Cortège IV / Sonne hellt die Sujets auf

1. März 2007 | Von | Kategorie: Nachrichten

Was für ein Unterschied zum Mäntig: Wenn die Sonne scheint, kommen die farbigen Züge der Fasnachtseinheiten viel besser zur Geltung. Weil es nicht regnete, wirkten die Aktiven auch viel lockerer. Fasnacht zum Geniessen eben.

Als «Freunde der neuen Härte» präsentieren sich die Basler Bebbi, nämlich als Erzengel (die Pfeifer) und Erzbängel (die Tambouren), aber eher an weiss gekleidete Schuugger gemahnend. Die Tambourmajorin steht auf einem Jeep und ist der (leicht gekleidete) blaue Engel. Unsanft mitgeschleift werden ein paar lebensgrosse Puppen.

Die Alti Stainlemer spielen «Novartopoly» aus und führen einen Zwangs-Umsiedlungs-Container mit – angespielt wird auf Umsiedlungen, die im Rahmen der baulichen Erneuerungen beim Pharmamulti nötig werden. Das Spiel trägt Novartis-Fahnen und betreibt derweil «Bisness äs Juuschwell».

Sich selber feiert der Dupf-Club, man(n) blickt auf die 75 ersten Jahre zurück, ohne grosses Gschyss und auch leise, auf dem Zeedel gar besinnlich. Farbenfroh der Zug, und einen speziellen Dupfer gibt ein blau-weisser Ueli (warum nicht rot-blau?) in der zweiten Kolonne der Tambouren ab.

Ziemlich aggressiv kommt eine extra für diese Fasnacht fusionierte Formation, bestehend aus Die Antygge, Samba-Waggis und Naarebaschi: Um die Schlacht von St. Jakob geht es, und zwar um diejenige vom 13. Mai. Da hat es zwei Saubannerzüge, nämlich die Pfeifer und die Tambouren, jeweils bestückt mit Rot-Blauen und Blau-Weissen, und in der Mitte wird ein Trenngitter, wie es sie im Joggeli-Stadion gibt, mitgetragen. Nicht nur gespielt wird, die Musikanten fuchteln heftig mit Dolch und Degen herum.

Furchterregend auch die Seibi-Clique – die kommen ja ohne Larve! Und angemalt! Aber das Sujet heisst «Entlarvt», und das wird dann eben so interpretiert. Auf der Ladärne (eher ein Gestell) hängt die Trophäensammlung der «lätze Gsichter». Die Pfeifer kommen in purpur, eine Art Libellen (wohl ent-larvt, also aus der Larve raus), die Tambouren in goldgelb.
Mit dem eigenen Namen macht die Junge Garde der Muggedätscher ein originelles Wortspiel: «Mir mugge dr Böögg», heisst das Sujet. Im Zug laufen blau-weisse Zürcher Zöifter am Sächsilüütte, eine schöne Sache.
Dr Böögg isch vom Usstärbe bedroot,
dä mien mir mugge, sunscht isch es z’spoot

Auch mit der Schönheit hat es der Stamm der Muggedätscher: «Nit scheniere – operiere – ummepfusche – ykassiere» heisst das Sujet. Gezeigt werden Frauen, die zum ersten Mal vom Schönheitschirurgen behandelt worden sind (die Pfeifer), dann der Chirurg (der Tambourmajor) und dahinter Frauen (die Tambouren), denen man die Schönheitsoperationen ansieht, wegen zerfurchten und starren Gesichtern und so.

Wieder mit den Zürchern haben es die Muschgetnüssli, die mit der Wage-Clique Staine-Gwäggi kooperieren: «Alles Ziri – oder?», heisst es, und gekonnt gespielt wird der «Sechseläutenmarsch». Auf dem Wagen sitzen die Staine Zouft Gwäggi. Und viel Blau-Weiss ist zu sehen.

Mit diesen Farben haben es auch die Wiehlmys, die sich ob der Schweizerkarten-Gestaltung der Zürcher aufregen. So steht’s auf dem Zeedel:
Kuum isch Ziri Schwyzermaischter
wäre d Hirnggspinnscht als wie draischter.

Bei der Gundeli-Clique marschieren die Tambouren (Rentiere) vor den Pfeifern, die Weihnachtsbäumchen auf dem Kopf tragen. Es geht um Strom (die IWB sind ja im Gundeli zu Hause), auf Gundeli-Dytsch um «Epfel, Nuss und Biire-Waich», und der Tambourmajor ist der «Ampère Noël».

Wunderschön schliesslich noch der Zug der 100-jährigen Basler Mittwoch-Gesellschaft: 100 Meter Mittwoch wird gefeiert, angetreten sind Zimmerleute, alle mit einem Meter vor dem Kopf. In diesem Alter wird die Fasnacht eben mit anderen Ellen gemessen.