Drummeli 2014 2. Teil – z Basel dien sy immer no Grääbe graabe

23. Februar 2014 | Von | Bilder: Dennis L. Rhein | Kategorie: Top-Thema, Nachrichten

Der zweite Teil des Drummeli 2014 fügt sich Rahmenspieltechnisch nahtlos in den Ersten ein. „E Äntli wo an d Fasnacht kunnt“, „Bruefstätigi Frau sy Hützedaags“ wo Susanne Hueber über den Tagesablauf einer berufstätigen Mutter und ihre vielen Jobs ausführlich referiert und als Gegenstück zelebrieren die Bauarbeiter Hugo Buser und Kurt Walter „ Wenn isch e Maa, e Maa?“ Eine abgesperrte Balkonszene ohne vorschriftsmässigen Bauhelm gab es auch wieder und schlussendlich werden die Baustellen, zumindest in der Innenstadt, für die Fasnacht zugeschüttet und die Stadt endlich wieder begehbar gemacht. Dies jedoch mit der durchaus klaren Ankündigung, dass nach den „drey scheenschte Daag“ wieder 694 neue Löcher aufgerissen werden.

Während sich ein Aktivist von der Drummeli-Bühne abseilt, singt der Comité-Bangg „Schlyffstai“ wie gewohnt dreistimmig, harmonisch, pointiert und einfach nur brilliant! Im Refrain des „Puttinsongs“ konnte man sogar den Text nicht mehr verstehen, da das Publikum dermassen frenetisch rhythmisch mitklatschte.
Genau so grossartig manifestierte der Drummelirapper Laurin Buser sich in Gestalt einer misshandelten Orange.

Unbestritten war der zweite Drummeliteil der Bessere. Dies widerspiegelt auch die Darbietungen der Cliquen, welche noch etwas ausgefeilter, bombastischer oder kreativer sind als diese vor dem Pausenbierchen.

Den Anfang macht hierbei der „Central Club Basel“. Mit einer aufwendig produzierten Videoeinspielung und einem Major mit 007-Arschgeweih, nehmen sie sich das Thema James Bond vor, spielen einen Reigen aus bekannten Bond Melodien und auch wenn nicht alle Piccolo-Töne ihr Ziel getroffen haben, war es ein herauszuhebender Auftritt. Noch etwas monumentaler präsentieren sich „die Aagfrässene mit de BMG-Pfyffer“. Zu den pfeiferisch und trommlerischen Klängen von Rossinis Tell-Ouvertüre, wird die Schlacht bei Morgarten nachgestellt. Ein Spektakel.

Die „Basler Bebbi Basel“ schlagen das Imperium zurück und das in Dolby Surround. Mit Dark Vader Kostümen, guten Lichteffekten und der Star-Wars Textfolge in 6 Episoden, welche sich in Richtung Weltall verflüchtigt, weisen sie prägnant auf ihre ganz spezielle Fasnachtsphilosophie hin. Ein imposanter Auftritt und dieses Thema wird visuell und virtuos toll umgesetzt.

Sugar Baby Love ist der Titel der gross aufspielenden „Ohregriber“, welche heuer ihr 40 jähriges Bestehen feiern dürfen. Ein veritables Geburtstagsständeli, das sie sich und dem Publikum schenken.

„D Rätz-Clique“ mit dem Pfeifermarsch Dr Spalebärg, sorgen für Gleichberechtigung, weil sie doch schon an der einen oder anderen Drummelivorstellung den Platz den Tambouren für einen Trommelmarsch überlassen mussten. Aber auch ohne Tambouren findet das Publikum Wohlgefallen an diesem Rätz-Auftritt.

Warum sieht man beim „Dupf-Club Basel“ die Füsse der Cliquenmitglieder nicht? Dies fragt man sich anfänglich aber dies wird alsdann auf sehr köstliche Weise aufgelöst. Schwungvoll und mit bewussten Rhythmuswechseln versehen spielen sie den Rossignol in den Theatersaal und machen dabei einen offenkundig wankelmütigen Eindruck. Eine runde Sache.

„D Seibi & Seibi Mysli“ präsentieren den Fritzli, lösen jedoch nicht auf, warum der Fritzli denn nun Fritzli heisst. Die in Watte gehüllte Clique und die farbenfrohen Bilder im Hintergrund bilden den Kontrast für dieses Gesamtkunstwerk.

Direkt im Anschluss besteigen die Matrosen der „Naarebaschi“ das Narrenschiff. Was die etwas einfache Szenerie auf der Bühne vergessen macht, ist die grandiose Fertigkeit der Trommler und Pfeiffer. Ein Ohrenschmaus bei welchem dem Piraten sein Holzbein zu blühen beginnt.

„D Verschnuuffer“ bringen alsdann den Morgenstraich auf den Punkt und diesen Punkt haben die Gäste des Drummelis gleich mehrfach in den Augen, werden sie doch mittels Blitzlichtgewitter malträtiert. Ein Blitzlichtgewitter wie es dies nebst dem roten Teppich in Hollywood halt nur am Morgestraich zu sehen gibt. Mit einem rassigen San Carlo beschliessen sie das Bühnenprogramm des Drummeli 2014 und das Musical-Theater wird danach zum Gässlerparadies für Cliquen und Fasnachtsziigli.

Leider birgt dieser Schlussakt den Nachteil, dass das Publikum den wirklich guten Rahmenspielern den verdienten Tribut nicht zollen kann. Eine Ovation hätten diese verdient.

Drummeli 2014: 22. bis 28. Februar im Musical Theater Basel. Die Vorstellungen sind jedoch ausverkauft, wie das Fasnachts-Comité am 24.02.14 mitteilt.