Was eine Guggemusig am Morgestraich nicht kann, weil ja der Fasnachtsauftakt ohne die Falschspiel-Orchester stattfindet, holt sie am Zyschtig nach, und wie! An den verschiedenen Konzerten in der Fasnachtszone wird das Beste aus dem Repertoire ausgepackt respektive geblasen. Natürlich machen nicht alle mit:66 sind beim Comité angemeldet und deshalb im Rädäbäng aufgeführt, es gibt aber noch ein paar weitere wie die Schotte-Clique, die findet, dass sie auch ohne das Comité Fasnacht machen kann. Die Schotte laufen dieses Jahr mit rund 70 Musikanten – sie haben sich verstärkt mit einem guten Dutzend Dudelsack-Bläsern der Scots and Pipes, die sonst an anderen Anlässen anzutreffen sind.
Am frühen Abend, so gegen sieben Uhr, lancierten die beiden Guggemuusig-Vereinigungen IG(Interessengemeinschaft Guggenmuusigen) und FG (Freyi Guggemuusige, Basel) das Spektakel – man traf sich auf dem Messeplatz. Die 27 Guggen mit ihren rund 800 Aktiv-Mitgliedern formierten sich dort und marschierten, eine nach der anderen, via Clarastrasse, Greifengasse, Mittlere Brücke, Eisengasse und Marktplatz in die Freie Strasse, wo sich die Wege bei der Hauptpost trennten:Die IG-Musiker zogen weiter zum Barfüsserplatz, wo die Bühne vor dem Historischen Museum aufgebaut war. Die FG-Guggen drehten zum Marktplatz ab und bestritten ihr Konzert vor dem ehemaligen «Baselstab».
Während die Schränz-Orchester die Innerstadt bis gegen halb elf Uhr besetzten, hielten sich die übrigen Aktiv-Fasnächtler wie immer aus diesem Bereich heraus – so will es die vor vielen Jahren getroffene Abmachung zwischen Cliquen und Guggemuusigen, welche besagt, dass die Guggemuusige am Morgestraich nicht teilnehmen und dafür am Dienstagabend «zur besten Sendezeit» wirken dürfen.
Die Gugge-Vereinigungen pflegen freundschaftliche Beziehungen zu einander, was unter anderem darin zum Ausdruck kommt, dass jeweils eine Gast-Gugge bei der anderen Vereinigungen mitmusizieren darf.
Auf dem Seibi eröffneten die Messingkäfer den Reigen der IG-Guggen – und das gleich unter erschwerten bedingungen. Regen prasselte hernieder – dagegen hatte sich die Gugge mit allerlei Plastik gewappnet, doch der urplötzlich aufkommende Wind machte mit heftigen Böen den Musikanten (und dem Publikum – die Schirme flogen weg!) arg zu schaffen. Gleichwohl wurde ein schönes «Country Rose» intoniert. Als Gast-Gugge der FG präsentierten sich darauf die Gaschtro-Noome, schöne Hexen, hauptsächlich in Orange und Brauntönen. «La Paloma» ertönte, und das immer wieder schöne ABBA-Lied «Y had a dream», das später auch von den Schränz-Gritte dargeboten wurde. Die Dalbaneese, schöne graue Clochards, servierten unter anderem «ZBasel uff dr Brugg», die Stachelbeeri «John Browns Baby».
Höhepunkte boten die Mohrekopf (auch wegen des traditionellen Mohre-Goschdym, der Guggemajor als Sammy Davis junior im weissen Frack), unter anderem mit «Butterfly». Das Publikum war nun endgültig geweckt und genoss, dies trotz zwischenzeitlichen Regengüssen, weitere Highlights mit der Negro-Rhygass (die gar Zugaben spielen musste), mit den Orginal Chnulleri und der einzigen reinen Frauengugge der IG, den wunderschön blau gewandeten Rätsch-Beeri. Besonders eingänglich «Die kleine Kneipe» von Peter Alexander – das Publikum wippte gutgelaunt mit. Die Seibi-Schränzer, die Pumperniggel und die Baggemugge beschlossen das Programm, derweil die Guggemuusig Sumpf den Auftritt wegen Personalnot absagen musste.
Nachdem die Altstadt-Schränzer das FG-Konzert auf dem Märt eröffnet hatten, folgten die jubilierenden Baggemugge (50 Jahre) als IG-Gast. Trotz des miesen Wetters hatte sich der Platz mittlerweile gut gefüllt (wie der Barfi auch). Weiter ging es mit der Stenzer-Gugge und den Schänzli-Fäger. Zugpferde waren sodann die Ventilatore, die Gugge-Mysli und natürlich die Räpplischpalter. Ferner figurierten im Programm:Grachsymphoniker, Krach-Schnygge, Tränefurzer, Schränzharmoniker, Sonate-Schlyffer, Ueli-Schränzer und Fassadeschränzer.
Nicht nur auf dem Seibi und dem Märt wurde geschränzt, auch auf dem Claraplatz gab’s ein Konzert, das von den «Wilden». Und einige weitere Guggen produzierten sich vor ihrem Anhang an akustisch geeigneten Orten – wie zum Beispiel im Spiegelhof oder bei der Hauptpost.



