Ein Kuchen mit wenig fasnächtlichen Rosinen

15. Februar 2003 | Von | Kategorie: Nachrichten

«Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen, und jeder geht zufrieden aus dem Haus.» An diesen Satz aus Goethes Faust hat wohl Werner F. Vögelin gedacht, als er das Programm für seine achte Stubete zusammenstellte. Denn jeder soll, wie es im Eröffnungslied heisst, «ein Stück vom Fasnachtskuchen» erhalten. Doch nicht immer geben viele Zutaten ein Ganzes. So reiht sich, besonders im ersten Teil, einfach ein Stück ans andere. Aber es fehlt so etwas wie der rote Faden.

Bei den Texten ist Vögelin streng darauf bedacht, sauberes «Baseldytsch» auf die Bühne zu bringen. So fordern auch die alten Fasnachtsfiguren Blätzlibajass und Waggis (Lisca und Frédéric Decrauzat) «gib Sorg zer Schprooch und bhalt si gsund». Eingerahmt von Alti Dante und Dummpeeter (ganz die ehemalige «Kaffimihli») machen sie sich Sorgen über die vielen Anglizismen in der heutigen Umgangssprache.

Doch da Basel ja bekanntlich weltoffen ist, kommen auch andere Dialekte zu Wort. So die Kabarettistin Christine Böhni aus Kreuzlingen. Gesanglich und schauspielerisch gut in der aus diversen Märchen zusammengestellten Kurz-Oper «dr Seeschwan-Expo». Grossartig im (endlich besseren) zweiten Teil als temporäre TCS-Angestellte. Weil sie Zeitung liest, hat sie den Durch-«Blick» und weiss deshalb, dass 90 Grad nicht nur eine Wassertemperatur ist, sondern gleichzeitig auch ein rechter Winkel, in dem zudem Blocher sitzt. Herrlich ihr selbstkomponiertes Volkslied «Im schöne Schwiizerländli», mit welchem sie an den «Konkurs vom Euro» gehen will. Die mit dem Markgräfler Kulturpreis ausgezeichnete tanzende Sängerin Barbara Wäldele wirkte dagegen im Programm etwas aufgesetzt.

Etwas gar kurz fällt die Nummer mit Örgelimann Boris Gass aus. Auf ihn folgt der Überraschungsgast Peter Richner. Bewunderswert sein Kurzauftritt als Herr Vischer aus dem «Daig», spielt er doch gleichzeitig eine Etage tiefer (im Fauteuil) in einem Schwank mit. So ist es auch verzeihlich, dass er einen Hänger hat und zum Spickzettel greifen muss. Etwas, was bei ihm wohl selten vorkommt.

Ein Höhepunkt ist die Komposition «Musikalische Eurovisionen» von Musikprofessor Ernst Lichtenhahn. Ein herrliches Wechselspiel von der Eurovisions-Melodie über klassische Titel wie Beethovens Ode an die Freude zu bekannten Fasnachtsmärschen. Giselle Reimann (Querflöte), Anja Friedeberg (Cello), Bettina Urfer (Klavier) und Barbara Wäldele als Pippi von Langenbrugg ernten dafür viel Applaus.

Vögelin kann das Schnitzelbangg-Singen nicht lassen und gibt drum, auch ohne Kostüm und Requisit, ein paar Verse zum Besten. Stimmlich überfordert ist er aber als schriftdeutsch (!) singender Kommissar. Auf seiner Parkplatzsuche begleitet ihn «Willys Blues Band» (Solo-Gitarre Martin Eyer, Bass-Gitarre Willy Surbeck, Schlagzeug Vittorio Müller – ergänzt durch die omnipräsente Bettina Urfer am Klavier). Die «Simpioose BaZ und FCB» erinnert an «Vive le sport» vor drei Jahren. Diesmal macht Vögelin sich über die Basler Zeitung lustig, welche anscheinend nur noch das Thema FC Basel kennt. Denn mit Fussball vorne, Fussball hinten, lässt sich einfach Zeilen schinden.

Drei Fasnachts-Rosinen im Kuchen sind etwas wenig. Dafür sind sie aber gross und wohlschmeckend. Die Pfeifer und Tambouren der Rätz-Clique begeistern mit einem wunderschönen «Hofnaar» und einem ebenso perfekten «Ohremyggeli». Auf einen guten Bangg-Jahrgang lassen die beiden Comité-Bängg hoffen. Die «Syydiane» bestechen mit guten Pointen. Sonderapplaus erhalten die drei für ihren Tschudi-Vers, sitzt der aufs Korn genommene doch in der ersten Reihe. Noch sensationeller der «Peperoni». Nach seinem tollen Vortrag will der Beifall kein Ende nehmen.

Auch wenn die Stubete 2003 als Ganzes nicht voll zu überzeugen vermag, so ist der Schlussapplaus des Premieren-Publikums dennoch herzlich – und die Teilnehmer auf der Bühne verschwinden fast hinter einem Meer von Blumen.