Wie immer gehörte der Dienstag-Nachmittag den Kindern, den Wägen, Requisiten und Laternen konnten (und können noch) auf den jeweiligen Plätzen besichtigt werden und abends stellen die Sternmärsche und Konzerte der Guggen die Höhepunkte dar. In diesem Bericht konzentrieren wir uns auf die Wägen, die «Opfer» der Fasnacht 2022.
Letztes Jahr war noch die ganze Fasnacht anarchisch, jetzt sind Montag- und Mittwoch-Nachmittag wieder organisiert – nicht zu Aller Freude, war die Notwendigkeit, wieder den Montags- und Mittwochs-Cortège aufleben zu lassen, umstritten.
Der Dienstag-Nachmittag aber brodelte wieder so richtig. Familien zogen ihren Nachwuchs in selbst dekorierten Leiterwägeli umher, der potentielle Nachwuchs konnte auf den Wägen schnuppern, wie es da zugeht, oder als Waggis erstmals so richtig «Zivilischte schtopfe». Auch bei diversen Guggen konnten die Jungfasnächtler mitlaufen. Sie taten all dies mit grosser Begeisterung, wie unsere Eindrücke zeigten.
Trotzdem wollen wir uns in diesem Bericht ganz auf die Fasnachtswägen konzentrieren, denn die Wägeler waren es, die nach den ausgefallenen Fasnachten 2020 und 2021 auch im letzten Jahr weitgehend verzichten mussten. Der Mini-Umzug am letztjährigen Dienstag mit kleinen Gefährten war da kaum ein valabler Ersatz.
Dieses Jahr aber sind die Wagen (und Cheese) wieder vollwertiges Mitglied der Fasnachtsfamilie, was auch entsprechend gefeiert wurde. Dies nicht nur am Cortège selbst, sondern speziell auch an der heutigen Wagen- und Requisitenausstellung auf dem Kasernen-Gelände. Der schon vor Corona traditionelle Familientreff wurde noch inniger, noch intensiver gepflegt. Es trafen sich die Angehörigen und die Passivmitglieder vor oder auf den jeweiligen Wägen, es gab Würste, Raclette und natürlich flossen auch Wein und Bier.
Für den Berichterstatter ist dies immer auch Gelegenheit, die Wägen von nahem zu betrachten und die träfen Sprüche zu registrieren. Da sind manch wirklich begabte Hobby-Poeten am Werk.
Natürlich rein subjektiv betrachtet sind die Waldwaggis in Sachen Quantität aber auch Qualität der Verse auf den Wagen-Wänden die Sieger auf dem Platz. Sie «gseen schwarz« und das sind einige Mimpfeli:
Y gang my als uf d Stross go glääbe
Dämm sait me ökologisch lääbeVelo, Velo, Velo, Velo
Velo, Velo, Velo, Velo
Velo, Velo, Velo, Velo
Velo, Velo, Velo, Velo
Numme du bisch picobelloMe waiss nit wie und nit wo aane
Dämm sait s Baudep voruusgsee blaane
Die Gyzgnäbber feiern wie andere das ESAF und reimen:
Dr Keenig Wicki, stark wie-n e Dier
Gwinnt e Granz – derzue au no e StierDr Sieger bringt e Muni hai
Denn isch die Alti nimm elai
Die Privé Waggis erinnern an die dreijährige Durststrecke als Wagenclique mit dem Sujet «WAGGIS- kennsch mi no?» Und widmen sich in den Zweizeilern am Wagen wie so viele dem Pseudoproblem der kulturellen Aneignung:
Gosch an Masggeball als Indianer go danze
Gits statt e Prämie – uf dr Ranze
Die Gnille-Fäger haben ihren Wagen mit vielen Grabsteinen und Kreuzen beklebt und beklagen, es «tödele» in Basel:
Es isch nit famos
Uf em Hörnli isch am maischte los
Die Roote Zingge beklagen ein anderes Zeit-Problem:
Es schloot is mängmol uf dr Maage
Waisch jo nimme, was derfsch saage
Die Ohmächtigi Brieder sind «uf em Gryzzug für e gsunde Menscheverstand». Sie haben keine Sprüche auf dem Wagen, aber einen eigenen Zeedel – unter anderem mit diesen zwei Zeilen:
Die Stärnli, Schreegstrich, Doppelpinggt
sin schuld, dass `s jedem Schryyber stinggt
Auch die Zoggelispalter haben sich dem gesunden Menschenverstand verschrieben. Am Wagen hängen eine Art Jasskarten und auf einer wird gefragt:
Bisch Waggis, Waggöse oder Waggisin oder so…
Die Sparse Glygge feiert 90 Jahre Globi und bezieht quasi das ganze Weltgeschehen auf diese Kultfigur:
Dr Muurer goot… d Sommaruga au
Das wär denn dr Globi und sy Frau
Eine der ältestens Wagencliquen sind die Ammedysli, die seit 1947 laufen, pardon: fahren, dieses Jahr mit dem Sujet «Hau ab du Bääse» und echt krassen Sprüchen am Wagen:
Dasch e Witz d jääse
E soone QuotewääseS Quotehäxli Rita
Steggt Goofe nur in Kita
So viel zu den Wägen – es lohnt sich sehr, heute Abend oder Morgen Vormittag da einen Blick zu werfen. Und ganz speziell sind die Momente nach dem Eindunkeln auf dem Münsterplatz an der Laternenausstellung.
Wer es lieber «schränzig» mag, dem sei der Sternmarsch am frühen Abend zwischen Messeplatz und Schifflände wärmstens empfohlen oder die danach folgenden Konzerte: Die «Freien Wilden» auf dem Claraplatz, die FG auf dem Marktplatz und die IG auf dem Seibi. Kurz, wer heute nicht noch in die Stadt geht, der hat sicher was verpasst. Mir gsehn is und nämme denn aine, gäll?



