Comité-Schnitzelbängg: Fast an der Grenze zur Comedy-Show

7. März 2006 | Von | Kategorie: Nachrichten

Was sich bereits bei der «Trockenlesung» abgezeichnet hat, ist am Montagabend auf der grossen Bühne des Theaters bestätigt worden: Die
Qualität der Verse und des Vortrags ist eindeutig gestiegen. Viele
Comité-Bänggler haben zudem tüchtig dazu gelernt und präsentieren ihren
bissigen Jahresrückblick – häufiger als auch schon – als eigentliche
Kabarett-Nummern. Das kommt beim Publikum gut an – aber nur, wenn auch
Text und
Vortrag wirklich stimmen.

Das musste auch der erstmals aufgetretene Heiri erfahren, der sich wohl
am letztjährigen «Shootingstar» Doggter FMH orientiert hat, aber seine
durchaus spassige Show mit schlecht vorgetragenen Pointen permanent
vermasselt hat. Ähnliche Vorbehalte sind auch bei den drei anderen
Neuen – Stächpalme, Schlyffstai und Buschdrummle – anzubringen, die
wegen ihrer Pointen killenden Melodien noch nicht restlos zu überzeugen
vermochten, auch wenn sie zum Teil gute Ansätze zeigten.

Dass man dazu lernen kann, zeigte der Fäärimaa, der mit überraschenden
Pointen wie den folgenden brillierte:

In Züüri hetts letscht Johr soo Bääre gha
jupeidi und jupeida falleri und trallala
e Sinn hetts natürlig kaine gha.
Und dr ainzig Bär
mit eme bitz Verstand,
dä isch denn ab ins Bündnerland.
Sii, dä isch dr ganz Wäg gloffe –
uff d SBB kasch jo au nümm hoffe.

Showtime auch mit den vier Gumslen, die als Banggomat unterwegs sind
und das Publikum mit ihrer zum Auftakt zelebrierten Stuhlkontrolle
gleich im Sack haben. Bissig singen sie etwa:

Vo de Pitbull hämmer d Naase voll.
Mr finde au ihri Halter nit toll!
An der Bundesfyr miesst me die
– noo dis noo –
mit samt ihre Hind uff’s Rütli loo.
Dert hätts – me sott das nit vergässe –
gnueg bruuns und stinggigs Fleisch zem frässe!

Für Furore sorgt auch der Schuuflebuur mit seiner Truppe, der nicht nur
– wie ein paar weitere alte Hasen – mit einem aktuellen Schneevers
brillierte, sondern auch bissig reimte:

Ych bi der Doggter Guido Zäch.
Wär mii nit kennt, dä hett halt Päch.
Kann machen, dass die Lahmen gehn
und d Spänder s Gäld nie wiider sehn!
Buureregle: Spändet fir e guete
Zwägg!
Gänd’s im Zäch und s Gäld isch wägg.

Zum gleichen Thema meinen die drei Tellensöhne vulgo Gluggersegg:

Dr Maikel isch frey,
kai Mensch kaa’s begryffe.
Sy Schuld, schwäär wie Bley,
länggt nit zem en schlyffe.
Do z Basel het Aine,
unschuldig wie kaine,
mit dr Grächtigkait Päch.
Gäll Guido A. Zäch.

Zum klerikalen Dauerbrenner aus Röschenz sind dem Hanslimaa und dem
Schooffsuuri diese beiden Verse eingefallen:

Wenn Ritter, Dood und Deyfel ummegaloppiere
und d Pescht und Cholera dien grassiere,
und s denn no Päch und Schwääfel räägnet,
denn hett dr Bischof Koch dr Sabo gsäägnet.

Dr Boobscht isch e Ditsche, ych schryb em e Brief.
Loos Benne y bruuch Di, mir sinn im e Dief.
Dr Sabo bewegt ys, schryb ebbis us Rom;
denn dr Koch isch byweeglig wie d Bahn ohni Strom.

Eine Lachnummer par excellence der Auftritt des Doggter FMH mit seiner
«Schwester Erika», die jeweils die Diagnose stellen darf. Ihr Kommentar
zu einem Dauerverletzten:

Kenne Sii em Murat Yakin si medizinische Befund?
Är het e Verhertig am rächte Staissbai-Schlund.
Latinisch sait me däm: finitus marsch.
Uff dütsch: Dr Murat isch am Arsch!
Diagnose: D Mamme Yakin, s isch e Hohn,
isch vyl glänggiger als ihre Sohn.

Solide der Auftritt der Lange Naase, die auch den im Repertoire haben:

Die Blagedde, mit däre grosse offne Glappe,
gseht jo us als wärs e Blocher-Bläch-Attrappe.
Dass dä Verglych e bitzli hinggt, das gänn mer zue,
denn in Basel isch nach drey Dääg wiider Rueh.

Perfekt der Vortrag der Gasladärne, die sich so aus der Affäre ziehen:

Mir hänn us Ruggsichtnahm, das mechte miir betoone,
by däm Helge do verzichtet uff Persone
und hänn dr Abdrugg in de Zyttige verbotte.
Es soll jo kaine uff d Idee koo, dass mir spotte. S Theater muess jetzt spaare. ’s länggt no knapp fir Unterhoose.
Dr Don Giovanni kauft fir d Donna Anna Plastic-Rose.
Zem Personal yspaare wänn si sogar umsverworge
dr Fascht-Diräggter Gass jetzt in Regierigsroot entsorge.

Gewohnt sec, aber ebenso perfekt der Auftritt der Älplerfamilie
Peperoni, deren Kuh ganz hinterhältig reimt: e Baugsuech fir e Mischtkiibel koordiniert,
mien si d Entschaidig uuseschiebe, denn Aine drait no Runde
dr Delegiert vom VCS, dä hett kai Parggblatz gfunde.

Knapp, aber trotz Kostüm-Sponsor nicht immer nur billig geht es beim
Budget-Pierrot zu, der die Lacher mit diesem Vers auf seiner Seite hat:

‘S isch wältberiehmt, s Tiramisu.
Fascht glych bekannt isch s Tamiflu.
Und zem Gligg fliegt nit jede mit Grippe ins Bett,
wo sälber e bitz e Vogel hett.

Auf den Auftritt der Verschiffte werden wird schon fast traditionell im
Bericht über den Schlussoobe eingehen. Dass es die Blauäugige danach
schwer hatten, versteht sich fast von selbst. Applaus gab’s aber nicht
nur für diesen optisch aufgemotzten Vers:

Dr Dimitri wird Sibzig und het no alli Zeen.
Sy runde Kopf mit Pilzfrisur isch aifach wunderscheen.
Är schynt so ainzig uff dr Wält, doch wüsse mir syt geschter –
nit wyt ewägg im Bundeshuus läbt sy Zwillingsschwester.

Neue Perspektiven hat das resolute Fägnäscht aufgedeckt, das damit im
Homburgertal Hoffnungen weckt:

Easy-Jet duet laufend expandiere,
mit Deschtinatione wo rentiere.
Ab Summer gits e neye Flug, dä wirds denn total bringe:
jedi Stund diräggt uff Läufelfinge.

Mit neuem Kostüm sind d Zahnstocher unterwegs. Die drei Alte haben eine
noch ungeklärte Frage:

Fyrlig sait dr Edelmaa zur Giggi Oeri:
«Jetzt han y gnueg als Presidänt
und dorum hör y ändlig uff.» Do frooge mir ys under Fründe:
muess ain e Amt, won är nie gha hett, wirgglig künde?

Die beiden Stroossewischer wischen in diesem Jahr zwar den Drägg nit
ewägg, ewägg, aber ihre Verse haben deswegen nicht gelitten. «Härzig»
etwa: hänn unseri Kinder ganz e maagers Vögeli gfunde
Sy hänn’s waarm ypaggt und denn haibrocht, doch herjee. . .
. . .gang mach däm aarme Martin Vosseler e Tee!

Als Supplement dazu nochmals einen Passenden vom Hanslimaa:

Y ha fir dr Vosseler in circa dausig Stunde
e quadratisch waggsende Baumstamm erfunde.
’S git fascht kai Abfall und er fuult nit im Rääge
und dr Clou isch: ‘s git kai Fynstaub bim sääge!

Beifallstürme auch für den Singvogel, der zum zehnten Mal mit von der
Partie ist. Zum Jubiläum hat er etwa diesen Doppelvers im Köcher:

Wo die ganzi Kompanie am Oobe spoot
noonem Dusche no zum Spermie-Spände goht,
verdailt me vorsichtshalber jedem e Gamälle
mit warmer Ovi drinn zer Sterggig vo de Zälle.

Y seh’s eych aa, ihr hänn doch dänggt bym letschte Värs:
Jetzt wird er aber langsam alt und lycht pervärs.
Jä, wenn als Bänggler wotsch am Schwyzer Färnseh koo,
muesch dy uffs Niveau vo däm Sänder aabeloh.

Ebenfalls zu den Jubilaren gehören in diesem Jahr die fein
herausgeputzten Penetrante. Wie viele andere haben sie es auch mit der
neuen Stuhlverordnung. Zu diesem Thema ist ihnen dieser Vers
eingefallen:

’S Babsi Schneider isch e Grossi und e Kiehli.
Sy druggt ihr Fuudi gar nit gäärn in Plastikstiehli.
Drumm froggsch die näggschtens, wenn de aine gohsch go bysse:
sitzt uff dämm Holzstuehl s Babsi oder ischs e Sprysse?

Das wärs eigentlich, aber einen passenden haben wir noch:

Wenn d ummeluegsch, denn frogsch dy scho – wasch loos mit unsere Junge?
Die rede nur per Deelifon – und das mit brochener Zunge.
Im Kindsgy isch jetzt Hochdütsch Pflicht, so kunnts dängg noo dy noo,
dass kuum me eins vo unsere Kids ka Schnitzelbangg verstoh.
die Blauäugige