Drummeli 2. Teil: Geschwungene Tanzbeine und starke Worte

7. Februar 2010 | Von | Kategorie: Nachrichten

Ja. Der Ball des ersten Teils ist zugespielt. Die Rahmenstücke sind auch nach der Pause summa summarum eine Überraschung – und zwar im positiven Sinn. Immer wieder gelingt es dem Conférencier (Marcel Mundschin) die Handlung zusammenzuhalten, auch wenn er vom eigentlichen Thema – der geschichts-historischen Beleuchtung der Basler Fasnacht – hier und da doch etwas gar weit abrückt. Und er teilt subtil aus: Beim Stück «Gmies» etwa greift er immer wieder in die Handlung ein, und rechtfertigt sich: «Jä, d Lyt wurde das Stygg scho begryffe – aber s het Journaschlischten im Saal…» Ein vortrefflicher Rache-Feldzug für all die vernichtenden Rähme-Kritiken der verangenen Jahre. In solch einem Text-Jahrgang macht es dann für einmal auch nichts, wenn im rührend vorgetragenen Gesangsstück «Babben und Bueb» (frei nach Cat Stevens) die Pointe vorhersehbar ist.

Doch nehmen wir den Faden des ersten Teils auch musikalisch auf – und das nun nicht nur sinnbildlich. Denn an vielen Fäden hängen die Pinocchio-Figuren, in die die Opti-Mischte geschlüpft sind und den gleichnamigen Marsch («Pinocchio») rassig und eingebettet in das wunderschöne Bühnebild aufführen. In die Backstube hat es die Giftschnaigge verschlagen: Dort werden «Sunnereedli» gebacken, gleich heisst auch der Marsch – und etwas verschlafen kommt er zu dieser frühen (Back-)Stunde noch daher. Ganz anders die Pfluderi: Rückwärts gelesen ergibt dies «Iredulpf». Und dieses Fabelwesen, halb Fisch, halb Schwein (emänd ein Opfer der Schweinegrippe) soll irgendwo zwischen Mittlere Brücke und Johanniterbrücke beheimatet sein. Jedenfalls haben die Komponisten Robertson/Balmelli ganze Arbeit geleistet: Die in Zügen an den Nonsens von Monty Python erinnernde Aufführung rundet das Ganze ab.

Rasch noch das Hemd und Jackett zurechtrücken: Wir sind in der Wiener Oper. Opernball ist angesagt, begleitet von «Wien blybt Wien», vorgetragen von den Verschnuuffer. Bei der ersten Tanzeinlage im zweiten Teil des diesjährigen Drummelis ist nicht nur der Frack etwas steif – musikalisch ist die Passform umso besser. Sprung über den Teich mit den Muggedätscher: Der «Yankee» gehört fast schon zu den Klassikern. Lagerfeuer-Romantik zwischen Wigwam und Grand Canyon. Dazu Line Dance – das Drummeli mutiert allmählich zum Tanzfestival.

Die Reihe im musikalischen Programm ist nun an einer Guggemusig, die den Gegensatz zu den Jeisi Migger des ersten Teils nicht grösser erscheinen lassen könnte: Der Harst der 60-jährigen Schränz-Gritte hat die Festsaal-Bühne in Beschlag genommen. Begleitet von Querflöte und Violine schenken sie uns «Rote Rosen». Bravo-Rufe zum Schluss. Zurecht.

Massiv geschrumpft ist in diesem Jahr der Dupf-Club – nicht punkto Menge, sondern punkto Körpergrösse. Schlumpfhausen in Perfektion: Auf den Knien vorgetragen sorgt «Das Lied der Schlümpfe» für grosse Erheiterung – und Schlumpfine für etliche Verwirrung. Danach ist ganz grosses Kino angesagt: «The Dance of the Lords» der Olympia zaubert irische Pub-Stimmung auf die Bühne – doch unbestrittener Höhepunkt ist die Irish-Dance-Einlage der Olymper: In Choreografie und Perfektion lässt diese einen Michael Flatley glatt vergessen…

Gegen einen solchen tänzerischen Höhepunkt anzukämpfen, erweist sich als schwierig: Die Step-Einlagen bei den «Brite 79» der Lälli sind denn auch thematisch ziemlich gesucht. Insbesondere der Pfeiferharst hat nach den zahlreichen Austritten, die vor wenigen Wochen auch medial ausgeschlachtet worden sind, gelitten. Zahlenmässig wohlgemerkt, musikalisch passt an diesem Abend alles.

Etwas gar viel Eigenwerbung für ihren Cliquenkeller macht die Rätz-Clique mit dem «Rats». Optisch und musikalisch gelungen ist der Auftritt allemal – von der Planung bis zur Realisierung wird die Entstehungs-Geschichte der Rätz-Stadt aufgerollt. Bleibt beim musikalischen Teil noch der «Rhysprung»: Der Marsch ist bisher primär als Pfeifersolo bekannt, entsprechend gewöhnungsbedürftig ist der Trommeltext, den die Naarebaschi bringen – aber nur im ersten Moment. Das Zusammenspiel passt.

Fazit Cliquenauftritte – um es in den Worten des Fasnachts-Archäologen zu sagen: «Dangge, Musig!»

Aaaaaaaah, jä. Ein bisschen Kritik muss dann doch noch sein: Der zweite Bangg des Abends, Doggter FMH, hat seine Fasnachtsform noch nicht erreicht, immerhin sticht der eine oder andere Zwischenvers – so zur Schweinegrippe:

Dr Schwyynshals sett me vor em Grilliere

Zwai Mool mit Pulmex mariniere.

Und noch eine Bitte an die Regie: Nach dem fabelhaften Epilog (die Satire in Gestalt des Narrs aus dem Prolog kehrt zurück) und dem erwähnten Naarebaschi-Glanzlicht muss Schluss sein. Die kurze Rückkehr des Fasnächtlers mit Migrations-Hintergrund vom Beginn des Abends ist nicht nur auf Grund der völlig platten Pointe überflüssig und lässt das Publikum für einen Moment ratlos zurück. Ersatzlos streichen.

Weitere Informationen:

Berichterstattung Drummeli 1. Teil

Impressionen vom Drummeli 2010 in der BFO-Fotogalerie