Zufrieden lehnt Helmut Förnbacher im Foyer seines Theaters an einen Bar-Tisch und gewährt Einblicke ins Ridicule, das 2004 bereits zum fünften Mal auf dem Programm stehen wird. «Wir haben eine Nische gefunden», sagt er. «Das Ridicule hat sich in der Vorfasnachtsszene verankert.» Experimente? Fehlanzeige – auch im kommenden Jahr. Und das ist gut so. Ab 14. Januar wird die Helmut Förnbacher Theater Company an Altbewährtem anknüpfen. Das Ridicule kommt ohne Stargast und Mammut-Auftritte aus. Im Gegenteil: Bissig, nachdenklich, aber auch zuweilen sehr leise sind die Töne, die im Badischen Bahnhof zu erwarten sein werden.
Ein grosser Trumpf Förnbachers ist mit Sicherheit die Spielstätte: Das 200-plätzige Theater versprüht einen speziellen Charme – «hier spürt man noch jeden einzelnen Trommelschlag», fügt der «Hausherr» an. Damit soll vorerst noch gar nicht Schluss sein, denn Förnbacher bestätigt die Verlängerung des Mietvertrages mit der Deutschen Bahn (DB) bis 2005. Somit steht fest, dass auch das sechste Ridicule am gewohnten Ort über die Bühne gehen wird. Danach soll das Theater – wie ursprünglich eigentlich schon früher geplant – einer Ladenpassage weichen. Schade wärs. Und ob sich die DB-Pläne wirtschaftlich rechtfertigen, ist allemal zu bezweifeln.
Einblicke ins Programm gewährt Förnbacher auch – und bringt es auf den Punkt: «Es wird sehr viel klassische Fasnachtsmusik zu hören sein.» Verantwortlich dafür sind in erster Linie die Tambourengruppe Bâsilicum (unter der Leitung von Patrick Surbeck) sowie die Pfeiferinnen und Pfeifer von Silvia Fuchs. Nicht nur bei den in unregelmässigen Abständen vorbei fahrenden Güterzügen dürfte erfahrungsgemäss der Theatersaal ins Vibrieren geraten – dafür zeichnet jeweils auch der traditionelle Gugge-Auftritt verantwortlich: Die KanniBâle sind es beim Ridicule 2004. Für weitere (vor-)fasnächtliche Glanzpunkte dürften zudem die bekannten Schnitzelbängg Gluggersegg und Gratzbürschtli sorgen. Weitere erfolgreiche Elemente des Ridicule sind die «Swingvögel» (Schauspieler Victour Behounek beweist seine Handfertigkeit im Umgang mit dem Piccolo – und kombiniert dies in überraschender Form mit einem weiteren Instrument) und «d Marble Bags», die den Schulterschluss zwischen irischen Weisen und Basler Poesie vollziehen.
«Wie eine grosse Familie», beschreibt Jürg Jösslin, einer der Ridicule-Autoren und selbst auf der Bühne stehend, die Arbeit im Ridicule-Team – und das kommt keineswegs als Platitüde daher. Förnbacher vermag selbst an einer Medien-Orientierung den intimen Rahmen dieser Vorfasnachts-Veranstaltung zu erzeugen und plaudert aus dem Fundus eines reichen Erfahrungsschatzes: «Der Fasnachts-Daigg ist die Urmutter des kulturellen Lebens in Basel», erzählt er – eine Erklärung für die Theater-Vielfalt in dieser Stadt suchend. Nachdem das Ridicule zu Beginn die einzige Vorfasnachts-Veranstaltung mit professionellen Schauspielern war, wird auch hier die Konkurrenz nun immer grösser. Doch Förnbacher gewinnt dieser Entwicklung nur positive Seiten ab. Kann er auch. Denn Förnbacher hat mit seinem Ridicule in der Tat eine Nische gefunden.



