Die Prachtsladärne funggle wie d Stärne

6. März 2001 | Von | Kategorie: Nachrichten

Prächtig, das Farbenmeer zwischen den alten Mauern des Münsterplatzes. Die Laternenausstellung ist wieder einmal die reinste Augenweide!

Hat man den Münsterberg erklommen, empfängt einen sogleich die eindrückliche Stammlaterne der Spale-Clique: Eine riesige Sonnenblume mit aufgesetzter Gasmaske blickt den Betrachter unverhohlen an. Schon ein wenig schizophren, dass die Clique trotz Räppli-Peace überhaupt an die Fasnacht geht…

Ein paar Laternen weiter lächeln Regierungsrat Ralph Lewin und Samuel Hess von der Laterne der Spinner-Clique. «Tigg im Taggt, no hesch kai Stress», rät Lewin auf eine grosse Uhr zeigend dem Leiter des Stadtmarketing. Tickt Basel wirklich anders? «Basst me sich aa an d EU-Zigge – kaa Basel gly nimm anderscht tigge…», meint dazu der Stamm der Junteressli. Vor lauter Anpasserei ist ihr buntes Aufzieh-Chamäleon bereits von der Stange gekippt.

Auch der Kampfhund wurde auf manchen Laternen prächtig ausgespielt. Verdattert sitzt das Hundetier des Stamms der Vereinigten Kleinbasler vor seiner Hütte. Drinnen lauern die blutrünstigen Bestien. Und die Alte Garde des Barbara-Clubs fragt: «Isch denn wirgglig jeede Kööter uffsmol e potenzielle Kindertööter». Die Bestie auf deren Laterne blickt allerdings nicht gerade freundlich drein, sitzt aber glücklicherweise hinter dicken Gittern.

Furchteinflössend auch der unendlich lange Kampfdackel des Stammvereins der Rätz-Clique: «Kai Angscht – är wott numme spiile!» Ja, ja. Das kennen wir! Zum Glück scheinen seine Glieder von der Kälte zur Zeit steifgefroren, denn das Tierchen frisst lieber Maitlibai als Faschtewaije und hat erst noch BSE!

À propos Kampfhunde: Hoffentlich kommt es nie zur Horrorvision des Stamms der Wettstai-Clique: «Wenn Kampfhind und Neonazi sich paare, denn verregt d’ Humanität in Schaare». In Anspielung auf die diesjährige 1. August-Feier auf dem Rütli prangt auf der Laternenrückseite eindrücklich eine riesige Glatze mit einrasiertem Hakenkreuz.

Auch der Stamm der Muggedätscher hat sich dem Sujet angenommen: Auf ihrer wunderschön gemalten Laterne ist gerade ein junger Schweizer dabei, die Westschweiz zu zertrümmern. Auch er wird wohl am 1. August rechts vom Rütli gestanden haben . . . Genauso ungern würde man die Fasnacht wohl mit dem grimmig dreinblickenden Revolverhelden auf der Stammlaterne der Basler Rolli verbringen wollen. Nicht minder martialisch der Rambo mit Sturmgewehr aus dem ehemaligen Ostblock, der über lecken Plutoniumfässern steht. Hinten werden Waffen geschoben; von Bagdad über Kabul zu Slobodan Milosevic.

Eindrucksvoll und zugleich abstossend auch die Szenerie, die die Pfälzler auf ihre Leinwand gebannt haben: Blutüberströmt liegt eine Robbe neben einem krepierenden Delphin; dahinter wird gerade einem Affen zu Versuchszwecken das Gehirn durchbohrt. Allerdings scheint der Mensch, der das grausige Werk vollbringt, nicht viel freier zu sein: Sein Kopf hängt an einer fixen Elektrode. «Ecce homo.» Das ist also die Spezie Mensch? Schwer am Tüfteln ist auch der gedankenversunkene Forscher auf der Stammlaterne der Pfluderi. Sein Problem: die DNA. «Si hän entschlüsslet, dr genetisch Code. Nur bruche si jetzt no Eine won-en verstoht», dichtet die Clique etwas holperig. Lediglich in Grüntönen gehalten, ist ihre Laterne dafür umso eindrücklicher gemalt.

Ins Auge springt auch die originelle Form der Laterne der Jungen des Barbara-Clubs 1902: ein grosser Kürbis, auf dem grausig gefeiert wird. «Servus HalloWien!» Nichts mehr zu feiern hat hingegen das Baby auf der Laterne der Gundeli Gniesser. Ihm wird, auf einer Englandfahne liegend, das Frühenglisch schon mit dem Nuggi verabreicht.

Hoffentlich hat der Stamm der Sans-Gêne den anderen Cliquen nicht tatsächlich etwas voraus. Ihre Laterne, ein riesiges ISO 2001-Zertifikat, wurde nämlich vom «Verein für Qualität an der Fasnacht» akkreditiert. Wäre doch zu schade, wenn die überwältigende Kreativität, die man gestern Abend einmal mehr zu Augen bekam, in ein Korsett gezwängt würde!