Auf der Gegenseite, den Steinenberg hoch Richtung Bankenplatz, beginnt der Wagen-Corso mit einem Bijou. Die Basler Clochard’s haben aus ihrem Wagen einen Hochsitz, umgeben von Wald, gemacht. Die Jäger liegen mit der Armbrust auf der Pirsch und suchen mit ihren feldstecherartigen Augen nach dem Bären – wohl auch jetzt noch, denn dieser sitzt gemütlich auf dem Dach des Zugfahrzeugs. Könnten sie ihn in dieser Minute erledigen, käme dies gerade zupass. Denn die Kloschterräbe spielen das Sujet «Basel kocht avec les Télé-Cuisiniers de Bâle» aus, und die zwölf Dreisternköche in der Fernsehküche könnten doch gleich ein leckeres Bärenmahl zubereiten. «Wel s Comité an uns duet spaare, mien mir e Bütscheewaage faare», begründen die zehn Warteck-Rueche, weshalb sie als Rappenspalter unterwegs sind. Nun denn, so klug budgetiert werden sie wohl nächstes Jahr einiges in einen besonders schönen Wagen investieren können.
Die Wagen-Kolonne wird kurz unterbrochen durch die Gugge-Zwärgli, die in schönen Musketierkostümen schränzen. Letztes Jahr sind sie noch zusammen mit den Schrumpfkepf auf die Route gegangen und waren einer Fusion oder Liquidation bedrohlich nahe. Die Guggefans finden es bestimmt riesig, dass die Zwerge ihre Selbständigkeit bewahrt haben. Wie lange diese den Baggemugge erhalten bleibt, wissen die (Schränz-)Götter. Die traditionsreiche Gugge hat im letzten Jahr den Sechzigsten gefeiert und bringt heute gerade mal 19 Mitglieder zusammen, die hinter dem Guggenmajor «Roi de Bâle» als «Models du Carneval de Bâle» den Cortège bestreiten.
Jetzt sind für eine geraume Zeit keine Guggentöne mehr zu vernehmen – volle Konzentration also auf die Wagen. Die Vorstadt–Glunggi Binnige behaupten «Unseri Spittel gränggele», ihr Wagen ist ein fahrendes Spitalbett, in dem die 16 Waggis als Ärzte, verletzte Patienten und Krankenschwestern das Sujet treffend ausspielen. «Bâle-sace», das Sujet der Schineblooser-Waggis, ist mit einer heimeligen Gartenbeiz irgendwo im Elsass, in der sich auch d Josephine und dr Schampedissle treffen, ebenfalls ideenreich umgesetzt. Darüber hinaus fallen ihre wunderschönen Kostüme und ihr geöltes Intrigier-Mundwerk positiv auf. Die Mischtfingge sind zwar auch nicht auf den Mund gefallen, doch sie haben einen «Bögg in der Schnuure» und gehen am Stock. Sie persiflieren nämlich den 75 Jahre alten EHC Basel, dessen Leistungen zu wünschen übrig lassen. Und sie leiden natürlich mit, weil sie selbst vom Eishockeyclub vor 60 Jahren gegründet worden sind.
Wer zwei Cortège-Nachmittage lang Wagen um Wagen beobachtet, Gugge um Gugge hört, fragt sich zuweilen, wie und was er überhaupt schreiben soll. Jetzt kommt die Rettung: Die Vogese-Rueche. Ihr wortreiches Sujet bringt es zwar noch nicht auf den Punkt: «Dr Bebbi sait, unser Radio gheert an Fischmäärt, denn was us der Limmatstadt kunnt, isch nyt Wäärt. Radio Quasilisk gheert uf Basel». Dafür dieses Hinweis-Schild an ihrem Wagen: «08.15 Quasselfahrt». Gedacht, getan, fahren wir weiter mit einem 08.15 Text.
Gar nicht so einfach bei der Klasse der Guggen, die nun am späten Nachmittag fast im Minutentakt auf beiden Routen paradieren. Die Claraschnoogge freuen sich auf den 30. Geburtstag, der möglicherweise viel Geld kosten wird, und pausieren mit einem Sujet. Schade. Die Mohrekopf hat das Sujet «Euro 08 do bisch baff, mir keere au zer Staff» gewählt, und deshalb tragen die schwarz-weissen «Bajass uf em Wääg zue iirem Plätzli» eine leuchtend gelbe «Euro-Steward»-Weste über ihrem Kostüm. Einmal mehr grandios die Schränz-Gritte, die auch die Euro 08 zum Thema macht und bei der wir 66 (!) gestörte Panini-Schränzini-Grittini-Bildli-Sammler zählen. Zahlenmässig fast die gleiche Stärke weisen schliesslich die Schotte auf. «Z Basel isch bald alles fir d Katz» monieren sie, und schränzen als prachtvolle gestiefelte Katzen. Einmal mehr ein absolutes Highlight in der Guggenszene und der Beweis dafür, dass sie keinesfalls «fir d Katz» sind.
Die Wagen-Clique Rhywälle hält sich auch darüber auf, dass in Basel bald nichts mehr los ist und liefert mit ihrem Sujet uns gleich den Schluss-Satz für den zweiten Cortège-Nachmittag: «Basel – Guet Nacht, schloof guet . . .



