«Ja, es lebt noch! », ist man in Anlehnung an einen populären Gassenhauer versucht auszurufen, wenn man aus dem «Monstre» kommt. Ein Jahrhundert hat das Drummeli nunmehr auf dem Buggel, aber es wirkt keineswegs alt. Wie in den letzten Jahren immer sind auch dieses Mal neue Tendenzen festzustellen und werden Schritte in modernere Richtungen unternommen. Nach der Einbindung von Beamer-Bildern in den letzten zwei Ausgaben ist es nun die Abkehr vom statischen Musizieren. Statt einfach mit Piccolo und Trommel zu brillieren (was zugegebenermassen auch nicht immer einfach ist), hat man nun Bewegung und Effekte entdeckt, was den Darbietungen auf der grossen Bühne nur gut tun kann.
Den Anfang in dieser Hinsicht machten noch etwas schüchtern die «Schnurebegge», die den Saal als Indianer aufwärmten. Schon mehr lief bei den «Basler Dybli», die zum «Le Lancier» Ritterfestspiele boten. Und beim «Elfer» der «Alte Glaibasler» kam es dann schon zu veritablen Show-Acts mit einem «Drämmli» auf der Bühne, welches von BLT zur BVB wechselte. Auch die Drummel- und Pfyfferschuel der «Basler Bebbi» entzog sich dem neuen Trend nicht und liess Strassenwischer im Takt der verschiedenen Märsche agieren.
Weiter ging es im ersten Teil mit den «Schnooggekerzli», die einen traumhaften «Brunnenmarsch» pfiffen und den «Grachsymphoniker», deren Darbietung etwas an eine Jam Session mahnte. Danach zeigte sich die «Alte Richtig» als Ausnahme vom neuen Trend und Bewahrerin des Traditionellen: Die «Pfyffer-Daagwach» wurde nach alter Väter Sitte statisch musiziert – und den Tambourmajor im Napoleon-Kostüm hatte man auch schon im ehrwürdigen «Kiechli» gesehen. Da liessen sich die «Rhyschnogge» zu ihrem 75jährigen Jubiläum schon mehr an Bühnenpräsenz einfallen, und die Welturaufführung «Dr Rossbolle» von den «Junteressli» brachte den ersten stürmischen Applaus. Gleich alt wie das Drummeli ist die «Spezi-Clique», die als Geburtstagsgeschenk eine sensationelle «100er Note», komponiert von Michi Robertson und Urs Eble, darbrachte. Den musikalischen Teil vor der Pause beschliessen die «Sans-Gêne» mit dem «Rossignol».
Unterschiedlich präsentieren sich die Rahmenstücke: von brilliant in der Nummer «Uns raucht’s», in dem die unsägliche Anti-Raucher-Hysterie aufs Korn genommen wird, über wirklich «härzigi» Geschichten wie die Diskussion von vier Drämmli im Depot Wiesenplatz bis zu eher mässigen Nummern wie vor allem «Baseldytsch fir Neybasler», wo alle gängigen Clichés auf das Peinlichste aufgewärmt werden. Die «Rääme» sind eigentlich immer dann gut, wenn sie mit viel Musik daherkommen, so wie etwa «Let’s Cats», in dem Anita Fetz unter anderem mit Songs aus der Dreigroschenoper und Lloyd Webber-Musicals ihr Fett abkriegt.
Und wenn wir gerade bei mässig sind: Eher eine Enttäuschung war der sonstige Spitzenbangg «Schuuflebuur», der nebst vielen nicht sehr lustigen Versen eigentlich nur mit einem Zanolari/Combino-Vers das Publikum auf seine Seite ziehen konnte. Seither weiss man, was die Politikerin und dieses Tram gemeinsam haben: ein schwaches Dach. Das «Glettyse» als zweiter Bänggler legte mit Mini-Helgen maximale Ehre für seine Zunft ein. Grandiose Verse, trocken präsentiert und von einer fast schon gefährlichen Bissigkeit. Da sei es ihm verziehen, dass ein Vers seine Uraufführung bereits vor rund zehn Jahren erlebt hatte.
Kehren wir aber zur Fasnachtsmusik zurück, die im zweiten Teil noch eine beachtliche Steigerung erfuhr. Sensationell «Dr Schryyberling» von den «Rhygwäggi» mit Schreibmaschinen anstelle der Trommeln, in nichts nachstehend die «J. B.-Clique Santihans», welche Franz Hohler zur Hilfe nahm, und die «Spale-Clique», die das wahrlich nicht einfache «Opus 4051» (Trommeltext Fränzi Humair und Fabian Kuhn) mit einem – auch buchstäblichen – Feuerwerk intonierte. Die «Basler Rolli» begannen ihren «Hofnarr» mit einem Räppliregen, und die «Gundeli» (zur Verwirrung im Programmheft russisch geschrieben) versuchten sich mit Alphorn und anderem am Donizetti. All dies sehr gelungen, genauso wie die Symbiose der «Wettstai-Clique» mit den «Grachsymphonikern». Den fulminanten Schlusspunkt unter das musikalische Programm setzten die «Glunggi» mit dem «Basler Pyffergruess», die «Alte Stainlemer» mit einer schmissigen «Daagwach», «Breo» mit einem feinsinnigen «Breollini» und die VKB mit einer sensationellen «Retraite à discretion» (achtstimmig!).
Alles in allem bietet das Drummeli 2005 die gewohnte musikalische Brillianz, dieses Jahr noch verfeinert durch viele gelungene Zusatzideen. Die Rahmenstücke waren sicher nicht schlecht, jedoch in einer ziemlich grossen Spannweite zwischen genial und «Na ja». Der Gesamteindruck ist aber ganz klar ein bewunderndes und fröhliches «Happy Birthday» für das «Monstre» – bitte so weiter, noch mindestens weitere 100 Jahre.
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NEU Foto-Galerie von der Vorfasnacht 2005



