Eigentlich war es ja gar nicht das Comité selbst, welches den Schirm zumachte, eher der Wind (das himmlische Kind – ein Zeichen von oben?). Eine Windböe packte den grossen Schirm, welcher die hohen Damen und Herren der Fasnachtsobrigkeit am Steinenberg schützen sollte. Zu allem Unglück – und trotz tatkräftigem Anpacken der Mannen um Obmann Felix Rudolf von Rohr – grub sich der Schirm auch noch in den Cortège und verursachte an der Laterne einer vorbeiparadierenden Clique einen veritablen «Schränz». Hier dürfte das Comité bei der Subventionsvergabe eine Bringschuld in Sachen Wiedergutmachung haben.
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Wann immer Gäste aus dem mehr oder weniger fernen Osten im Rathaus zu empfangen sind, delegiert unsere Regierung den Sanitätsdirektor. Dies nicht etwa, um gleich Tests in Sachen Sars oder Vogelgrippe vorzunehmen, sondern wegen der unglaublichen Sprachbegabtheit des Olympia-Tambours Carlo C. Im Gegensatz etwa zum Besuch der japanischen Kaiserin verzichte dieser aber beim Empfang der Omaner auf Begrüssungsworte in deren Heimatsprache, sondern verkündete: « Since my vocabulary of the Arabic language is very modest, I am forced to hold my speech in English, which I know a bit better.» In der Folge begrüsste er aber sehr herzlich, vor allem den Squadron Leader Nassin ali Bebbij Naif (Nomen est Omen).
Wie überall, wo TV-Kameras und Radio-Mikrophone vermutet werden könnten, war auch Basels Staatsschreiber nicht weit, der die Basler Sparwut gleich noch in Verse fasste:
We do invite you now to drink
with us a special welcome-drink
its Basler Wasser, cause we think,
that alcohol you do not drink.
Oder uff guet baseldütsch:
Fir Eych, wo do so ummestehn
in Eyre Oman-Sultan-Gleen
hänn d IWB mit dr Regierig
– ihr findet das bestimmt sehr riehrig –
das Basler Wasser prepariert
und sälbverständlig au spendiert.
Ob Felix Drechslers abschliessender Spruch dann so gut angekommen ist, entzieht sich unserer Kenntnis:
Firs näggscht Mool hät y noone Bitt:
Wenn’s iberhaupt e näggscht Mool git,
denn bringet doch Eyre HAREM no mit!
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Der neue BaZ-Chef ist bekanntlich Luzerner und scharfer «Beobachter», dies macht sich nun auch in der Fasnachtsberichterstattung bemerkbar. Gekippt hat Ivo Bachmann nämlich den beliebten Fasnachtsquerschnitt, der die BaZ-Berichte der «scheenschte drey Dääg» zusammenfasste und so, versehen mit schönen Helgen, ab Donnerstag am Kiosk zu haben war. Nicht so dieses Jahr, obwohl der Sonderdruck jeweils ein grosser Erfolg war. Das Ganze sei unnötig, befand der BaZ-«Lozärner»…
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Grosses Pech hatte IGK-Interimspräsident Arthur «Dulle» Marti, der sich ausgerechnet kurz vor der Fasnacht eine währschafte Erkältung einfing. Dies hätte ihn aber zweifellos nicht daran gehindert, seine träfen Sprüche vom Wagen der «Alt Näscht Clique» zu bringen. Nach dem Morgenstraich und einem sehr kräftigen Huster krachte es aber in «Dulles» Brustkorb, was zu einer Ueberprüfung in der Notfallstation und zur niederschmetternden Diagnose Rippenbruch führte. Fasnacht ade! Das kommt davon, wenn man jedem etwas husten will…
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Wenig Probleme mit dem ersten Tag der Basler Fasnacht und der Nacht auf den Guggezyschtig hatte die Basler Hermandad: Alles verlief ohne grössere Zwischenfälle. Am Montagnachmittag mussten nur noch wenige entlang der Route parkierte Autos und Zweiräder abgeschleppt werden. Ausserdem gingen im Fasnachtstrubel kurzzeitig 18 Kinder verloren; sie wurden in den Bezirkswachen City (Vulgo: Spiegelhof) und Kleinbasel (Vulgo: Glaaraboschte) mit warmer Schoggi und tröstenden Worten betreut, bis Mamme und Babbe gefunden waren.
Höchst kriminelle Existenzen gibt es aber trotzdem: Drei Trommeln, ein Piccolo und zwei Larven wurden gestohlen. Einer der Trommeldiebe konnte sogleich erwischt werden. Er konnte wohl von Glück sagen, dass er der Polizei in die Arme lief und nicht einer Stammclique.
Angesichts der ruhig verlaufenden Fasnacht hatte Polizeisprecher Klaus Mannhart nur eine wirklich heikle Aufgabe: Er musste dem Schweizer Fernsehen und 3Sat live vor der Kamera erklären, warum die Basler Gefängnismauern so dünn sind, dass sich hunderte von maskierten Ausbrechern auf der Cortège-Route befanden…



