Am späteren Nachmittag ist in der Stadt ausser der unvergleichlichen Stimmung in der Luft noch wenig von den kommenden drey scheenschte Dääg zu spüren. Bei genauerem Hinsehen wird jedoch schnell klar, dass die Essens-Anlieferungen vor diversen Beizen verdächtig umfangreich ausfallen und plötzlich ertönt Kindergesang: «Lueg dert mit dr lange Naase, kunnt jo scho e Waggis z raase.» Das kleine Mädchen, das singend mit seinem Vater durch die Strassen zieht, ist mit seiner Vorfreude an diesem Nachmittag bestimmt nicht allein.
Im Lohnhof steht die erste Laterne bereit und wartet darauf, von ihren Machern getauft zu werden. Am Heuberg werden bereits die ersten Fasnachtscüpli verkauft und an verschiedenen Ecken der Stadt ist Französisch, Hochdeutsch und Englisch zu hören: Auch die Kiebitze sind bereit.
Auf dem Martinskirchplatz stehen die Mitglieder der Sporepeter gut in Mäntel eingepackt um ihre verhüllte Laterne. «In der Kirche ist es wärmer und sie wäre offen», schlägt einer vor. Bereits zum dritten Mal rennt ein Jogger an den Sporepeter vorbei und lässt sich vom (vor-)fasnächtlichen Treiben nicht beirren. Vor einer Beiz steht die Mini-Laterne der «alte Glischteler»; auch beim Ypfyffe verdient man sich eine wärmende Pause.
Aus der Augustinergasse kommen die ersten Piccolo-Klänge und ein kleiner Binggis mit einer Trommel um den Hals übt sich eifrig in der Begleitung des Marsches «dr Altfrangg». Ein kleines Mädchen kann es offenbar kaum erwarten, ins Goschdym zu schlüpfen, ein kleiner Vorgeschmack in Form von Kopftuch und Hexenbesen wurde ihm denn auch schon am Tag vor dem Morgestraich zugestanden. Auf dem Münsterplatz werden die parkierten Autos bald den Laternen weichen müssen, vorläufig stehen die Laternen der Basler Rolli noch einsam da, aber natürlich umringt von Fasnächtlern, die ausgerüstet mit Handschuhen das Weissweinglas halten. Manch ein Fasnächtler hat Tränen in den Augen, was wohl weniger der Fasnachtsrührung, als vielmehr dem kalten Wind zuzuschreiben ist.
Es beginnt ganz fein zu schneien, hoffen wir, dass dies für die nächsten drei Tage die letzten Flocken bleiben. Auf dem Barfüsserplatz übt ein Paar schon für den Kinder-Zyschtig und zieht seine zwei Kleinen im Leiterwagen hinter sich her. Bei einer kleinen Gruppe klappt fasnachtsmusikalisch noch nicht ganz alles. «Zem Glygg hänn ihr e Larve aa», kommentiert ein Zuhörer trocken.
Der «Wettstai», «S Läggerli» und der «Arabi» — beim Eindunkeln sind die Piccolo-Klänge omnipräsent. Die Seibi, die Basler Zepf Ziri und die Stänzler ziehen vorbei und bringen pfeifend ihre Laternen an den Abmarschort für den Morgestraich. Und zum hundertundsiebzehnten Mal hören wir, wie jemand dem anderen die Worte zuruft: «E scheeni Fasnacht!»



