Das Wetter! So nass war der Morgestraich seit Jahren nicht mehr. Also wurde es auch ein Plastik-Morgestraich. Was irgendwie vor Nässe geschützt werden konnte, wurde mit dem durchsichtigen Material verhüllt, «mer paggen y» lautete das Motto hier.
Das Wetter es schaffte auch Platz. Kurz vor vier Uhr gelang es uns locker, von der Lyss bis zum Rümelinsplatz hinunter zu stechen, vorbei an der Spale-Clique, die am Spalenberg einstand und abmarschierte. Trotz Regen knisternde Spannung, dann Schlag vier das Licht aus, unvermittelt pfeift und ruesst die ganze Stadt. Trommel und Piccolo verdrängen das Geräusch der fallenden Regentropfen. Nass bleibt es natürlich trotzdem, und windig dazu.
Der «Morgestraich» ertönt, zuerst im Stehen, dann setzt sich das Ganze in Bewegung. Die grossen Cliquen können sich besser durchsetzen in der Druggede woher kamen denn alle diese Leute, bei diesem Sauwetter?
Am Gemsberg steht die Basler Mittwoch-Gesellschaft (BMG), sie bahnt sich den Weg in die Schnabelgasse, die Spale bewegt sich direttissima zum Märtplatz (Sujet «Mobbing», so geht’s wohl leichter*), die Sporepeter und die Aigebreedler, Pfeifer- und Tambourengruppen, müssen warten. Auf dem Märt bewegt sich ansonsten zunächst nichts. Nicht einmal der Kameramann einer Fernsehstation, den sie auf einer der beiden Telefonkabinen montiert haben. Klar, er hat ja auch keine Bewegungsfreiheit dort oben. Dann ein Ruck, die Alte Stainlemer kommen, unverkennbar mit ihren Pfunzle, die sie statt Kopfladärnli seit Jahren am Morgestraich tragen. Und erst die Ladärne des Stamm: «Männer sind Schwaine», heisst das Sujet, entsprechend sind sie auch abgebildet. Die Lumpazi Clique Alti Garde zieht vorbei, die Muggedätscher, dazwischen Schyssdräggzigli, die natürlich vom grossen Platzangebot profitieren.
In der Zwischenzeit regnet es eine gute Viertelstunde überhaupt nicht. Trotzdem ist bald die erste Pause angesagt, denn die Finger werden klamm. Als wir uns nach halb fünf Uhr die Freie Strasse hoch bewegen, sind kaum noch Fasnächtler auszumachen eine fast gespenstische Atmosphäre. In der ehemaligen Volksbank brennt Licht; dort ist in Baustellenambiente eine Fasnachtsbaiz entstanden. In der Gerbergasse scheint das «normale» Leben schon lange begonnen zu haben, denn beim grossen Schuhgeschäft brennt das Licht in sämtlichen Vitrinen. Und schliesslich machen sich die Wurstverkäufer an ihren Grills bemerkbar.
Am Barfi dann wieder Ladärne, eine nach der anderen, aber alle pausenmäsig abgestellt. Nach der ersten Mählsuppe sowie Kääs- und Zibelewaie geht’s dann aber auf die zweite Runde. Wetter hin oder her: Morgestraich ist nur einmal im Jahr.



