Nicht alle Wagen-Cliquen pflegen die Details mit der gleichen Hingabe, wenn sie ihre Sujets ausspielen. Wenig überraschend sind Bundesrat Merz und vor allem sein Campingfreund dominierend.
So populär war der amtsälteste Staatschef der Welt noch nie: Gaddafi, mal gemeinsam mit Bundesrat Merz, mal mit seiner Idee, die Schweiz auf die Nachbarstaaten aufzuteilen, läuft bei den Wagen sogar dem traditionellen Waggis den Rang ab. Daran können auch die Wäglitramper, die in alter Waggismanier mit einem mächtigen Strohwagen ohne Sujet, dafür mit umso mehr Leben und Lärm unterwegs sind, oder die Trotzkepf-Waggis nichts ändern. Auch nicht die Bodega-Rueche mit ihrer Strohkost.
Da servieren die Schottendichter, die im Februar Merz in die Wüste schicken, entsprechend verkleidet Tee, die Châlet-Rueche sind sechs Gaddafi, selbst die Wirbel-Waggis führen auf ihrem Strohwagen die unbestrittene Nummer eins der diesjährigen Fasnacht mitsamt Kamelen mit. Und die Rhyschnuure-Waggis (ohne Sujet im Rädäbäng, aber, aber) sehen das Positive bei einer allfälligen Aufteilung der Schweiz darin, dass dann «Ziri an Eschtryych» geht. Und die Luscht-Melch haben ihren Wagen in ein farblich prächtiges Wüstenzelt verwandelt. Darin hausen – richtig – sechs …. Als ob da einer nicht schon zu viel wäre. Die Loge-Clique rückt gleichmit zwölf Arabern an. Selbst die rübenroten Rieblizupfer-Waggis thematisieren Gaddafi.
Comité, Schweinegrippe, Missen
Nicht mal im Verbund können es die ausgebliebene Schweinegrippe, das jubilierende Comité und die ungebildeten Missen mit dem Wüstensohn aufnehmen. Immerhin aber sorgen diese Sujets für einige Glanzpunkte im Cortège. Etwa die zwölf glitzernden Missen der Kloschterräbe. Sinnigerweise säumt ein riesiges Matterhorn den Zugang auf den Wagen – gleichwohl fanden Missen Einlass. Auch die Joker Waggis gehen als Missen in Netzstrümpfen auf Männer- und Stimmenfang. Die Gaggei-Waggis, die alle Gs im Namen gross schreiben, glänzen mit dem Titel zum Comité-Sujet: «100 Johr underem glyyche filzige Huet». Und mit der Schweinegrippe punkten die Pischtefäger mit ihrem Wagen, der eine einzige riesige Spritze ist, in der zehn Professoren sitzen und die Säuligrippe vertreiben.
Anderswo werden Doktoren dringender gebraucht: Die Chropf-Clique Rieche wie auch die Ohmächtige Brieder führen hinter ihrem Wagen einen kranken Waggis mit. Die Riehemer Clique will damit über das abgehalfterte Spital jammern, die Brieder über die «grangge Kasse».
Abgesang auf den Wagen
Clever haben die Waldwaggis ihr Sujet mit dem Cliquennamen verbunden: Sie sind überzeugt, dass sich der «Wasgering» schon bald in eine waldgrüne Naherholungszone verwandelt. Die Stadtdyfeli und die Blätzbumser Waggis wählten von Gogh zu ihrem Sujet. Das Sujet ist denkbar dankbar. Drum hätte man sich, wie bei so vielen anderen Wagen, etwas mehr Einfallsreichtum und Liebe zum Detail sowie etwas mehr Hebelblut in den Zeedel und Zweizeilern gewünscht. So wie es die Samba-Waggis vormachen: Sie lassen zu ihrem Sujet «City Beach» eine Sambatänzerin hoch auf dem Wagen ihre Hüften kreisen und lümmeln sich derweil in einen Liegestuhl.
Oder die Gränzgänger, die sich in Kränzgänger umtaufen. Sie tragen den alten Waggiswagen zu Grabe, der der Reglementitis zum Opfer gefallen ist. Doch sie zeigen: Um die Wagen-Tradition muss uns nicht bange sein.
Weitere Informationen:
Fasnachts-Berichterstattung 2010 der bz auf einen Blick



