Nachdem schon der Montag als nahezu perfekter Fasnachtstag in die Geschichte eingehen wird, ist es in der Beurteilung direkt schwer, für den Dienstag noch eine Steigerung zu finden. Noch schöner, noch bunter, noch prächtiger – kurz: Es ist ein echtes Privileg, in Basel Fasnächtler zu sein.
Als erste profitierten die Kinder von diesem prächtigen Frühlingsnachmittag. Hunderte von kleinen Pierrots, Waggissen (oder was ist der Plural von Waggis?), Cowboys und Indianern tollten durch die Strassen und Gassen der Innerstadt – die jüngeren liessen sich in Leiterwagen und ähnlichen Gefährten kutschieren. Man merke: Der Fasnachts-Nachwuchs ist gesichert.
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Die Älteren zog es auf den Münsterplatz zur Laternenausstellung – aber die sparen wir uns für die Abendstunden auf, da Laternen halt beleuchtet viel besser wirken. Das sensationelle Wetter eignet sich dafür bestens, die immer attraktiver werdende Wagen- und Requisitenausstellung auf dem Kasernenareal zu besuchen. Man sollte dies jetzt noch tun – wer weiss, ob es nächstes Jahr nicht eine Baugenehmigung braucht mit Auflagen betreffend der WC-Anlagen…
Man hat dort prächtig Zeit, die Verse auf den Wagenwänden in Ruhe zu lesen, etwa den der Stääge-Hysler, die mit dem Sujet „Psst!“ die extrem Lärm-Empfindlichen ausmachen:
Am achti zoobe, saage d Jasser
mer dringge numme no stills Wasser
Die Klybegg Chnulleri zeigen sich bei den Sprüchen auf dem Wagen äusserst aktuell und reimen:
D Villa Rosenau hänn si ändligg abgrisse
mir wurde au s Baudep nit vermisse
Und dann war neben dem Stricken und dem Waaghof die Fusions-Initiative das Thema bei den „Wägelern“. So bei den Ammedysli:
Mr fusioniere uff dr Pfalz oder in dr Klus
wäärs doch nit besser im Affehuus
Die Buurelümmel beleuchten das Thema aus BL-Sicht und sind ziemlich wählerisch:
Ains isch glaar, mir dien nur s Grossbasel ibernnäh
s mindere Basel dien mir an Bosporus wytergäh
Einen typischen Wagenvers finden wir auf demjenigen der Pischtefäger:
Dr offe Wooghof – daas isch wohr
kunnt aim vor wie s Spaaledoor
Und dann soll noch einer sagen, die Sujets und deren Umsetzung seien dieses Jahr weichgespült. Die Schindgraabe-Clique beweist das Gegenteil mit einem äusserst düsteren Wagen, mit dem das Thema Sicherheit in Basel ausgespielt wird. Dazu liest man Sprüche, die an Sarkasmus und schwarzem Humor nichts zu wünschen übrig lassen. Etwa diesen:
Duesch ain e bizzli z fescht agaffe
hesch gly Brobleem, Mann, dä zieht d Waffe
Oder man nimmt sich einen der Zeedel, die am Wagen hängen, etwa den der Gränzgänger mit einer Wahlempfehlung:
Und à propos „Regierig wähle
Am beschte isch s, de wählsch die Gääle
Das gitt s zwoor nit – doch dasch egaal
emänd isch s jo die beschti Wahl
Der heutige Abend gehört traditionell den Guggen mit ihren Konzerten auf Barfüsser-, Markt und Claraplatz sowie den Platzkonzerten, meist verbunden mit einem Apéro für die Passiven. Aber auch an der Wagen- und Requisitenausstellung sorgten sie für Unterhaltung. Hier einige Impressionen von der Kaserne.
Die Wagencliquen machen die Ausstellung immer mehr zum Happening. Da werden Spiegeleier gebraten, Würste sowieso – und ein Schluck Weisswein oder Bier ist auch meist nicht weit. Da der Berichterstatter freundlicherweise in diese Genüsse einbezogen wurde, endet hier seine Chronistenpflicht. Me gseet sich – und sunsch bis morn an dr glyyche Stell…



