Dr Christo paggt y – und d Bänggler sinn derby

22. Februar 1999 | Von | Kategorie: Nachrichten

Schnitzelbängg zu beurteilen, wenn nur der Zeedel auf dem Tisch liegt, ist so eine Sache: Was sich auf dem Zeedel locker und lustig liest, muss noch lange nicht gut sein. Wenn ein gut gedrechselter Vers schlecht vorgetragen wird, ist alle Mühe umsonst. Umgekehrt kann ein versierter Schnitzelbänggler mit seinem Vortrag unscheinbare Reime zu einem tollen Erlebnis werden lassen. Oft werden die Verse mit einer gelungenen Melodie besser, auch ein Instrument kann helfen.
Manchmal ist ein Vers nur zu verstehen, wenn man auch den Helgen anschauen kann. Kurz: Wenn wir jetzt hier eine Auswahl Verse präsentieren, so mit dem Risiko, dass wir nicht immer die Besten ausgewählt haben. Immerhin geben sie eine Übersicht über die häufigsten Sujets. Papier ist im übrigen geduldig: Was da alles als Baseldytsch ausgegeben wird, ist zum Teil haarsträubend.

Die Baum-Verhüllungs-Aktion von Christo und Jeanne-Claude in Riehen hat viele inspiriert. d Fläädermyys gehen das Thema grundsätzlich an:

Was hän d’Lyt gschwärmt bi dääre Kunscht vom Christo.

Nur mir hän gstuunt und sinn persee nit druuskoo.

Mir hänn is gfroggt, isch dä Maa nymm ganz bache?

Kai Maa paggt vorhär y, wenn är e Brunz will mache!

Nicht viel von dieser Kunst verstanden haben auch d Käärnebigger:

Imene Bluemelaade kauft e Maa e Bääse,

är het die glaine Äscht und Blietezwyyg verlääse.

Doch an dr Kasse het d Verkaifere Bedängge:

Gohts esoo, Heer Christo, oder ischs zem Schängge?

Einen anderen Zusammenhang sehen die Setzlig:

Mir kemmen uus em Wiisedaal, hänn dert e Bummel gmacht.

Im Säggserdramm do hänn mer denne giigelet und glacht,

und an dr Weilstrooss maint drnoo im Tram en älteri Dame:

«Jetz mache sy bi s’Beyelers für Bebbi-Sagg Regglame!»

Ganz und gar nicht zufrieden mit Christo ist d Filzluus:

Dr Christo het mit Kinschtlerhänd

d Baim verpaggt ums Beyelergländ.

Ych zieh erscht denn vor ihm my Huet,

wenn är d Kirsi no ainzeln verpagge duet!

D Gluggersegg schliesslich meinen:

Adie Baimli, wiirsch verhillt.

Gäll diir wird e Draum erfillt.

Wiirsch duu uuspaggt, trallallallala,

legt d Frau Dreyfuess gäärn die Limpe-n-aa.

Beliebt als Sujet ist immer der FC Blöff, pardon FC Basel. Der Fäärimaa meint zu dessen Zukunft:

Uf dr Schützematte han y z’erscht der FCB

und denne han y d’Old Boys gseh

denn han y gseh – ych finds zwar fyys

dr Unterschied isch nur dr Bryys.

Auf das Sportliche gehen die Verschiffte ein. Der Vers erntete schon am Drummeli grossen Applaus:

Dr FCB

Dä will schiints per se

Nid go schutte uff d Schützematte.

S Fluetliecht isch gruusig

Nid ISO 9000

Vom Gegner gsesch numme dr Schatte.

Ai – ai – ai – ai: Mer spände e Kerze us Mariastai.

Nur so wie si spiile, die rot-blaue Runggle

Isch es besser, si schutte im Dunggle.

Und ein Nachsatz dazu:

Und wenn dr Mond uffgoot am Himmel klar und frisch,

Denn mergsch, dass das dr ainzig Liechtblick isch.

Zum selben Thema meldet sich der Singvogel:

Dasch doch kai Löösig, wies dr FCB vermuetet,

wenn me jetz nomee Lux uf d Schützematte fluetet.

Das bringt uns der Tabällespitze au nit nööcher,

he nai, im Dunggle isch doch d Träfferquote hööcher.

Und Die Unvolländete:

Si hän im Stadion uf dr Schütze Lämpe griegt,

Well fir dr FCB s vorhande Liecht nit gniegt.

Wenn die dert schutte, wird me mergge noodisno:

Do häts jo gopferdeggel au e Kerze do!

Problemforschung hinsichtlich FCB-Zukunft betreibt auch d Filzluus, angesprochen ist der mentale Bereich:

Bald scho kasch dr FCB

uff dr Schützematte schutte gseh.

D Matte hän sy allem aa,

jetz mien sy nur no Schütze ha!

Zum angeblichen Justizskandal beider Basel haben sich D Käärnebigger etwas einfallen lassen:

D Graziella findet d Gfängniszälle z Höllschte

vo allne Zälle wyt und brait am allertöllschte.

Jetz mecht sy alli Baselbieter Zälle teschte,

und pletzlig gfallt ere die z Ramlinsburg am beschte.

Was ist überhaupt eine V-Frau? Dazu lassen sich d Gluggersegg vernehmen:

Die Baselbieter Richter, die wisse gnau wie s goot.

By dääne hesch als Dealer und Gängschter gaar kai Broot.

Si stelle diir e Falle und mach di zer Sau

und schryybe well si s besser wisse Frau mit eme V.

Auch das Passe-vite hat es mit den Wanzen:

Ai Wanze längt am lätze Buuse,

scho gheie z Lieschtel Richter uuse.

Au z Basel griege d Staatsawält

scho hitte – vo de Schabe s Gäld.

Sujet- und Pointenlieferanten sind stets auch die Regierungsmitglieder, allen voran Hans Martin Tschudi. Gute Reise wünscht ihm d Striggedde, die 20 Jahre Bänggle feiert:

Die Yankee iberdriibe, die hän fascht e bitz e Knall!

Jetz leen die doch dä Glenn mit säggsesiebzig no ins All!

Dr Tschudi däte mir au scho mit fuffzig fliege loo!

(Aer miesst ys nur verspräche no, ass är denn nimm wurd aabe koo!)

Gleich drei Regierer aufs Korn nehmen Betty & Bossi:

Zwai Regierigsreet sin nimm so zwääg wie ainscht im Mai,

dr Cornaz het Schwirigkaite mit eme Bai,

und dr Tschudi hinggt au ummenander ganz blaich,

dä isch ins Fettnäpfli drampt bim ene Schildburgerstraich.

Das Gratz-Bürschtli zu den beiden Sorgenkindern:

56 Stimme, dasch kai Presänt,

glych Regierigs-Presidänt.

Dr Groossroot duet kaim andre wähle,

no machts jo nüt, wenn Stimme fähle.

No schlimmer isch dr Cornaz dra,

dä het numme 53 gha.

Ass dä no uff dr Foti lacht,

dä muess ain ha, wo d Arbet macht.

Die Spitalpolitik gibt dem Zahnstocher zu denken:

Kunsch hütt in Spittel, driffsch dr Doggter grad bim Straigg a,

e Bett griegsch numme, wenn grad aine hai kaa,

und bruuchsch e Lindeblietetee zum s Fieber sängge,

het d Ultra-Schallere bim hooche Bryys bedängge!

Der Banggomat hat Ralph Lewin im Visier:

Die beriehmte drei Affe hänn jo zem Zyyl,

me heert nyt, me gseht nyt, me redet nit vyyl!

Das isch vom Ralph Lewin s’Politicum!

Mir hänn denn au uusegfunde, worum:

Dä isch sehr belääse – er list grad im Wahn

S Karl-May-Buech – vom wilde Kurdistan!

Schliesslich der Hanslimaa zum Polizeidepartement:

Letscht Joor het dr Schild jo allem aa,

e saggstargg Beamtefluugjoor ghaa.

Zem Fabbri sait er: «Y schigg di jetz hai,

du wirsch mer soo fääle, mein Derrick good-bye!»

Zu einem anderen Aspekt im PMD macht sich d Filzluus Gedanken:

Dä Maa mit Bämsel stoht verlääge

im Spiegelhof zmitts uff dr Stääge.

S haisst nämmlig bi dr Bolizey:

S wird gly e Stell fir e MOHLER frey!

Von der nationalen Ebene sind die Bundesratsersatzwahl und die Mitglieder unserer Landesregierung, allen voran Ruth Dreifuss, in den Versen stark vertreten – man will ja auch vom Schweizer Fernsehen berücksichtigt werden!

Aber es hat ein paar gute, zum Beispiel vom Peperoni:

S’Ruth, unseri heggschti Frau im Land,

fägt mit de Langlaufstägge in der Hand,

s’Goms durab im Skaiting-Stiil – do kan y numme saage:

«Bärn losst waiss Gott nit unversuecht, um im Wallis d’Wölf z’verjaage…»

No däm Ysatz bi de wilde Wölf,

sait dief beyydruggt unsere Dölf,

zem Dreifuss Ruth: «Du Ruthli loos, was y no ha welle saage,

au z’Basel wäären e Baar froo, wenn de wurdsch e Bäär verjaage…»

Mit einigen gelungenen Versen fällt der Fäärimaa auf. Er besingt unter anderem unsere Chemie und einen amerikanischen Superstar:

In dr Birs, ych ha’s no nie erläbt

hän sie d’Fisch mit Lyym ans Wasser kläbt

und by dr CIBA hett d’Hoffnig scho afo kyyme

me kennt dr Schmätterling au an d’Clariant lyyme.

40 Joor Michael Jackson, blaich und hager

so fyyrt sich das menschlig Ersatzdaillager

doch mergsch an sym besorgte Bligg, däm trischte

s gyt immer wie längeri Lieferfrischte.

Vom Banggomat noch etwas über das Wallis:

Me suecht uffem Simplon, so hänn sy brichtet

e Wolf, wo jungi Scheefli richtet!

Kaim Jääger ischer vor d’Flinte gloffe,

mitem Jeep hetten schliesslig aine droffe!

Jetzt bruuchte doch die Walliser Naarre

e Waffeschyyn – zem Autifahre!

Etliche der Comité-Bänggler wagen sich auch an internationale Themen, zum Beispiel an die Wunderpille Viagra. Der Pierrot meint:

Mi Frau hett e Schlagrahm haime gnoh,

und bim schloo Problem bikoo,

si hett denn aber d’Leesig kaa,

und schiesst aifach e Viagra dra.

Ganz schön unter die Räder gerät Bischof Haas bei den Penetrante. Ganz jugendfrei ist das nicht:

Mir hänn dr Haas im Kloschter bsuecht bi syyne Nonne;

Äär wieg dangg Xenical, jetz nur no knapp zwai Tonne.

Und vor dr Friemäss nimmt äär zwai Viagra, in der Not,

damit doch wenigschtens no aine zuenem schtoot.

Einen wirtschaftlichen Aspekt hat bei diesem Thema die Gasladärne gefunden:

Mir hänn e so e blaui Aktie welle kaufe,

und hänn drum d Swisscom gfroggt eb doo nyt schief ka laufe.

Well si so blau wie die Potänztablette syyge,

kenn me fascht sicher sy, ass si au sofort styyge.

Bereits 30 Jahre im Schnitzelbank-Geschäft sind die Stächmugge – herzlichen Glückwunsch. Von den Christo-Bäumen liessen sie sich wie folgt inspirieren:

D Riechemer blooge hitte no Draim

Wäge däänen yygschnierte Pariser iber de Baim!

S gäbt au e kummligi Homedress-Hille – und alles wär scho paletti.

Modisch gschniert – sittlig suuber verpaggt, wäär drin au d Nella Martinetti!

Zu den wichtigen Dingen, die sich in Bundes-Bern so abspielen, gibts folgenden Vers:

D Schwyz het er bsuecht – dr Joschka Fischer!

S Ruthli Dreyfuess rieft: «Et voilà, do ischer!»

Si isch ganz erreggt und drillt nervees an iire dunggle Logge.

Und froggt: «Joschka, quel Deux-Pièce soll i nää – zum mit dir go tschogge?»

Uff, das wär’s für’s erste! Für eine Beurteilung ist es noch zu früh – diese steht in der morgigen Ausgabe, wenn wir die Schnitzelbänggler live gehört haben.