Die Kinder bringen die Sonne zum Lachen

3. März 2009 | Von | Kategorie: Nachrichten

Aus mit Dauernieselregen, dafür ein paar Sonnenstrahlen: Die Kinder wissen es mit prächtigen Ziigli und Wääge zu danken.

Basels Kinder müssen halt doch mit Petrus einen Pakt geschlossen haben. Denn just auf den Beginn der Kinderfasnacht hin hat sichs ausgeregnet. Der lange Kindernachmittag kann also bei trockener Witterung übers Pflaster der Innerstadt gehen und rollen – mit Wagen und Leiterwäägeli jeglicher Bauart.

Schon um halb zwei Uhr herrscht auf dem Seibi buntes Treiben. Für den Wagen mit dem Sujet «z Basel qualmts», dessen Dach ein Zigaretten-Päckli ist, ist das Durchkommen bereits jetzt erschwert. Den vier kleinen Waggis aber qualmts überhaupt nicht, mit Feuereifer werfen sie grosszügig mit Räppli um sich.

Die Gschüttlete – offensichtlich ein typisches Familieziigli, feiern ihr 20-jähriges Bestehen. Den Vortrab bilden die Erwachsenen, zwei Kinder – ein Tambour und eine Pfeiferin – «gnepfle» und «liftele» den «Arabi», und den Abschluss bildet ein vornehmer Wiege-Wagen, in dem stolz die kleine Prinzessin thront. Quer über den Platz «geflogen» kommen in einem fahrbaren Nest drei Raben mit feuerroten Schnäbeln, und ihnen nach vier Rhyspatze. Sie alle verteilen grosszügig Dääfi, Schläggstängel und andere Süssigkeiten. Selbst eine ganze Königsfamilie hält Hof, zwar alle Häupter gekrönt, doch die Eltern geben den Nachwuchsfasnächtlern ein schlechtes Beispiel: sie sind unmaskiert.

Vielfalt der Kostüme

Wir wechseln rüber in die Freie Strasse, wo der obligate Stau bereits eingetreten ist. Kunststück, es ist quasi die Paradestrecke für die unzähligen Gefährte, in und auf denen die kleinen Fasnächtlerinnen und Fasnächtler intrigieren und ihre Bhaltis an das dichtgedrängte Publikum am Strassenrand verteilen. Die Vielfalt der Kostüme ist unüberschaubar. Von den klassischen Figuren Alti Dante, Waggis, Ueli, Bajass bis Pierrot und Dummbeeter, über Peter Pan, Leu, Eisbären, Prinzessinnen bis hin zu Hexen, Zauberer oder Marienkäferchen ist schlicht alles zu bestaunen.

Und ganz erstaunlich: Die Kinder auf den Wagen haben ein Herz für jene am Strassenrand, von denen sie bewundert werden. Jedenfalls kann sich die kleine Chiara, die ich auf den Armen trage, kaum der Bonbons und Lollipops erwehren, die ihr in die kleinen Patschhändchen gedrückt werden. «Merci bien!» sagt die Kleine jedesmal artig, mit dem Erfolg, dass sie gleich Nachschub erhält und als Folge Grosspapis Säcke überquellen. Und wie ein kleiner Waggis mit Riesenperücke sie vom Wagen herunter mit einer Ladung Räppli eindecken will, wird er von seinem elsass-stämmigen Nachbarn geschubst: «Nai, das isch doch e Kind» – und ich bekomme die ganze Ladung ab.

Eine endlose Parade

In der nicht enden wollenden Parade der Familienziigli und Wääge fallen uns einige besonders auf. Zum Beispiel die komplette Globi-Familie, dann die Rhyhafe Binggis 1990, die einem Ysebähnli ähnlich gleich in vier Wägelchen anrollen. Im ersten sitzen Sissino, Chiara, Peppino, Maurizio, im zweiten Carina, Nina, Nico, Noah und Sydy, im dritten Daniel, Sara, Simon und im letzten unter anderen Melvin und Mischa. Zumindest einige der Namen, mit denen die kleinen Fasnächtler ihre Zeichnungen auf den Wägelchen mit wackliger Schrift eigenhändig signiert haben, lassen erahnen: An der Fasnacht ist Integration kein Fremdwort und wird gelebt. Toll!

Auf dem Heimweg begegnet uns schliesslich eine imposante Affenfamilie. Quasi als Zugaffen voran acht erwachsene Schimpansen, im ersten Wagen zehn junge Affen, im zweiten deren acht weitere, und die Nachhut bilden noch einmal sechs erwachsene Affentiere. Auf einem Schild lesen wir: «Alli Affe gaffe». Das sind und tun wir doch gerne an diesem herrlichen Kinder-Zyschtig, an dem den Kindern sogar die Sonne lacht.