Cortège I / Frau Fasnacht ist ergötzt: Alte Herren spielen in diesem Jahr die Hauptrolle

23. Februar 2010 | Von | Kategorie: Nachrichten

Müsste man der diesjährigen Fasnacht punkto Sujet einen Begriff zuordnen, es wäre wohl «Altherrenfasnacht». Oberst Gaddafi, Bundesrat Hans-Rudolf Merz, der Ca(rne)valiere Silvio Berlusconi und das Comité stellen die illustere «Staff» dieses «Greisenkabinetts», das am Cortège vorgeführt wird. Ein «Merz» in edler Form findet sich gerade einmal: als Staatskarosse der Marke «Mercedes» an der Spitze der Alti Richtig, wobei die Clique eher an Kim-Jong-Il, den geliebten Führer dachte (die geliebten Führer der Basler Fasnacht kommen später zum Zuge). Farblich dominiert «Grün». So die Uniformen der Oligarchen des Stamms der Alti Richtig oder die Kostüme des Barbara Club, dessen Stammclique mit «Em Merz sy Gschyss in Tripolis» das Thema ebenfalls farblich ausspielt.

«Gnomen est Omen» lautet das Motto der Opti-Mischte. Und sie misten gehörig aus, wobei sie diesen Vorgang «mer meerzen is us» nennen. Klar, dass Hans-Rudolf national dabei als Gnom Nummer eins herhalten muss, wobei auch die anderen Mitlieder des Bundesrates ihr Fett abbekommen. Wos durchgeht, das sagt dem Bundesrat ein Wüstensohn aus Afrika: «God Affi dailt uff, uus und yy» verkünden die Gniesser. Doch sie kommen zum Schluss, dass selbst eine gevierteilte Schweiz für Basel keine Änderung brinen würde, kaufen die Bebbi doch schon heute in Deutschland oder im Elsass ein. In die ähnliche Richtung zielen auch die Vorstadtgässler. «Gadduffdailt» ist ihr Zettel überschrieben, und Bern samt Merz darf haben, wer will und Basel wird zur Monarchie mit wem als König? Richtig: Guy Morin.

Einen alten Herrn , der sich wie ein König aufführt, nehmen die Grottegyggser an die Brust: «Silvio Pulito», der in ihrem Jargon als Tambourmajor zum «Berlusgrotti» wird (vielleicht wäre «Dummbuurmajor» eine Variante gewesen). Fürs grosse Reinemachen kommt die Clique als Reinigungstruppe daher. Es sind ehemalige Gastarbeiter(innen), die einst zum Putzen in die Schweiz kamen und nun als gelernte Fachkräfte in ihrer Heimat ans Aufräumen gehen. Waren es früher die Italiener, die die Gemüter hierzulande échauffierten, so sind es momentan die Deutschen.

«Horch, was kommt von draussen rein», fragt die Alti Garde der Alte Glaibasler. Die Peifer sind scharfe Hyänen, die Tambouren kommen in preussischer Uniform mit ihren Spitzhelmen daher. Was von «drübe» rein kommt, ist beispielsweise die Sprache, die nun schon im Kindergarten zur Pflicht werden soll. Gott sei Dank, dass Ottmar Hitzfeld nur sprachlich nur ein halber Teutone ist, stellen sie fest.

Da fragt man sich natürlich, wo haben wir denn noch Freunde, wenn schon in Deutschland, in Italien oder in Lybien nicht? Es sind die Jungen, die es den alten Herren vormachen, genauer die Jungi Garde und das Binggisziigli der Wettstai-Knorzi: «Wottsch my Frind syy? – und wer nun noch nicht weiss, wo die Freunde zu finden sind, ist ebenfalls altbacken. Natürlich im Facebook! Pfeifer und Tambouren tragen deshalb ein Buch im Gesicht. Bleiben wir noch für kurze Zeit bei der Jugend. Die Jungi Garde der J.-B.-Clique Santihans zelebrieren «40 Joor Woodstock» oder «40 Joor Broblem mit dr hittige Jugend». Die «Gnäggi» der Clique marschieren als Hippies und verströmen viel Flower-Power. Die Laterne ist «hip», modern dagegen das Schuhwerk der Kids: Turnschuhe statt Jesussandalen.

Aus altem Holz geschnitzt sind dagegen – so der allgemeine Tenor – Mitglieder des Fasnachts-Comités. Mit «Hundert Johr ojeminee, Basler Fasnachts-Comité» ist der Zettel der Rhyschnoogge, Jungi Garde, überschrieben. Doch totgesagte leben bekanntlich länger, weshalb die Clique zum Schluss kommt – wohl nach dem Motto, der König ist tot, es lebe der König: «Vive le Fasnachts-Comité». Schlechter weg kommt das Comité bei den Schnurebegge, denn «s’hänggt s’Comiteé sy Huet an d Stange», wo es der Clique wohl lieber gewesen wäre, der Hut würde am Nagel hängen. Als Uelis in wunderschönen Kostümen in Bonze und Weiss lassen sie am alles – ausser dem Baseldytsch der Zeedel – reglementierenden Comité kein gutes Haar (vielleicht, weil keines mehr vorhanden ist). Überleben wird hingegen Frau Fasnacht – mit oder ohne Comité.

Weitere Informationen:

Fasnachts-Berichterstattung 2010 der bz auf einen Blick