Dr Schuss isch duss – mit Rääge Schluss

5. März 2001 | Von | Kategorie: Nachrichten

Spannungsschwer liegt die schwarze Nacht über den engen Gässlein der Innerstadt. Hinter dem Teufelhof schlängelt sich ein Baizer mit einem Handkarren durch die entgegenkommende Menschenmasse und bringt frischduftende Mehlsuppe. Am Strassenrand sind die Bâloinesen gerade damit beschäftigt, die Kerzen ihrer Laterne anzuzünden.

Allmählich kommen an der Schnabelgasse die ersten Fasnächtler aus den Beizen; noch an ihrem Morgentrunk nippend. Viele treten nervös von einem Bein aufs andere und nehmen immer wieder mal ihr Piccolo hervor, um noch rasch ein paar Töne zu pfeifen. Andere wollen nicht glauben, dass ihre Larve auch wirklich sitzt und probieren sie wieder und wieder an.

Glücklicherweise verziehen sich jetzt am Himmel allmählich die Wolken und legen Ausschnitte einer glasklaren Sternennacht frei. Überall macht sich Erleichterung breit, dass das miese Wetter der letzten Tage rechtzeitig gewichen ist. Angenehm sind auch die milden Temperaturen: Petrus scheint es gut zu meinen mit all den Schaulustigen von nah und fern, die sich trotz der unsicheren Wetterlage an den Morgenstraich wagten.

An der Ecke Schnabelgasse-Spalenberg ist das Team des Schweizer Fernsehens einsatzbereit. Am Gemsberg wird gedrängelt; jeder will sich ein möglichst gutes Plätzchen ergattern, von denen freilich nicht mehr allzuviele zu vergeben sind.

Am Morge frieh am Vieri…

In der Schnabelgasse stehen die Verschnupfte ein und zünden ihre Kopf- und Stäggeladärnli an. In der Magengrube will es nicht aufhören zu kribbeln. Jede Faser des Körpers scheint angespannt, und in den Gassen knistert es vor Spannung.

Und dann endlich: Vier Uhr. Das Licht geht aus. «Morgestraich, vorwärts, marsch!» Die Innerstadt erbebt; erleichtertes Aufatmen unter so mancher Larve. «Dr Schuss isch duss!»

Träg setzen sich die Trosse mit ihren wunderschönen Laternen in Bewegung und wälzen sich wie ein Lavastrom durch die Enge der Gassen. An den Wänden brechen die alten Rhythmen, über den Köpfen tanzen leicht die farbigen Laternchen.

Kurz nach vier Uhr schon der erste Stau in der Schnabelgasse. Vom Rümelinsplatz her drängen Cliquen Richtung Spalenberg und versuchen der entgegenkommenden Masse zu trotzen.

4.30 Uhr versucht eine Ambulanz auf dem Marktplatz durchzukommen. Zwischen den Köpfen ragt der Turm von «Tele Basel» empor; um ihn herum wogt ein herrliches Lichtermeer. Beneidenswert die 18 Schweizer Gross-ratspräsidenten- und präsidentinnen, die vom Rathaus aus diese Pracht aus bequemer Warte beobachten können… Schade aber, dass die Fassade des Rathauses ständig hell aufleuchtet— dem Blitzgewitter der leidigen Hobbyfotografen sei gedankt! Dafür scheint es für einmal mit der Schaufensterbeleuchtung geklappt zu haben: In der Grossbasler Innerstadt war es dieses Jahr erstaunlich dunkel.

«E wunderscheene Morgestraich»

Um 4.45 Uhr pausieren auf dem Andreasplatz bereits die ersten Cliquen und erwärmen sich an einem Glühwein. Andere drängen in den Roten Engel, wo man sich allerdings schon gegenseitig auf den Füssen herumtrampelt.

Auch die beiden Schiffe der Basler Personenschiffahrt an der Schifflände sind schon gestossen voll. Sowieso drängen gegen fünf Uhr alle in die Baizen, um ein Stück Ziibelewaaie oder eine heisse Mehlsuppe zu erhaschen. Wer sich dann mit vollem Bauch zurücklehnt, wird sich sagen können: «E wunderscheene Morgestraich»!