DR UELI UFF DR GASS: Zweiundsiebzig Stunden Gliggsääligkait

4. März 2004 | Von | Kategorie: Nachrichten

Donnerstag um vier Uhr früh – plötzlich ist es still in der Stadt, nur vereinzelte Trommler oder Pfeifer hängen noch ein paar Extra-Fasnachtsminuten an, bevor auch sie sich auf den Weg nach Hause oder in eine Beiz zum Zmorge machen. Der Ueli seufzt tief und versucht, sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass es nun unweigerlich heisst: Aadie Fasnacht. Traurig setzt er sich auf dem Barfi auf die Treppe und denkt bei sich, dass er halt doch vor einer halben Stunde hätte heimgehen sollen, wie er es letztes Jahr gemacht hat, um diese melancholische Ändstraich-Stimmung nicht mitzubekommen.

Doch plötzlich erscheint wieder ein Lächeln auf dem Ueli-Gesicht. Wie war das noch mal vor 72 Stunden? Er hat sich zitternd vor Kälte und Vorfreude zwischen zwei anderen Vorträblern in Position gebracht. Die letzten Sekunden durchfiebert, in denen es plötzlich ganz still wird, weil alle nur darauf warten, dass die Lichter ausgehen und es heisst: «Morgestraich, vorwärts, Marsch!» Und dann herrschte am Heuberg zeitweise so eine Druggede, dass der Ueli dachte, seine Gruppe müsse das halbe Repertoire im Stehen spielen. Aber natürlich ging es immer wieder weiter, und die kurzen Pausen hat der Ueli genutzt, um die Augen zu schliessen und die einmalige Morgestraich-Stimmung so richtig einzusaugen.

Ein paar Stunden später am Cortège hat er über die prächtigen Kostüme und witzigen Einfälle seiner Tausenden von Mit-Fasnächtlern gestaunt und sich einen veritablen Orange- und Dääfeli-Vorrat angelegt. Und sich still gefreut, dass der kleine Bund Mimösli in seinem Arm noch einige Tage lang Fasnachtsduft in seiner Wohnung verbreiten wird.

Den Ueli schüttelt es vor Kälte, als in den frühen Morgenstunden ein eisiger Wind über den Barfi fegt. Beim Gässle hat er trotz des kalten Wetters während drei Tagen nie gefroren. Aber kaum war er auf dem Heimweg 100 Meter von seiner Gruppe entfernt, hat er erbärmlich gezittert; Fasnachtsgemeinsamkeit hält warm.

Zuhause im warmen Bett hat sich der Ueli kurz vor dem Einschlafen plötzlich wieder irritiert aufgesetzt: Leises Trommeln und Pfeifen im einem Aussenquartier von Basel? Kaum, aber wem sitzen die Fasnachtsklänge während der drey scheenschte Dääg nicht permanent in den Ohren, ob nun real oder imaginär?

Am zweiten Tag hat sich der Ueli Ausschlafen gegönnt; der Fasnachts-Zyschtig ist schliesslich der freie Tag, an dem jeder und jede die Fasnacht nach eigenem Gusto geniessen kann. Der Ueli hat dies ausgiebig am Mini-Cortège der Binggisse getan. Wie jedes Jahr hat er sich kaum sattsehen können an den oberhärzigen Zwerg-Waggissen und den kleinsten Räppli-Schmeissern, welche die farbige Pracht oft kaum bis vor die Füsse ihres «Opfers» bringen, auch wenn sie für den Wurf so richtig ausholen.

Zwischendurch hat sich der Ueli gefreut, dem lauten und herrlich chaotischen Treiben mal kurz zu entfliehen und bei einer Stubete mit Bekannten oder auch noch unbekannten mit einem Glas Weisswein auf eine schöne Fasnacht anzustossen. Noch besser hat ihm allerdings der Kaffee Spezial in einer urchigen Kleinbasler Gnille geschmeckt, den ihm ein Kollege spendiert hat, der ihm an der Wagen- und Requisiten-Ausstellung über den Weg gelaufen ist. Die Ausstellung hat den Ueli zwar nicht gerade vom Hocker gerissen, aber der Kaffee, der letzteres auch nur fast geschafft hat, war den Gang ins Kleinbasel allewyl wert.

Ein Ohr voll Gugge musste am Dienstagabend natürlich auch sein. Beim Konzert auf dem Seibi kam der Ueli zwar nicht so richtig in Stimmung, er war wegen der Abertausenden von Kiebitzen viel zu weit von der Bühne entfernt. Auf einem kleinen Platz aber, wenn direkt neebn dem Ueli eine Gugge so richtig laut schränzte, konnte er schon mal ins Wippen kommen und so fleissig mitglöggeln.

Spät am Dienstagabend hat der Ueli dann noch gemacht, was bei ihm an keiner Fasnacht fehlen darf: in Ruhe über den Münsterplatz zu bummeln und Laterne um Laterne zu bewundern. Wenn er sich nur all die bissigen und witizgen Väärsli merken könnte!

Und wie hat er am Mittwoch dann das Gässle genossen. Einer der absoluten Lieblingsmomente des Ueli war, als er mit seiner Gruppe in eine menschenleere Gasse eingebogen ist und dazu der «Spalebärg» gepfiffen wurde, ein Marsch so schön, dass er Gänse-, pardon, Ueli-Haut bekam.

Der Ueli schrecht auf, weil direkt vor ihm ein kleines Heer an Strassenwischern auftaucht und ihn aus seinen Erinnerungen reisst. Er schüttelt den Kopf, wie um seine Gedanken loszuwerden und macht sich wohl oder übel auf den Heimweg. Unterwegs setzen sich auf einmal tröstende Gedanken im Ueli-Kopf fest, und er beginnt zu rechnen: nur noch 347 Tage oder 8328 Stunden oder – zugegeben, dafür hat der Ueli dann zuhause einen Taschenrechner gebraucht – 499‘680 Minuten oder 29‘980‘800 Sekunden bis zur nächsten Fasnacht…