Kämpfer, Krieger, Kreuzritter – am diesjährigen Cortège geht es martialisch zu und her: Die Cliquen zeigen sich passend zum Wetter rauh. Den grimmig-stürmischen Auftakt machen die «Olympirate» der Olympia, die als Basler Seeräuber säbelrasselnd die Fasnacht entern: Bereits von weitem weht die Totenkopfflagge in der Bise. In rotem Kopftuch, mit Augenklappe und Papagei auf der Schulter skandiert die Clique «Abzogge oder Abgrazze» und erklärt dem Management in der «Behringsee» den Krieg.
Kein Wunder drohen da die Rhyschnoogge zu ertrinken: «Blubb! Uns stoot s Wasser bis zem Hals», rufen sie um Hilfe. Der CCB hat dagegen die Zeichen der Zeit erkannt und rechtzeitig Taucheranzüge organisiert: «S git als wie MEER» meinen sie trocken zur Klimaerwärmung.
Nicht ertrunken, sondern bereits in der Zukunft angekommen sind Die Versoffene Deecht, die uns den Krieg der Sterne in Basel prophezeien: «Spar Wars» lautet ihr Zug in orangen Billig-Kutten, der von Darth Vader persönlich angeführt wird. Dem Preiskampf schliessen sich auch die Jungi Basler Dybli mit ihrem Sujet «Budget vs. Garantie» sowie die Ammedysli, beide im Ritterkostüm, an: «Nit ganz fein – this Billig-Line» lautet der Kommentar. Die Antygge liegen mit «Gyz isch geil» ganz im Trend und verteilen gleich ihren eigenen Schnäppchen-Katalog.
«Stopp, do koschtets!» ruft hingegen d’Wettstai als Warnung und verteilen vorsorglich bereits «Buesse-Zeedel», die wohl den Königen im purpurnen Mantel zugute kommen werden. Die Bussen selbst werden auch von grimmigen Raubrittern eingezogen, denen die Banknoten bereits über den Kopf wachsen.
«GRAL-naval: Es gibt noch Helden zu vermelden» verkünden hingegen die ebenfalls mit heruntergeklapptem Visier marschierenden Revoluzer, die im Jahr «Null Sex» ihr 50-Jahre-Jubiläum feiern. Null Sex? Die Pfluderi-Clique will nur kuscheln, doch auch das klappt in Basel nicht so ganz. «Bitte nit kuschle, mer sin Bebbi» ist das traurige Fazit für die Mitglieder, die doch eine Herz-allerliebste Larve tragen. Auch innerhalb der Clique lauert bereits die Gefahr: Unter der Kutte einiger Tambouren tickt eine Bombe. Auf der Laterne umarmt der böse Wolf den Friedenshasen und hält dabei Koks und Revolver in der Hand.
Als Gegenmittel empfehlen die Basler Rolli eine andere Droge: «Religion ist Opium für das Volk» zitieren sie Marx – «Glaubsch au?» Die gemeinte «Rolligion» ist allerdings vom Mitgliederschwund bedroht. Schützenhilfe für die Bibeltreuen kommt von der Rätz-Clique, die die gleiche Missio hat: «Santo Superstars oder suechsch au Halt?», fragt die Clique nach einem Jahr voller gläubiger Massen in Rom und Deutschland. Blick und Hände der Rätz jedenfalls gehen schon gen Himmel und suchen das Heil im eigenen Heiligenschein, während sie eine göttliche «Brite 79» zum besten geben.
Doch, es gibt sie noch, die «Wälteretter» ohne religiösen Hintergrund. Weil die Seibi-Clique die Welt retten muss, gibt es keinen Marsch zu hören. Lautlos schwärmen die «Batman»-Fledermäuse aus um eine ganz besonders wichtige Mission zu erfüllen: Nämlich die Rettung der unzähligen Plastikstühle, die sie mit sich tragen, und den Zuschauern freundlicherweise als Sitzplätze anbieten.
Ein Sitzplatz empfiehlt sich tatsächlich, wenn man den längsten Zug der diesjährigen Fasnacht beobachten will. Die Lälli-Clique beweist Mut und testet, wie weit die Narrenfreiheit geht: «Die drei SCHENGschtE Dääg – wolle mer se reilasse?» heisst ihr Zug, mit dem sie ihre sagenhaften 190 Fasnachtsgäste aus aller Welt präsentieren – darunter etwa gfürchige «Tschäggätä» oder die Herren der Narro Altfischerzunft mit Riesenfang im Netz. Ein Auftritt, der wohl nicht nur für Freude sorgt. Die Lälli hingegen zeigen dem Publikum frech und unerschrocken ihren «Lälli» – närrisch!



