Am dritten Tag war Petrus nicht mehr so ganz bei den Fasnächtlern, was diese aber nicht gross störte. Der Vorteil: Weniger „Druggedde“ auf der Route, also schnelleres Durchkommen, und die Farben der „Goschtym“, Wagen und Laternen fielen umso mehr auf im Grau des Wetters.
Die Basler Fasnacht ist nicht nur „hailloos scheen“ und zuckersüss – Nein, auch graue und gar schwarze Töne haben Platz. Da darf einem auch durchaus mal das Lachen im Halse stecken bleiben, wenn auf originelle, aber gleichzeitig auch sehr eindringliche Art auf Missstände aufmerksam gemacht wird. Auch dies eine Funktion der Fasnacht – und nicht die Unwichtigste.
Ein Musterbeispiel für diese Art des „Närrischen“ bietet dieses Jahr die Wettstai-Clique, deren Stamm mit dem zynischen Sujet „S Glaibasel in 3D“ daherkommt. Die „3D“ meinen „Dirne, Drägg und Drogedyyler“ – und spätestens bei Lesen des Zeedels schluckt man trocken, ist der doch aus der Sicht eines osteuropäischen Opfers des organisierten Menschenhandels verfasst:
Hüt isch e guete Daag gsi, y bi zfriide
s sin vyl Freyer ze mym Geburtsdaag koo
sogar dr Olaf hets hüt vermiide
mi wie sunscht fascht bluetig z schloo“
Die Wettstai wollten aber ausdrücklich nicht nur die düsteren Seiten des Kleinbasels zeigen, sondern auch die schönen, einmaligen. Deshalb – welch ein Skandal – tanzte das Spiel der 3E mitsamt Ehrenzeichen diverse Male auch im Grossbasel. Hier ein paar Eindrücke.
Der Stamm der Gundeli packt das Thema etwas lockerer an, und reimt:
S isch glunge was e Domina
mit Männer alles mache kaa
Das Thema „Frau“ war noch im vorigen Jahrhundert auch im fasnächtlichen Sinn ein viel diskutiertes, vor allem, wenn „Frau“ Fasnacht machen wollte. Das führte vor 75 Jahren zu einer Cliquen-Spaltung und der Gründung der Abverheyte. Die sagten sich nämlich:
Mir löhn ys nit in d Pfanne haue
jetz göhmer halt ellai, mir Fraue
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Werfen wir also einen vertieften Blick in den „Zeedel-Huffe“, wobei derjenige der Lätze gleich auffällt. Er ist nämlich mit einem bunten Räpplisegen hinterlegt und zeigt ein schmusendes Paar, augenscheinlich aus den beiden Basel. Dazu sehr hintersinnig:
Vo Schönebuech bis Ammel, vom Belche bis an Rhy
dert zien e Huffe Bebbi aane, mechte aber kaini Rammel syy
Gleich als fusionierts (?) Trio kommen die Taktloose, Doopesuuger und die Alte Garde der Basler Dybli daher mit dem Sujet „Schloof, Bebbi, schloof…“ und beklagen die Intoleranz mancher Stadtbewohner:
Schloof, Bebbi, schloof,
mach s Fänschter zue zum Hof
sunscht schreit emänd als Stroof
dusse none Goof
Nicht nur Cliquen und „Wägeler“ verteilen Zeedel, auch bei vielen Guggenmusiken ist dies mittlerweile der Fall. So bei den Räpplischpalter, die sich mit der explosiven Basler Berufsfeuerwehr beschäftigen und sich fragen, wer denn noch Zündendes verdient hätte:
E Knaller baschtle mr em Morin Guy
damit är au emol kha e Knaller sy
Eher flugtechnisch ist das Sujet der Wurzle – aber nein, nicht schon wieder ein Gripen-Vers. Das Thema kommt auf diesem Zeedel zwar auch vor, doch interessanter sind die Flugstunden beim FCB. So fliegen zwar Fink und Vogel, aber:
Do khas dr Muri besser aanegriege
Will e Yak(in) kha nit fliege!
Vom normalen länglichen Format weicht derjenige der Alten Garde der CCB ab, kommt in A4 daher und auch sonst sehr originell, so etwa bei den sportlichen Nachrichten:
Der Cancellara heert me klaage
graaduus, doo hät i alli gschlaage
Und dann gibt es erfreulicherweise auch Sujets, die sich völlig abseits der ausgetrampelten Pfade bewegen. Dies meist bei jungen Garden und Binggis, so bei den Glunggi. Sie fragen „Wär zem Gugger isch dr Karl May?“ und beschreiben im Zeedel
Em Winnetou syni Abentüür
Wild Weschte typisch am Lagerfüür
Old Shatterhand und syni Kumpaane
Die Wääge ganz uss Holz und Plaane
All das het dr Karli für ys erfunde
Und z’letscht sy Glügg denn au no gfunde
Und zum Schluss sei nochmals dankbar festgehalten, dass der Weltuntergang nicht stattfand – oder wie es die Junte vo dr Alte Richtig auf ihrem Zeedel schreibt:
Das mit däm Wältuntergang isch also gar nit woor
Tjää, wär hätt das dänggt, d’Maya hänn Humoor
Den werden sich die Aktiven auch in den kommenden, leider nur noch wenigen Stunden bewahren, egal was kommt. In diesem Sinn: Zrugg uf d Gass – und e scheene Räschte!



