Die grooss Gala vo Gala vo Gugge het s Publikum loo zugge

27. Februar 1996 | Von | Kategorie: Nachrichten

Der Kantonsbaumeister sieht es mit gemischten Gefühlen: die Pfeiler der ehrwürdigen Mittleren Brücke scheinen zu wackeln, wie der guinessbuchverdächtige Corso der gut 25 IG- und FG-Guggen von der Messe Basel her über den Bach Richtung Grossbasler Innerstadt zieht.

In den beiden Freiluftarenen Märtplatz (hier haben die Gugge der «Freyi Guggemuusige» FG ihr Galakonzert) und Seibi (Auftrittsort der «Interessengemeinschaft fasnächtlicher Gugge-Musiken» IG) wartet derweil das Publikum zu Tausenden auf die «schrägen» Musikanten.

Der Gugge-Corso lässt das Rathaus in seinen Grundfesten erzittern und zieht vorbei bis zur Hauptpost, wo sich die FG- und IG-Guggen trennen. Kurz vor acht Uhr gehört die Bühne auf dem Märtplatz der Stenzer-Gugge, unter viel Applaus den gut zweistündigen Gugge-Marathon eröffnet. Zehn Minuten darf sich jede Gugge produzieren, was meist zu drei «Kompositionen» reicht. Die Ventilatore haben die Nummer 2 (nein, nicht auf dem Rücken), und nach ihnen betreten absolut «leuenstark» (herrliches Outfit) die Schänzli-Fäger und Schränzharmoniker das Podium, bevor die 40 Jahre alten Gugge-Mysli das Publikum ein erstes Mal so richtig aus dem Häuschen schränzen.

Szenenwechsel: Während die halbe Fasnächtlerwelt auf den beiden Konzertplätzen schunkelt und schaukelt und die andere Hälfte fernab vom Innerstadtzentrum dem Gässle frönt, kommt man zu dieser Zeit gut durch die Gerbergasse und Falknerstrasse zum Seibi. Soeben hat die Mohrekopf die Bühne bei der Klagemauer eingenommen. Zuvor ist aber den ihr 60-Jahr-Jubiläum feiernden Orginal-Chnulleri die Ehre zugefallen, den Auftakt zum IG-Konzert zu machen. Sie liessen sich Zeit, begannen zwar etwas lau (ja, das Alter…), doch dann überlassen sie die Fans mit «I had a dream» schönsten Guggeträumen. Nach ihnen schränzten als stark applaudierte FG-Gastformation die Ueli-Schränzer und die in schönstem Goldlametta glänzenden Messingkäfer, die ihrerseits nur eine Stunde später Gast auf dem Märtplatz sind: eine gegenseitige kameradschaftliche Ehrerbietung der beiden Guggenvereinigungen. Jetzt beweisen die Pumperniggel, dass sie sich an der «Stubete» im Neuen Tabourettli bestens für die Fasnacht eingeschränzt haben. Die Dalbaneese und die Schränz-Gritte (mit überdimensionalen, an die Larven gebundenen orange-schwarzen Ballonen) bereiten mit ihren kakophonisch exzellenten Auftritten den Bühnenboden für einen der Höhepunkte vor: die Negro-Rhygass, die 60 Mann stark jede Guggenseele zum Kochen bringt.

Zurück zum Märtplatz: Auch hier schlägt jetzt jedes Gugge-Herz doppelt so viele Takte wie üblich. Die Gaschtro-Noome (altbewährt), die Krach-Schnygge und die Räpplischpalter heizen dem Publikum gehörig ein. Die Sonate-Schlyffer, die Altstadtschränzer, die Grachsymphoniker und die Glaibasler Schränzbrieder (sie haben in ihren Reihen zahlreiche «Schwestern») stehen ihnen in nichts nach.

Gleichzeitig haben es auf dem Seibi die Stachelbeeri nach dem grandiosen Negro-Auftritt nicht leicht, lösen die musikalische Aufgabe aber gut. Sie überlassen die Bretter, die die Gugge-Welt bedeuten, den «vereinigten» Seibi-Schränzer und Sumpf, die beide 1949 gegründet worden sind. Nach ihnen stellen die Rätsch-Beeri ihre Frau sie sind die einzige reine Frauen-Gugge. Den vielumjubelten Abschluss machen die Baggemugge, deren Kostprobe davon, was von ihnen im nächsten Jahr anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums zu erwarten ist, ganz nach dem Gusto der Tausenden von Gugge-Fans ist.

Nach einem samba-rag-techno-Sprint erlebt man am FG-Konzert gerade noch die Fasadeschränzerdie als letzte Gugge ihrem Namen alle Ehre antun und die Fassaden rund ums Härz vo Basel erbeben lassen. Die «Gugge» (zu gut Deutsch: Tüte) ist damit aber noch nicht voll. Die keinem Gugge-Dachverband angehörenden Barbarossa Binggis und Schlurfer, die Claraschnoogge und Schlangefänger, schliessen sich mit den schon bestens eingespielten Dalbaneese, Grachsymphoniker und Gaschtro-Noome zusammen und geben – wiederum auf dem Märtplatz gut 200 Mann (und Frau?) stark ein Mitternachtskonzert. Guet Nacht!