Was im vergangenen Jahr die Gemüter mehr oder weniger bewegt hat, schlug sich in der einen oder anderen Art in einem Sujet nieder – Jahresrückblick à la bâloise.
Das Wetter machte es uns vor: es bot ein bisschen von allem – und zur rechten Zeit ein paar Sonnenstrahlen. Davon profitierte auch der Cortège, bei dem die Füsse trocken blieben, dafür die Augen vor Freude feucht wurden. Was das vergangene Jahr hindurch in Basel für Aufregung sorgte (oder auch nicht), wurde einem im Zeitraffer nochmals vor Augen und Ohren geführt.
Das Krisenjahr 2009 zeigte sich unübersehbar im Streik der Seibi Stammgesellschaft, die mit dem Slogan «wehr.di» für eine weniger reglementierte und innovativere Fasnacht warb.
Der Vorwurf, man solle bei der Sujetwahl nie direkt und radikal sein, sondern ganz banal, wie es vom Comité vorgeschrieben ist, traf für diese Fasnacht mitnichten zu: Bissig und innovativ wurden die Sujets zum Teil vorgetragen. Beispiel gefällig? Die Stammclique der Alti Stainlemer zelebrierte die Libyen-Krise meisterhaft. Da wirbelten Polizisten als rote Teppichleger, Bundesrat Merz geklont zu Merzelmännchen diente(n) als Wegbereiter für Oberst Gadaffi, begleitet von einem Pipe and Drum Corps aus dem Orient. Mit «Zirkus Knie-Fall» war das Prozedere überschrieben – hervorragend.
Vielleicht hätte Hans-Rudolf Merz vor seiner Mission der Alti Garde der Vereinigten Kleinbasler einen Besuch abstatten sollen. Dort hätte er vermutlich gelernt, wie man nichts anbrennen lässt. «Daag und Nacht e Kuchischlacht» schlachten die Kleinbasler aus. Kochschauen hüben wie drüben, jeder und jede, die etwas von sich hält, kocht für die ganze Nation. Schaut man aber auf die Teller von Herr und Frau Schweizer, dann liegt dort Fast Food, weil die Zeit fürs Kochen eben nicht reicht – Basta oder eher Pasta. Mit Pasta wäre der Stammverein des Dupf-Club an dieser Fasnacht bereits zufrieden. Für die Clique sind «VegetArier» die besseren Menschen. Farblich in Dunkel- und Hellgrün verpackt, tragen Pfeifer und Tambouren eine Armschleife mit einem «Rüebli» als Signet. Die Grüne Front macht alles «Fleischliche» verantwortlich für alles Schlechte auf Erden. Und das Schlechte besteht in Verboten aller Art – auch dem Rauchverbot. Die Grüne Front sei Schuld an allem – wirklich?
Die Stammclique der Naarebaschi hat eine andere Brille auf. Sie kommt zum Schluss: «Au Du bisch schuld!». Sie beklagen, dass jeder und jede nur noch für sich selbst sorgt, nach dem Motto «In dubio pro meo». Und so werden dann Abstimmungsresultate möglich, bei denen sich viele die Augen reiben, weil es anders kam, als alle voraussagten. Das Rezept für alle «Felle» (die Naarebaschi trugen Fell): Selber denken!
Denn wer nicht selber denkt, ist vielleicht «gaga». Die Costumefratze haben den «Lady GaGa-Virus ausgemacht. Überträger ist unter anderem Silvio Berlusconi, seien doch Frauen, die mit ihm ins Bett hüpfen…
Gaga sind auch die Hooligans (oder besser Hohligans) oder die Basler Denkmalpflege, die Rettungsringe in dezenterem Rot verlangt. Nur die Chemie ist nicht Gaga, denn sie hat dank der Schweinegrippe schweinisch viel verdient.
Und zum Abschluss noch ein Kulturbeitrag: Die Birewegge warten mit einem Zettel der besonderen Art auf: einem, den man singen kann. Etwas gewöhnungsbedürftig dürfe die Melodie sein, handelt es sich doch um das Baselbieterlied. Geeignet für jene Basler, die in Basel arbeiten und auf dem Lande wohnen. Doch umgekehrt gibt es einen Anlass, an dem auch die Baselbieter Bebbi sein wollen: die Fasnacht. Dort steht Stadt und Land in Reih und Glied und marschiert in die gleiche Richtung, Frau Fasnacht sei Dank. Eben eine gute Mischung – oder: E weeneli vo allem.



