Die Mittlere Brücke erbebt ihn ihren Grundfesten – Kunststück, der Sternmarsch der FG-Gugge und Gugge-IG, an der Spitze die ihren 50. Geburtstag feiernden Schränz-Gritte (IG), ist im Gang. Begonnen hat er auf dem Messeplatz, ging vorbei am Claraplatz, wo um 20 Uhr das 20. Gugge-Monschter der «wilden» Gugge beginnt, und endet im Grossbasel.
Die IG schränzt auf der Klagemauer auf dem Seibi, während die FG aus Tradition auf der Terrasse der Brasserie Baselstab auf dem Märt konzertiert. Kopf an Kopf steht das Publikum, fast wie zu Meisterzeiten des FCB, als die Gugge-Mysli zehn vor acht Uhr losschränzen. Zuerst ein wenig verhalten, aber wie sie in ihrem typischen Sound «John Brown’s Baby» schmettern, brandet erstmals begeisterter Applaus auf. Die nächste der insgesamt 15 FG-Guggen sind die Ventilatore. Denjenigen, den sie als Kopfschmuck tragen, könnte mancher brauchen, um das erhitzte Guggengemüt zu kühlen…
Zur selben Zeit eröffnen auf dem Claraplatz die Gasse-Jätter das
«Clara-Monschter» – mit «Over The Rainbow» und «Mambo» haben sie das Publikum gleich im Griff. Nicht selbstverständlich, hatte es vor drei Jahren doch danach ausgesehen, dass das Clara-Gugge-Konzärt sterben müsste.
Mit nahtlosen Übergängen reihen sich vis-à-vis der Clarakirche insgesamt 14 freie Guggen ein, und halten den Zeitplan bis zuletzt fast minutiös ein. So auch die Claraschnoogge, die mit ihrer starken Bläsersektion fast schon Big-Band-Charakter haben. Windböen kommen auf – leider nicht der einzige Grund, warum die Quartier-Deppe und Schwellehüpfer (auch deutlich minder zahlreich aufmarschiert als die Vorgänger) etwas saft- und kraftlos klingen.
Auf dem Barfi haben derweil die Stachelbeeri und die FG-Gastgugge Träne-Furzer vor ebenfalls Tausenden Kiebitzen ihren Auftritt hinter sich. Die Bühne gehört den jubilierenden Schränz-Gritte. Sie werden von der IG mit einer riesigen Geburtstagstorte beschenkt und können so voller Saft und Kraft schränzen, was das Zeug hält. Nach ihnen beweisen die 20-jährigen Rätschbeeri, dass sie durchaus ihre Gugge-Frau zu stellen wissen.
Dann wieder ein Spurt zum Märt, wo nach der grimmig schwarzen Chaote-Gugge und den bordeaux-roten Räpplischpalter sowie den mehrfarbigen Rhyschwalbe die Grachsymphoniker mit mächtigen weissen Perücken und ebenso starkem Sound die Guggen-Fans begeistern. Die vornehm gekleidete Stenzer-Gugge (nomen est omen), die Altstadtschränzer, Uelischränzer und Krach-Schnygge stehen ihren Vorgängern auf dem Podest in nichts nach.
Im Kleinbasel haben die Glopfgaischter das Publikum wieder «geweckt» – es wird geschunkelt, im Takt geklatscht. Es tröpfelt. Die Zwärgli der Horburgschlurbi versuchen mit ihren wilden Tänzen den drohenden Regen zu vertreiben. Vorderhand klappt ihr Unterfangen.
Der Seibi hat uns wieder – und wie: Schlicht hingerissen von den Auftritten der Pumperniggel, (herrliches «Lucille» und «Babylon») der 64-jährigen Orginal-Chnulleri, der circensisch-clownesken Negro-Rhygass und der 1947 gegründeten Baggemugge. Auf dem Märt haben derweil noch einmal die Schränz-Gritte (als Gast der FG), die Schänzli-Fäger (sie haben am Nachmittag schon beim Kinder-Charivari-Zug «trainiert»), die Schränzharmoniker und Sonate-Schlyffer das Rathaus erzittern lassen.
Mittlerweile sind die Fährischiffli als violette Zauberer auf dem Claraplatz aufmarschiert – und spielen im Wasser auf. Gegen den Regen hilft kein «O la Paloma». Der Platz leert sich etwas. Die Grunz Gaischter, Rhy-Pirate und Note-Akrobate (schade um die wunderschönen Kostüme) lassen einen für Minuten nochmals die nassen Kleider vergessen.
Das letzte – prominente – Trio auf dem Seibi sind die gleichnamigen Schränzer, die Messing-Käfer und die Gugge Mohrekopf. Auf dem Märt sind noch die schrägen Töne der Gaschtro-Noome und der Fasade-Schränzer (sie fägen zum Glück schneller, als sie das Internet bedienen…) zu hören.
Am längsten jedoch dauert das Konzert auf dem Claraplatz – erst nach elf Uhr betreten die Märtfraueli (sie haben den Auftrittsplatz von den pausierenden Null-31 «geerbt») die Bühne. Und sie können die Stimmung aufrecht erhalten, welche die Ventil-Deifel, Birsblootere und Chaote provoziert haben. Bis auf die Knochen nass, schunkelt man im Kleinbasel noch ein letztes Mal zu den schrägen Tönen.



