Die Fasnachtsdroge wirkt

13. Februar 2008 | Von | Kategorie: Nachrichten

Eine der ersten grossen Formationen ist die Alti Richtig. Sie kommt als komplette Clique, alle Sektionen zusammen, und überdies furchtbar fasnächtlich, und mit Papa Frutzi (Berger) als Tambourmajor. Ganz gewaltig die Alti Stainlemer mit ihrem Superzug betreffend die Polit-Psychosekte. Wir müssen es nochmals sagen: S Maximum!

Eine Augenweide dann die Basler Bebbi mit ihrem Sujet «Alles Arschlöcher!». Bildlich ganz einfach umgesetzt: Der Zug erscheint in schwarzen, roten, schwarz-weiss gestreiften Gewändern, auf den Köpfen sitzt ein nackter Po und in den Himmel ragen die dazu gehörenden Maitlibai. Philosophiert wird selbstverständlich über das Thema Loch – grossartig.

Völlig durchgeknallt die Seibi-Clique, total zugedröhnt von der Droge Fasnacht, kein Wunder nach 75 Jahren Dabeisein … Der ganze Zug erscheint in Weiss, was die Drogen ausmachen, sieht man an Auswüchsen auf dem Kopf. Ein Ohrenschmaus auch das Spiel. Getrommelt wird übrigens (nicht nur bei der Seibi, bei vielen anderen auch) auf Kalbfell, was viel besser tönt als mit dem Plastikfell, mit dem die Trommel bei Regenwetter bespannt würde.

Der Kontrast zur Seibi-Clique folgt alsbald mit den Rootsheere – sie sind schwarz gekleidet, sie sehen schwarz, es geht dabei um das Gedankengut. Pfeifer und Tambouren tragen einen Paragraphen auf dem Kopf, sie sind Gesetzesvollstrecker, der Tambourmajor das Hirni, das die Gesetze ausdenkt. Man wird nachdenklich.

Mit dem Kommerz und seinen Auswüchsen haben es D Muggedätscher. Die Pfeifer kämpfen dafür, dass die Ostereier schon am Heiligen Abend auf dem Tisch liegen – darum marschieren sie in einem «Kämpfer» (Kampfanzug der Armee, der Setzer), aus dem Helm lugen Osterhasenohren. Die Tambouren tragen ebenfalls den Kämpfer, aber Santiglaus-Gesichter: Sie sorgen dafür, dass Ostern den Weihnachtsumsatz nicht schwächt, und sie wollen die Grättimänner im Sommer im Gartenbad verteilen. Der Tambourmajor schliesslich ist eine Art Fabelwesen oder Kreuzung zwischen Armee, Steinbock und Adler, er soll der Kommerz-Deifel sein.

Der Zufall will es, dass ausgerechnet dann, als der Dupf-Club mit seinem «My Frau – my Gryz»-Strassentheater erscheint, die Costumefratze auf der anderen Seite entgegen kommen mit dem Sujet «Fraue uff s Rütli!»

Stark die Wiehlmys, die sich wie einige andere auch mit den Lärmsorgen der Basler auseinander setzen. «Vyyl Lärm um nyt» lautet das Sujet, die Pfeifer kommen chinesisch, die Tambouren schottisch, da geht es um die Lärmquelle Tattoo. Und dazwischen läuft als Tambourmajor der Nachtwächter, der für Ruhe sorgt, eine gefürchige Gestalt. Einen auf Russisch machen die Aagfrässene, ebenso die Alte Garde der Märtplatz-Clique.

Der Cortège, den wir am Steinenberg verfolgen, läuft lange gut, doch plötzlich gibt es Ausfälle und grosse Lücken, bis zu zwanzig Minuten lang keine Einheit auf der inneren Route, dann wieder Pause auf der äusseren. Das gibt Gelegenheit, zum Beispiel Wagenversli genauer anzuschauen. Gesehen haben wir den:
My Zahnarzt maint mit roote Ohre,
Y mach zerscht e Probebohre.

Und die Gugge Pumperniggel klärt uns über den tieferen Sinn des legendären Fuss-ball-Schlachtlieds des FC Liverpool auf: «You’ll never walk alone» heisst auf Deutsch ganz einfach «Alles glatti Sieche».

Im Grossaufgebot rollt die Gundeli an, die ganze Clique, mit Jungen und Alten, hat ein einziges Sujet, das «Pfundelipfasnachtspfingschtlager» oder kurz «Pfupfila» oder noch einfacher FALA 08. Alles Pfadi und Wölfli, eine Pracht.

Ebenso einheitlich die Spezi-Clique: «Aifach nur Fasnacht» wird dort gemacht, von den Jüngsten bis zu den Ältesten, dazu machen die beiden Guggen Bloosbrieder und Ohregribler, die Chaise D’Fotzeldorli und der Bangg Dr Supperbebbi mit. Ein unheimlich langer Zug in schwarz und weiss, wunderschön.

Für Furore schliesslich sorgt die Rätz-Clique, welche das Thema Fasnachtsbaizen aufgreift mit dem Sujet «Ab in Undergrund». Sie hat ja ihre Stammbaiz verloren und sucht nun nach etwas Neuem, nach einer Heimat unter dem Boden. Vortrab und Spiel zeigen eine Symbiose von Maulwurf- und Bergmann-Kultur, es sind Bergleute mit Maulwurf-Köpfen, ferner ausgerüstet mit Grubenlampe und so weiter. Wir wünschen viel Erfolg bei der Suche!