung des Swiss Center in
New York aufspielen. «Statt eines Jodlerchor
haben sie uns verpflichtet»,
meint Glardon mit einem Augenzwinkern.
Damals habe halb Basel gesagt:
«Oh, diese Bebbi wieder!»

Die Tradition wurde 2002 in Japan
fortgeführt, als die Bebbi in Osaka vor
100000 Zuschauern an einer Parade
teilnahmen. «Bei 26 Grad haben wir
im Kostüm ganz schön geschwitzt»,
erinnert sich Glardon. Heute stecke
die Clique bereits schon wieder in Verhandlungen
über einen möglichen
Auftritt – mehr verrät Glardon nicht.

Fast schon legendär ist hingegen
der alljährliche Ändstraich vor der Safranzunft,
die seit 75 Jahren das Cliquenlokal
der Bebbi ist. Gut möglich,
dass dieses Jahr dabei auch eine Kamera
läuft. Die Bebbi wollen im Jubeljahr
nämlich statt einer Chronik unter
dem Motto «75 Joor im richtige Film»
einen Film über das Cliquengeschehen
drehen.

Weitere Informationen:

bz-Artikel als PDF-Zeitungsseite

Bebbi-Homepage